Fifty Shades of Grey: Alles eine Frage der (Ein)Stellung

Endlich ist "Fifty Shades of Grey" in den Kinos. "Endlich", nicht weil der Film sämtliche Bahnen bricht, sondern damit der Hype ein Ende findet.

Sie, eine junge und unerfahrene Studentin. Er, ein dominanter und arroganter Milliardär. Als sich Anastasia Steele (Dakota Johnson, 25) und Christian Grey (Jamie Dornan, 32) zum ersten Mal sehen, ist es um sie geschehen. Dabei wollte Steele doch lediglich ein Interview mit dem 27-Jährigen für ihre Universitätszeitung führen. Stattdessen offenbart er ihr eine Welt aus Erotik, Sex und Machtfantasien.

Das Beste hoffen und mit dem Schlimmsten rechnen

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©SpotOnNews

Beim Erotik-Film "Fifty Shades of Grey" kommt es vielleicht wie bei keinem anderen Film darauf an, mit welchen Erwartungen das Kino-Ticket gebucht wird. Durch den zuletzt über jedes gesunde Maß hinausgehenden Medien-Hype kann bei den meisten Fans die Enttäuschung eigentlich nur groß sein, sobald sie den Abspann sehen. Wer hat schon allen Ernstes damit gerechnet, mit einem in den prüden USA produzierten Film und der hierzulande offiziellen Altersfreigabe von 16 Jahren eine erotische Grenzerfahrung zu erleben? Geht das heutzutage überhaupt noch? Willkommen im Zeitalter von Youporn und Co.

Tatsächlich gibt es aber eine Erwartungshaltung, mit welcher der Film positiv überraschen kann: Es darf nicht vergessen werden, dass "Fifty Shades of Grey" ursprünglich unter dem Titel "The Master of the Universe" herauskam und als Fan-Fiction zu Stephenie Meyers "Twilight"-Saga konzipiert war. Ein Film, basierend auf einem Buch, das von einem Fan eines anderen (nicht sonderlich guten) Buchs verfasst wurde - das klingt wie das Rezept für einen filmischen Totalausfall. Doch ebenso wenig wie ein Sex-Meilenstein ist "Fifty Shades of Grey" auch das nicht.

Erotik vor Provokation

Schnell wird klar, dass der Film die Sex-Szenen trotz Bondage und sonstigen Fetisch-Anleihen nicht streng provozierend konzipiert hat, sondern tatsächlich die Erotik im Vordergrund steht. Dakota Johnson und Jamie Dornan geben eindeutig alles, wirken zuweilen aber künstlich in ihren Rollen - die Zeugnis-Floskel "Sie waren stets bemüht" springt bei manchen weniger überzeugenden Szenen gerne in den Sinn. Dennoch darf den zahlreichen Schäferstündchen mit Peitsche eine äußerst sexy-ansprechende Choreographie attestiert werden, die ihre Wirkung zumeist nicht verfehlt.

Ausziehende Anziehung?

Die vielzitierte Chemie zwischen zwei Figuren ist es, die "Fifty Shades of Grey" dennoch die Luft aus den Segeln nimmt. Wenn eine derart elektrisierende Romanze wie zwischen Christian Grey und Anastasia Steele erzählt werden soll, muss zwischen den beiden Bondage-Turteltauben alles passen, doch das tut es bei Johnson und Dornan nicht. Viele der Kritiker, welche im Vorfeld die Besetzung der beiden Hauptfiguren lauthals anprangerten, werden sich bestätigt fühlen. Wie es dagegen richtig geht, bewiesen bereits 2003 der inzwischen etwas aus dem Leim gegangene James Spader und Maggie Gyllenhaal in der S&M-Komödie "Secretary" - ihnen kaufte man die ungewöhnliche Liebesgeschichte zu jeder Zeit ab.

Fazit

In einer Welt der Schwarz/Weiß-Seher muss "Fifty Shades of Grey" ganz sachlich als das gesehen werden, das es ist: Ein (speziell auf dem europäischen Markt) bei Weitem nicht so anrüchiger Film, wie es die Werbetrommel im Vorfeld mit lauten Gebaren weißmachen wollte, sondern alles in allem ein solider, relativ unbedeutender Streifen, der außer Johnsons Popöchen wohl niemandem wehtun wird. Auch wenn die Chemie zwischen den Hauptdarstellern nicht das Gelbe vom Bondage-Band ist, verfehlen die Sex-Szenen nicht ihre erotische Wirkung.

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