Dieter Hallervorden: Am Anfang stand ein Mordplan

Entertainer Dieter Hallervorden feiert seinen 80. Geburtstag. Aus dem Blödel-König ist ein streitbarer Charakterkopf geworden.

Oft gibt er ein Bild des Jammers ab, und irgendwie ist das Blödeln zu seinem Markenzeichen geworden. Das zerknautschte Gesicht, die hilflose Mimik, das einfältige Lächeln. Ein armer Idiot, den alle lieben. Nur seine Augen verraten die Wahrheit: Sie schauen meist todtraurig in diese Welt. "Viele Zuschauer waren der irrigen Meinung, Didi sei Dieter Hallervorden", sagt Dieter Hallervorden. "Klar habe ich den Volltrottel gegeben, aber doch nur, weil es mir andere so ins Drehbuch geschrieben haben." Der wahre Hallervorden habe durchaus Sinn für feinen Humor, ja, er liebe sogar die subtile Pointe.

Am heutigen 5. September feiert er seinen 80. Geburtstag. Und wenn an diesem Tag im Fernsehen an Didi Hallervorden erinnert wird, dann spukt durch Millionen deutscher Köpfe sein berühmtester Nonsens-Satz: "Palim-Palim, ich hätte gern eine Flasche Pommes frites." Er mag ihn mittlerweile nicht mehr hören. "Es ist, als wolle Hallervorden sein Identitätsproblem mit diesem Sketch endgültig aufheben", schrieb die FAZ. "Jahrelang fühlte er sich von diesem Didi verfolgt, dem er doch seinen Erfolg verdankte. Seit Anfang der 1990er Jahre hat Hallervorden die Figur kaum noch gegeben, stattdessen kämpfte er darum, doch bitte endlich als politischer Satiriker ernst genommen zu werden."

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Der Weg zum Erfolg war schwer und steinig

Dieses Ziel hat er längst erreicht, was vielleicht noch nicht für alle erkennbar ist. Dennoch: Dieter Hallervorden ist ein ernstzunehmender Kabarettist und Schauspieler, Moderator und Theaterleiter, Sänger und Synchronsprecher - und natürlich auch Komiker. Doch sein Weg zum Erfolg war schwer und steinig.

"Schon das Vorspiel zu seiner Karriere war ein Desaster", so schildert die "Süddeutsche Zeitung" den Beginn seiner Laufbahn. Nach dem Abitur studierte der gebürtige Dessauer an der damals Ostberliner Humboldt-Universität Romanistik. Einer seiner Professoren war der berühmte Romanist Victor Klemperer. 1958 floh Hallervorden wegen der eingeschränkten Meinungsfreiheit in der DDR nach Westberlin und erweiterte sein Studium an der Freien Universität um die Fächer Publizistik und Theaterwissenschaften.

Die blödsinnigen Seiten des Lebens hatten sich ihm noch nicht erschlossen, im Gegenteil: Mit seinem Kommilitonen Kurt Eberhard, dem späteren Sozialwissenschaftler, beschloss er, den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht zu ermorden. Die beiden Studenten wollten den damals mächtigsten DDR-Politiker aus einer S-Bahn heraus erschießen. Eine Freundin brachte die jungen Männer von diesem Plan ab.

Neben seinem Studium schlug sich Hallervorden als Gärtner, Bauarbeiter, Fremdenführer und Bierfahrer durchs Leben, beseelt von nur einem Wunsch. "Der Sohn eines Ingenieurs", so die SZ, "wollte unbedingt Schauspieler werden, und so ging er voller Hoffnung zur Aufnahmeprüfung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. Hallervorden erzählt die Geschichte seines Scheiterns heute noch mit wohligem Schaudern - wie er damals aus tiefer Seele den Eingangsmonolog aus Kleists "Amphytrion sprach" und nach sieben Sätzen von der Schulleiterin abgewürgt wurde: "Danke, das genügt!""

Aus Dieter wurde Didi

Weil seine Bewerbung bei dem Berliner Kabarett "Die Stachelschweine" ebenso gescheitert war, gründete er 1960 die Kabarettbühne "Die Wühlmäuse", der er noch heute als Direktor vorsteht. Man sah ihn zunehmend auf Berliner Theaterbühnen, er drängte ins Fernsehen - und er wurde als Tollpatsch berühmt. Aus Dieter wurde Didi. Höhepunkt dieses Erfolgs war die Comedy-Serie "Nonstop Nonsens" - ein "Gradmesser für die Humorfähigkeit der Deutschen", notierte die "Süddeutsche Zeitung". Didi konnte machen, "was er wollte, die Leute fanden ihn immer komisch, selbst wenn er als Kellnerin mit weißem Häubchen auftrat".

