Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktoum: Vor Prinzessin Haya wollte schon seine Tochter Latifa fliehen

Prinzessin Haya ist nicht das erste Familienmitglied von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktoum, das sich aus seinen Fängen befreien will.

Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktou, Prinzessin Latifa

Latifa bint Mohammed Rashid al-Maktoum, kurz Prinzessin Latifa, 33, ist die Tochter von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktou, 70, und seiner Nebenfrau Hurya Ahmed Ma'ash. Am 24. Februar 2018 floh Latifa aus Angst vor ihrem Vater aus ihrer Heimat Dubai. 
Am 4. März wurde sie von Sicherheitskräften der Vereinigten Emirate aufgegriffen und in den Palast zurückgebracht. Was zu diesem Zeitpunkt in ihrer Familie niemand ahnte: Latifa hat ein Video aufgenommen, in dem sie schwere Anschuldigungen gegen ihren Vater erhebt. 

Prinzessin Latifa: Video als Hilfeschrei

Die Aufnahme, die am 11. März 2018 auf YouTube veröffentlicht und bis heute fast 3,7 Millionen Mal angeklickt wurde, ist im Appartement einer Freundin Latifas aufgenommen worden. "Ich mache dieses Video, weil es mein letztes Video sein könnte (...). Wenn Sie dieses Video sehen, bin ich entweder tot oder in einer sehr, sehr, sehr schlimmen Lage", sagt die Prinzessin auf Englisch. 

Tochter des Scheichs auf der Flucht

Zunächst erzählt Latifa von ihrer älteren Schwester Shamsa. Sie setzt sich im Jahr 2000 mit 18 Jahren nach Großbritannien ab; Latifa war zu diesem Zeitpunkt zarte 14. "Sie floh, weil sie nicht viel Freiheit hatte. Sie hatte nicht die Freiheit, die jeder in einer zivilisierten Welt für selbstverständlich nimmt. Wie Autofahren, Reisen, Entscheidungen für die eigene Zukunft treffen", erklärt Latifa den Grund für die Flucht ihrer Schwester.

Doch das Glück währte nicht lange: Nach zwei Monaten hätten Mitarbeiter ihres Vaters Shamsa aufgespürt, berichtet Latifa. "Sie war auf der Straße. Eine Gruppe Kerle in einem Auto kam des Weges, fand sie, packte sie und warf sie, schreiend und um sich tretend, in das Auto." Über Frankreich wurde Shamsa zurück nach Dubai gebracht, erklärt Latifa im Video. Dort wurde sie in einem Gebäude eingesperrt. Shamsa stehe nun unter der totalen Kontrolle und Überwachung ihres Vaters; müsse Tabletten nehmen, "die einen zum Zombie machen", erhebt Latifa schwere Vorwürfe.

Scheich Mohammed ist das Böse

Mit Tränen in den Augen sagt Prinzessin Latifa im Video: "Mein Vater ist der böseste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe. Das pure Böse. Es gibt nichts Gutes an ihm. Er ist verantwortlich für den Tod von so vielen Menschen und hat das Leben von so vielen Menschen ruiniert." Einige Minuten später ergänzt sie: "Er ist der schlimmste Verbrecher, den man sich im Leben nur vorstellen kann (...). Er ekelt mich an." Es sei Zeit, dass ihr Vater die Konsequenzen für all das trage, was er anderen angetan habe. Sie habe keine Angst mehr vor ihm, sagt sie optimistisch. 

Sie betont jedoch auch, dass ihres Wissens nach der Scheich bisher niemanden durch seine eigenen Hände umgebracht hat. "Die schmutzige Arbeit tut er nicht selbst. Er bringt andere Menschen dazu, es zu tun." So wie nach Shamsa auch bei Latifa selbst. 

Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktoum und Prinzessin Haya

Unglaubliche Qualen für die Prinzessin 

Als 16-Jährige, im Jahr 2002, habe sie entschieden, wie Shamsa zu fliehen und aus dem goldenen Käfig auszubrechen, berichtet Latifa. Außer gelegentlichen Schulbesuchen und Familienfeiern habe sie nichts unternehmen dürfen, sei immer nur zuhause gewesen. "Ich war sehr naiv. Ich dachte, ich könnte einfach gehen", gibt sie zu. An der Grenze jedoch habe man sie erkannt und in den Palast zurückgebracht.

"Die rechte Hand meines Vaters warf mich auf seinen Befehl ins Gefängnis (...) und seine Männer folterten mich", erzählt die Prinzessin weiter. Einer habe sie festgehalten, während der andere sie geschlagen habe. Das erste Mal habe anderthalb Stunden gedauert; doch habe sie nichts gespürt, weil sie in einer Art Schockzustand gewesen sei. Beim nächsten Mal seien es fünf Stunden gewesen.

