Conchita Wurst: Morddrohungen lässt sie nicht in ihr Leben

In ihrer Biografie berichtet Conchita Wurst über ihren Weg aus der Provinz zum Weltstar. Im Interview spricht sie über Drohungen und Kinder.

Bei der Idee, mit 26 Jahren eine Biografie herauszubringen, war ESC-Gewinnerin Conchita Wurst ("Heroes") zunächst skeptisch, wie sie der Nachrichtenagentur spot on news verriet. Im Nachhinein war es aber für sie - und sicher auch ihre Fans - die richtige Entscheidung. In "Ich, Conchita - Meine Geschichte. We are unstoppable" (LangenMüller, 192 Seiten, 20 Euro) spricht sie über - nicht immer schöne - Kindheitserinnerungen und darüber, wie aus einem Jungen aus der österreichischen Provinz ein Star wurde. Wie sie mit Morddrohungen umgeht und was sie über Kinder denkt, verrät sie im Interview.

Wie war es, Ihr bisheriges Leben noch einmal für das Buch Revue passieren zu lassen? Gerade an die Schulzeit haben Sie einige nicht so schöne Erinnerungen...

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Conchita Wurst: Bei der Idee, mit 26 Jahren eine Biografie herauszubringen, war ich zunächst sehr skeptisch. Dann habe ich mich aber mit meinem Ghostwriter Daniel Bachmann getroffen und ihm vier Tage lang meine Geschichte erzählt - und mich dabei in dieses Projekt verliebt. Im Nachhinein war das einer der wichtigsten Momente meines Lebens. Diese vielen Situationen ergeben aneinandergereiht plötzlich einen Sinn und ein Muster. Ich habe sehr viel über mich selbst dazu gelernt.

Sie wurden in der Schule von anderen Kindern gehänselt. Haben Sie das Gefühl, dass Sie für Kinder, die in einer ähnlichen Situation sind, eine Hilfe sein können?

Conchita Wurst: Natürlich kann das Buch dadurch auch ein bisschen Trost spenden. Die Pubertät und das Teenager-Dasein gehen vorbei. Das hat wahrscheinlich niemandem von uns wirklich Spaß gemacht. Viele Menschen, die heute nach außen einen sehr selbstbewussten Eindruck machen, hatten eine schwierige Zeit.

Sie haben auch nach Ihren großen Erfolgen noch Morddrohungen erhalten. Wie gehen Sie damit um?

Conchita Wurst: Viele bezeichnen mich da als naiv oder blauäugig - aber ich habe mich vor einigen Jahren bewusst dazu entschlossen, solche negativen Dinge nicht in mein Leben zu lassen. Ich beschäftige mich auch nicht mit Kriegsmeldungen. Nicht, weil ich ignorant bin oder es mich nicht interessiert, im Gegenteil. Es bringt mich aber nicht weiter. Wenn ich in Situationen komme, in denen das Relevanz hat, setze ich mich natürlich damit auseinander. Aber ich ziehe mir nicht jeden Tag ungefragte Meinungen von Facebook-Usern rein. Dazu ist mir meine Zeit zu schade.

Sie haben schon mit großen Stars wie Karl Lagerfeld gearbeitet, sind mit Jean Paul Gaultier befreundet. Wen würden Sie gerne noch kennen lernen?

Conchita Wurst: Das sind viele: Shirley Bassey, Donatella Versace, Carmen Dell'Orefice, das ist das älteste Topmodel der Welt, oder den Dalai Lama. Ich liebe es, andere Menschen kennen zu lernen und nehme aus jeder Unterhaltung immer etwas mit. Ich bin jetzt in der Position, dass ich auch tatsächlich gehört werde von diesen Menschen. Auch wenn sie mir absagen - vor einem Jahr hätten sie wahrscheinlich nicht mal das getan.

Neben Musik und Mode engagieren Sie sich auch politisch, kämpfen für mehr Toleranz. Können Sie sich vorstellen, später einmal ein politisches Amt zu übernehmen?

Conchita Wurst: Nein, gar nicht. Das, was ich sage, wofür ich einstehe, ist eigentlich keine Politik, sondern das, was wir alle wollen: Wir möchten alle respektiert werden und friedlich miteinander leben. Unserer Gesellschaft fehlt schlichtweg manchmal der Respekt, neutral oder gar nicht auf etwas zu reagieren.

Sie berichten in Ihrem Buch über Ihr Outing, das ungeplanterweise über ein Interview gelaufen ist. Ihre Eltern wussten vorher nichts. Wenn Sie die Zeit noch einmal zurückdrehen könnten, wie würden Sie es heute machen?

Conchita Wurst: Das habe ich mich oft gefragt und lange gedacht: Das hätte ich anders machen müssen. Heute bin ich mir da nicht mehr ganz sicher. Einerseits tut es mir leid, dass ich meinen Eltern die Zeit nicht gegeben habe, sich damit auseinanderzusetzen und sich darauf vorzubereiten. Ich denke aber, dass alles aus einem gewissen Grund geschieht. Für meine Eltern war es aufgrund ihres Charakters vielleicht so die richtige Lösung.

Sie machen sich in "Ich, Conchita" auch über Kinder Gedanken. Können Sie sich schon ein Leben mit Familie vorstellen?

Conchita Wurst: Nein. Ich empfinde keine Sehnsucht, eine Familie zu gründen. Aber ich habe prinzipiell keinen Plan in meinem Leben - und vor allem keinen Plan B. Ich lasse mich vom Schicksal leiten, habe aber Ziele vor Augen. Wenn ich irgendwann zu dem Punkt gekommen bin, dass ich mich bereit fühle, Verantwortung für ein Menschenleben zu übernehmen und wenn die Umstände passen, weiß ich in dieser Situation sicher, dass ich soweit bin. Jetzt könnte ich das nicht. Nicht nur wegen meines Jobs, auch aufgrund meiner Persönlichkeit. Ich bin viel zu ungeduldig und könnte nicht mit einem Menschen zusammen sein, mit dem ich nicht konstruktiv diskutieren kann.

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