Sein bekanntester Sketch zeigt zwei Knackis, die in ihrer Zelle Kaufmannsladen spielen: Didi betritt als "Kunde" das gedachte Geschäft, macht dabei die Ladenklingel nach - "Palim-Palim!" - und sagt zu seinem Partner Gerhard Wollner: "Ich hätte gern eine Flasche Pommes frites." Wollner hält den Wunsch für völlig verrückt - und bietet schließlich Didi einen Rollentausch an. Und dann steht Hallervorden hinter dem "Tresen". Als Wollner mit "Palim-Palim" den "Laden" betritt und "Ich möchte gern Pommes Frites" fordert, antwortet Hallervorden: "Ja ham Se denn 'ne Flasche mit?"

Um diesen Sketch, den Millionen Deutsche auswendig gelernt haben, hatte sich ein heftiger Streit entzündet. Der Komiker-Kollege Fips Asmussen, 77, erhob den Vorwurf, Didi habe diese Nummer von ihm geklaut. Bis Hallervorden klarstellte, er habe den Sketch "für 500 Mark" vom Ostberliner Autor Heinz Quermann gekauft.

Seine Brachialscherze vergoldete Hallervorden in den 1980er Jahren auch in Filmen wie "Ach Du lieber Harry", "Didi - Der Doppelgänger", "Didi und die Rache der Enten", "Didi auf vollen Touren", "Didi - Der Experte". Doch bei seiner Begabung, "Lob und Anerkennung im unbegrenztem Maße ertragen zu können" (Hallervorden über Hallervorden) dürften ihn diese Späße und ihr Echo bald angeödet haben. Nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau und langjährige Film- und Sketchpartnerin Rotraud Schindler (zwei Kinder) zog er sich immer mehr auf sein Schloss in Frankreich zurück.

Rückzug und Rückkehr

Das Château de Costaérès liegt auf einer kleinen Insel vor der bretonischen Küste. Der polnische Autor und Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz soll dort seinen Roman "Quo Vadis" geschrieben haben. Dieter Hallervorden lebt mit seiner zweiten Frau Elena Blume, 51, mit der er ebenfalls zwei Kinder hat, auf Costaérès und hat in dem meerumtosten Gemäuer Drehbücher, Biografien, Sketche, Songs und Kabarettprogramme verfasst.

In den letzten Jahren brillierte der Mann, den Kritiker einst als deutschen Marty Feldman - den er übrigens auch synchronisierte - bezeichnet hatten, mit ungewöhnlichen Filmrollen ("Sein letztes Rennen"), zuletzt in Til Schweigers Tragikomödie "Honig im Kopf", 2014,: Hallervorden spielte einen Demenzkranken - und bekam Krach mit Regisseur Schweiger. Es habe sich um eine Szene gehandelt, "wo man nun plötzlich meinte, man müsste auch noch zum Körperausgang hinten ein paar Pupse beisteuern", sagte Hallervorden dem RBB-Sender "RadioBerlin 88,88". Schweiger habe Hallervorden an seinen Vertrag erinnert, daraufhin habe er eingelenkt und die Szene grandios gespielt. "Er spielt in dem Film wie von einem anderen Stern", sagte Schweiger. Die beiden haben sich mittlerweile bei "einigen Gläschen" wieder ausgesöhnt.

Für diese Rolle wurde Hallervorden im Frühjahr in Wien mit dem Filmpreis "Romy" als bester Schauspieler ausgezeichnet. Und wieder sorgte er für einen Eklat: "Diese österreichische Romy führe ich heim ins Reich", sagte der Komiker bei der Verleihung. Das Publikum war entsetzt, denn mit dem Slogan "Heim ins Reich" hatten Nationalsozialisten für den Anschluss Österreichs an Deutschland geworben.

Hallervorden sagte, er habe sich den Spruch sehr gut überlegt. Die Österreicher seien zwar vor dem Zweiten Weltkrieg "mit wehenden Fahnen zu Nazi-Deutschland übergelaufen", hätten später aber keine Mitschuld eingestanden. "Ich will niemanden zu rechtem Gedankengut ermuntern, im Gegenteil! Ich will davor warnen. Das war keine Beleidigung der Generation, die heute in Österreich lebt. Das war eine Erinnerung an das, was ihre Väter mit verschuldet haben."

Das besondere Geschenk zum 80. Geburtstag

Zu seinem 80. Geburtstag macht sich Dieter Hallervorden selbst ein Geschenk: Am 4. September kommt sein Song "Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)" in den Handel. Einschlägige Erfahrungen als Sänger hat er ja. 1979 verhohnepipelte er gemeinsam mit Helga Feddersen (1930-1990) den Disco-Welthit von John Travolta und Olivia Newton-John "You're the One That I Want". Didis lautmalerische Blödelnummer "Du, die Wanne ist voll" belegte Platz 4 der deutschen Charts.

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