Hans Steinbichler: Deswegen verfilmt er "Anne Frank"

Warum Hans Steinbichler das Tagebuch der Anne Frank verfilmt, obwohl es stellenweise "sterbenslangweilig" ist, erzählte er spot on news.

Regisseur Hans Steinbichler (49, "Landauer - Der Präsident") realisierte nun das, woran das ZDF im vergangenen Jahr scheiterte: eine Verfilmung des "Tagebuchs der Anne Frank". Ein Konkurrenzprojekt des ZDF in Zusammenarbeit mit Oliver Berben und der Constantin Film war an der Rechtefrage gescheitert. Das kann Steinbichler nicht passieren: "Die "Anne Frank", die wir jetzt gemacht haben, hatte weltexklusiv die Rechte des Tagebuchs", erzählte er der Nachrichtenagentur spot on news beim BR-Telepool-Empfang im Rahmen des Filmfestes München.

"Interessant ist, dass man auf die Idee kommen kann, einen Film über Anne Frank zu machen, ohne die Rechte am Tagebuch zu haben", fügt Steinbichler in Anspielung auf die Macher des anderen Projektes hinzu. Über seinen Film sagt er: "Es gibt wenige Stoffe in der Welt, die Weltstoffe sind. Anne Frank ist jemand, über die man mit einem Moslem sprechen kann, und der weiß Bescheid. Oder mit Leuten aus Afrika, auch die kennen Anne Frank."

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Erster Anne-Frank-Kinofilm seit 60 Jahren

Nicht nur deswegen ist die Geschichte dem Regisseur ein Bedürfnis. "Der letzte Kinofilm ist 60 Jahre her. Das muss man sich mal vorstellen", sagt Steinbichler. Ihre Geschichte am Leben zu erhalten sei nicht nur heute wichtig. "Ich glaube, diese Pflicht haben wir noch ungefähr 200 Jahre." Die Dimension dieses Verbrechens sei durch nichts zu relativieren, deshalb müsse man das Thema immer wieder hervorholen, "selbst wenn es den Leuten auf die Nerven geht". Das sei unsere Pflicht.

Aus "Klatsch" wird Weltliteratur

Steinbichler hat bei der Erzählung der ikonischen Geschichte seine eigene Sichtweise. "Alle reden ja von dem Tagebuch der Anne Frank und finden es fantastisch - und das ist auch richtig. Aber ganz große Teile dieses Buches sind einfach ein sehr giftiger Klatsch über die Bewohner im Hinterhaus", sagt Steinbichler. "Man muss sich klarmachen, dass das Tagebuch der Anne Frank ein Tagebuch ist und kein Thriller, und dass ganz viele Teile dieses Buchs auch sterbenslangweilig sind und aus Wiederholungen bestehen." Einige Gedanken in dem Buch seien jedoch so "groß und grandios, dass es eben Weltliteratur wurde".

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