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Senta Berger "Ich wäre gerne noch mal jung"


Jahrzehntelang galt sie als die schönste Frau des deutschen Films - jetzt sprach Senta Berger mit "Gala" entwaffnend ehrlich übers Älterwerden und das Gefühl von Wehmut beim Blick in den Spiegel

Es war eine der wichtigsten Auszeichnungen ihrer Karriere, doch persönlich entgegennehmen konnte Senta Berger den Deutschen Schauspielerpreis für ihr Lebenswerk nicht: RegisseurMichael Verhoeven kam in Vertretung seiner Frau zur Verleihung nach Berlin. Kurz zuvor war sie mit dem Notarztwagen in ein Münchner Krankenhaus gebracht worden, Diagnose: akute Lungenentzündung. Inzwischen ist Senta Berger auf dem Weg der Besserung. Beim "Gala"-Interview kurz vor der Berlinale wirkte die 72-jährige Film- und TV-Ikone ansteckend energiegeladen, hungrig aufs Leben und mindestens fünfzehn Jahre jünger.

Fällt der Gedanke schwer, dass die noch verbleibende Lebenszeit langsam überschaubarer wird?

Bei diesem Gedanken geht tatsächlich Widersprüchliches in mir vor. Einerseits habe ich immer noch eine kindliche Neugierde und Erwartungshaltung an das Leben: Es können mir immer noch ganz wunderbare Dinge passieren, auf die ich mich jetzt schon freue. Andererseits ist da natürlich die eigene Endlichkeit. Das Bewusstsein, dass ich langsam in ein Alter komme, in dem es auch ganz schnell vorbei sein kann.

Hollywood-Diva: In den Sechzigerjahren spielte Senta Berger in vielen US-Produktionen mit, unter anderem neben Stars wie Kirk Douglas und Charlton Heston. Hier besucht sie 1963 mit Peter Fonda die Premiere des Kriegsdramas "Die Sieger".
Hollywood-Diva: In den Sechzigerjahren spielte Senta Berger in vielen US-Produktionen mit, unter anderem neben Stars wie Kirk Douglas und Charlton Heston. Hier besucht sie 1963 mit Peter Fonda die Premiere des Kriegsdramas "Die Sieger".
© Picture Alliance

Ist der Tod für Sie ein Thema?

Ab und zu. Wenn ich daran denke, wie viele langjährige Freunde ich schon verloren habe, oder wenn ich meine Enkelkinder betrachte, dann wird mir durchaus bewusst, dass die Lebensjahre, die mir noch bleiben, überschaubarer werden. Generell finde ich es müßig, wenn wir uns allzu intensiv mit dem Tod beschäftigen. Richtig annähern können wir uns ihm ohnehin nicht.

Ist es leichter, älter zu werden, wenn man nicht alleine ist?

Auf jeden Fall! Es fällt so vieles leichter, wenn man einen lieben und sehr vertrauten Menschen an seiner Seite hat, der einen in Atem hält, mit dem man lachen kann. Einen Menschen wie meinen Mann Michael, vor dem ich mich so klein und lächerlich machen kann, wie ich mich manchmal fühle. Und vor dem ich Wahrheiten aussprechen kann. Auch in meinem Leben gibt es Tage, an denen mir zum Weinen ist - an denen ich mich klein, hässlich und zerrissen fühle.

Was nervt am Älterwerden?

Fast alles! Zu sehen, wie die eigene Attraktivität langsam verblasst und sich der Körper immer mehr verändert, ist ein Prozess, der an manchen Tagen schmerzlich ist. Deshalb könnte ich auch gut darauf verzichten.

Wie gehen Sie mit dieser Erfahrung um?

Mit einer großen Portion Humor und Selbstironie. Es hilft ungemein, über sich selbst lachen zu können. Zum Glück beobachte ich aber auch Veränderungen an mir, die für mich etwas Tröstliches haben.

Zum Beispiel?

Mich hat es sehr überrascht, als meine Hände vor zehn Jahren langsam anfingen, sich in die meiner Mutter zu verwandeln. Heute ist es ein schöner Gedanke, ihre Hände zu tragen. Das steht an erster Stelle! Erst dann kommt das kosmetische Problem, das ich als Schauspielerin empfinde. Weil ich aber mit großer Offenheit damit umgehe - es bleibt mir ja auch gar nichts anderes übrig -, kommen auch alle anderen ganz selbstverständlich mit diesem Prozess zurecht.

Ist der Prozess des Älterwerdens für eine schöne Frau, die zudem im Rampenlicht steht, schwieriger?

Wenn du dich in Form von Filmen, Fotos oder YouTube-Clips mit einzelnen Abschnitten deines Lebens konfrontiert siehst, dann nimmst du die eigenen Veränderungen natürlich umso deutlicher und aufmerksamer wahr. Zudem wird mir das Thema in meinem Beruf automatisch immer wieder nahegebracht. Ganz egal, ob ich mich dem nun entziehen möchte oder nicht.

Was fühlen Sie beim Blick in den Spiegel ?

Es gibt Tage, an denen ich mich bei der Morgentoilette im Badezimmer kurz selbst betrachte und dann denke: Auweia! Und an anderen Tagen, wenn ich zum Beispiel gerade drehe und mein Gesicht bei guter Beleuchtung sehe, dann sage ich still zu mir: Okay, geht ja doch noch! (lacht) Wie wohl jeder Mensch habe ich ein bestimmtes inneres Bild von mir und bin dann ganz überrascht, wenn ich mein Äußeres sehe. Ich habe mich noch so in Erinnerung, wie ich früher mal war. Innerlich fühle ich mich viel jünger, als ich es tatsächlich bin.

Kommt bei Ihnen da auch Wehmut auf?

Aber natürlich. Ich finde, dass man auch mal Mut haben muss zum Weh! Und ganz ehrlich: Ich wäre wahnsinnig gerne noch mal jung. Vielleicht nicht mehr 18 - oder doch: auch noch mal 18! (lacht) Ich hatte damals ein herrlich unbeschwertes Leben. Es waren die aufregenden Jahre, in denen ich in großen Hollywood- Filmen mitspielen durfte. Mir hat die Welt gehört. Ich habe das pralle Leben gespürt.

Kennen Sie das Phänomen, dass Frauen ab einem gewissen Alter von Männern als Flirtobjekt nicht mehr wahrgenommen werden, sie "unsichtbar" werden?

Das sind archaische Reflexe, gegen die sich die Männer gar nicht wehren können, weil sich die Natur das so ausgedacht hat. Innerhalb von Sekunden schauen die Männer auf Gesicht, Busen, Beine, Po und erkennen, ob die Frau für die Zeugung von Nachkommen überhaupt noch infrage kommt. Unbewusst ist das nämlich immer ein Thema! Wenn man die Männer darauf aufmerksam machen würde, dann würden sie es natürlich sofort abstreiten …

Hätten Sie heute gerne noch einmal die Attraktivität einer 30-Jährigen?

Wenn mir eine gute Fee diesen Wunsch erfüllen würde: Warum nicht? Das wäre doch wunderbar! Denn, Entschuldigung, warum sollte ich mir bitte Falten wünschen? Eine attraktive Hülle ist doch einfach schön anzuschauen - für dich selbst und andere. Auch wenn Äußerlichkeiten natürlich nicht annähernd so viel Bedeutung haben, wie wir ihnen heute zuschreiben.

Alexander Nebe Gala


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