Argo: So gut ist der Oscar-Abräumer

Auf den ersten Blick erscheint die Geschichte von "Argo" so unglaublich, dass sie wirklich nur einem Hollywoodfilm entstammen kann.

Nach den beiden Thrillern "Gone Baby Gone", 2007, und "The Town", 2010, lieferte Ben Affleck, 43, 2012 mit "Argo" sein Meisterstück als Regisseur ab. Sein schnörkelloser und über zwei Stunden durchgehend spannend inszenierter Thriller wurde bei den Academy Awards 2013 mit drei Oscars ausgezeichnet (Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt). Das ZDF zeigt "Argo" heute um 22.15 Uhr im Rahmen des Montagskinos als Free-TV-Premiere.

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Am 4. November 1979 erreicht die Islamische Revolution im Iran ihren Höhepunkt. In Teheran wird die Botschaft der USA von militanten Studenten gestürmt, die 52 Anwesenden werden als Geiseln genommen. Während der unübersichtlichen, chaotischen Zustände gelingt es sechs Botschaftsangehörigen gerade noch rechtzeitig, das Gebäude durch den Hinterausgang zu verlassen. Zuflucht finden sie in der Wohnung des kanadischen Botschafters Ken Taylor (Victor Garber).

Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die US-Bürger gefunden und wahrscheinlich getötet werden. Daher wird die CIA mit der Rettung der Diplomaten beauftragt. Der Fachmann der Agency für Geheimoperationen ist Tony Mendez (Ben Affleck), doch mit einer vergleichbaren Situation hatte er es bisher noch nie zu tun. Als er während eines Telefonats mit seinem Sohn im Fernsehen zufällig den Film "Die Schlacht um den Planet der Affen" sieht, überkommt ihn plötzlich eine wahnwitzige Idee: Die Flüchtigen sollen als kanadisches Filmteam, das im Iran Drehorte für den imaginären Science-Fiction-Film "Argo" besichtigt hat, das Land verlassen.

Geschickt verwebt Affleck Thriller- und Drama-Elemente mit lockeren Passagen. Vor allem der zweite Akt ist durch die teils satirischen Hollywood-Szenen, in denen Alan Arkin und John Goodman als ausgebuffte Film-Veteranen glänzen, von einigem Witz durchdrungen. Affleck überspannt den Bogen jedoch nie und hält eine gute Balance zum dramatischen Teil der Geschichte. Und wenn sich Vertreter von CIA und Außenministerium darüber unterhalten, wie sie die Iraner täuschen könnten, dann kommen sich der Hollywood-Zirkus und der Geheimdienst-Zirkus erstaunlich nahe. Den dritten Akt führt Affleck dann in einer Flughafenszene zu einem unglaublich spannenden Finale zusammen.

Die Spannung hat aber ihren Preis: So stellt das Drehbuch die Geschehnisse oftmals historisch nicht korrekt dar, um das Tempo hochzuhalten. Zum Beispiel wird im Film behauptet, dass die sechs Flüchtlinge von der britischen und der neuseeländischen Botschaft abgewiesen wurden, bevor sie Zuflucht in der kanadischen Vertretung fanden. Das stimmt so nicht, da sowohl Briten als auch Neuseeländer bei der Rettungsaktion halfen. Trotzdem: Wenn am Ende der Abspann Realität und Fiktion vergleicht, bleibt die Erkenntnis, dass Affleck ein richtig guter Regisseur ist, und dass Hollywood und Geheimdienste mehr gemeinsam haben, als auf den ersten Blick gedacht.

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