Sie sagten mir: 'Dein Vater hat gesagt, wir sollen dich schlagen, bis wir dich getötet haben. Das ist sein Befehl'.

Manchmal sei es so schlimm gewesen, dass sie nicht mehr habe laufen können und ins Badezimmer kriechen musste, um einen Schluck Wasser zu bekommen, erzählt Latifa weiter.

Nicht nur körperlich, auch psychisch soll die Prinzessin gequält worden sein. Sie sei allein in einer Zelle gewesen, ohne Fenster und manchmal für Tage ohne das Licht einer Lampe, erinnert sich Latifa. Sie habe nicht gewusst, wann ein Tag angefangen oder geendet habe. Manchmal sei sie nachts ohne Vorwarnung aus dem Bett gezerrt und geschlagen worden. Ihre Matratze sei mit Kot und Blut befleckt gewesen. Außerdem durfte sie ihre Kleidung nicht wechseln. Erst in den letzten Monaten ihrer Gefangenschaft habe sie eine Zahnbürste erhalten.

Mutter zeigt Latifa volle Härte

Nur einmal, so erzählt Latifa, habe sie zwischendurch für eine Woche nach Hause gehen dürfen. Sie sei anämisch gewesen [an Blutarmut leidend, Anmerk. d. Red.), hatte viel Gewicht verloren und sei sehr schreckhaft gewesen. Ihre Mutter habe jedoch kein Mitleid mit ihr gehabt. 

"Was sie zu mir sagte war: 'Du glaubst, deine Zeit im Gefängnis war hart? Es gibt anderes, was viel schlimmer ist als das'", erinnert sich Latifa. Sie sei sehr enttäuscht und traurig über die Worte ihrer Mutter gewesen. Auch ihre Schwester habe kein Verständnis gehabt: Sie sei selbst schuld an ihrer Lage, so der Tenor.

Fiona Erdmann

Das sagt sie zu Prinzessin Hayas Flucht aus Dubai

Fiona Erdmann
Fiona Erdmann entschied sich im vergangenen Jahr, nach einem schweren Schicksalsschlag nach Dubai auszuwandern. Ihre Entscheidung bereut das Model bisher nicht.
©Gala

 

Nervenzusammenbruch bringt Latifa zurück ins Gefängnis

Nach einer Woche Zuhause sei sie zusammengebrochen, gesteht Latifa, und habe verzweifelt nach ihrer verschwundenen Schwester Shamsa gerufen. Ein Doktor sei gekommen und habe ihr eine Spritze gegeben. Eine Woche sei sie im Krankenhaus geblieben und danach wieder ins Gefängnis gebracht worden. Erst im Oktober 2005, drei Jahre und vier Monate, nachdem an der Grenze aufgegriffen worden war, wurde Prinzessin Latifa freigelassen. Es habe Jahre gedauert, bis sie sich vollständig von dem furchtbaren Erlebnis erholt habe, sagt sie sichtlich berührt.

Doch das Leben im goldenen Käfig hatte damit kein Ende: Ihr Vater überwacht sie. Sie hat ihren Reisepass abgeben müssen und darf nirgendwo hingehen. Im Sommer 2017 sei sie zu der Entscheidung gekommen, erzählt Latifa im Video, noch einmal die Flucht zu wagen. "Ich fühle mich optimistisch, was die Zukunft angeht (...) Es ist ein neuer Start, mein Leben in Ordnung zu bringen." Ihre Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Am Ende war Scheich Mohammed jedoch stärker als das Glück seiner Tochter.

Letztes Lebenszeichen von Prinzessin Latifa

Am 24. Dezember 2018 veröffentlichte der Palast das erste - und bis heute letzte - Lebenszeichen von Prinzessin Latifa nach ihrer Flucht im Februar 2018. Es zeigt die damals 32-Jährige mit Mary Robins,  frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und einstige Präsidentin Irlands. Die Prinzessin trägt einen Kapuzenpulli, Jeans und Sneaker. Ihr Gesicht scheint verändert, die Augen leer.

Prinzessin Latifa (r.) und Mary Robinson

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Dubais stellte in einer Erklärung klar, dass die Fotos mit Einverständnis der beiden Frauen veröffentlicht worden seien. Robinson sei bei ihrem Besuch am 15. Dezember versichert worden, dass Latifa die Unterstützung erhalte, die sie brauche. Das Treffen habe auf Bitten der Familie des Scheichs stattgefunden. Die Absicht sei es, falsche Behauptungen zu widerlegen und zu beweisen, dass Latifa zu Hause sei und mit ihrer Familie in Dubai lebe.

Verwendete Quellen: YouTube, Die Welt, Freelatifa.com

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