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Sarah Connor Private Einblicke in ihr buntes Familienleben

Sarah Connor
© Stefan Schmidbauer / imago images
Beim exklusiven Shooting mit GALA spricht Popstar Sarah Connor über ihre wilde Familie, Pannen unterm Weihnachtsbaum und ihren absoluten Lieblingsmacho.

Der Weihnachtsmann würde sich hier wie zu Hause fühlen. Überall im angesagten Berliner Restaurant "Coccodrillo", wo wir fürs Foto­shooting verabredet sind, leuchten warme Lichter, und die vorherrschende Farbe ist ein sattes Santa-­Claus-­Rot. Auch Sarah Connor, 42, mag das kuschelige Ambiente sofort. Um­ziehen geht bei ihr schnell, und so arrangiert sie schon kurz nach der Ankunft ihre beneidenswert langen, makellosen Beine über eine rote Ledercouch.

"Meine Beine sind mein Kapital", ruft Sarah gut gelaunt und lacht. Und ihre Stimme, klar. Zum Shooting hat sie den Overall eines ukrainischen Künstlers mitgebracht. Auch an den Weihnachtstagen wird die Ukraine eine große Rolle bei ihr daheim spielen: Eine geflüchtete Familie feiert mit, die nach ein paar Monaten bereits fest etabliert im Connor­-Clan ist. Statt stiller Tage er­wartet alle eine große Party, bunt und lustig. Eben so, wie Sarah die schönste Zeit des Jahres auch in den einfühl­samen Texten ihres neuen Albums "Not so silent night" beschreibt.

Sarah Connor: Über die Erinnerung an die Vergangenheit 

GALA: Ihre Festtage scheinen sehr romantisch zu verlaufen: Im Song "Blame it on the mistletoe" geht's um ein Paar, das ein "Bitte nicht stören"-Schild an die Tür hängt.
Sarah Connor: Haha, da habe ich mich ein bisschen weggeträumt in die Zeit, als mein Mann Florian und ich ein frisch ver­liebtes Pärchen ohne kleine Kinder waren. Ich hatte beim Schreiben ein Hotelzimmer im Kopf und die erste Phase des Zusammenseins, in der man kaum aus dem Bett kommt.

Fällt Ihnen das Song-Schreiben mit den Jahren einfacher?
Ja und nein. Auf Englisch zu texten ist in jedem Fall leichter. Die Sprache lässt sich einfach geschmeidiger singen. Und heute kann ich auf einen reichen Christmas-­Erfahrungsschatz als Frau, Mutter oder Tochter zurückblicken. Ich schreibe Geschichten nah am Leben. In "Not so silent night" geht es zum Beispiel um das Chaos an Heiligabend. Still ist es bei uns nicht. 

Nur in manchen Momenten: Das Lied "24th" handelt von Menschen, die man an Heiligabend vermisst. An wen denken Sie dabei?
Ich vermisse meine Großmutter. Sie starb 2019, und ihre Stimme und ihr Geruch fehlen mir sehr. 

So verbringt ihre Familie Weihnachten

Wer steht Weihnachten bei Ihnen zu Hause am Herd?
Traditionell bereiten mein Mann und ich eine Gans zu. Wir nehmen sie aus, stopfen sie und nähen sie wieder zu. Einmal haben wir im Trubel vergessen, die Füllung hineinzupacken. Also mussten wir alles wieder auftrennen, der arme Vogel war total zerpflückt. Und das, obwohl ich kaum Fleisch esse.

Wer schaut vorbei, Christkind oder Weihnachtsmann?
Der Weihnachtsmann! Die Kinder freuen sich auf ihn, sind nach wie vor ehrfürchtig. Sie tragen Gedichte und Songs vor, werden gelobt und gerügt. Es gilt: Wer nicht an ihn glaubt, der kriegt nix. (lacht) Bevor er kommt, machen wir uns schön, und die Kids müssen sich zwei Stunden vor der Bescherung zurückziehen. Dann trudeln die Verwandtschaft und Freunde ein, die keine Familie haben. In diesem Jahr feiert eine ukrainische Familie mit, die seit März bei uns lebt.

Sie schenkt uns eine neue Perspektive auf Weihnachten: wie wertvoll Heimat, Geborgenheit und Zusammensein sind. 

Es geht darum, etwas zurückzugeben

Bei Ihnen wohnten auch schon Flüchtlinge aus Syrien.
Das war eine sehr große Familie mit völlig anderem kulturellen Hintergrund. Die Mutter wurde mit 13 Jahren zwangsverheiratet, hat neun Kinder bekommen und konnte kaum in ihrer eigenen Sprache lesen oder schreiben. Das hat die Kommunikation sehr schwierig gemacht. Die ukrainische Mama mit ihren zwei Jungs ist mir gefühlt näher.

War es für Sie klar, dass Sie erneut helfen möchten?
Ja. Unsere erste Erfahrung war nicht einfach, aber das richtige. Meinen Mann habe ich auch diesmal wieder mit meinem Entschluss überrascht. (lacht) Wir haben Platz, und es hat sich richtig angefühlt. Ich bin mit meinen beiden ältesten Kindern zum Bahnhof gefahren, um zu helfen. Plötzlich stand eine total geschaffte Frau mit zig Tüten und Koffern und zwei kleinen Jungs vor mir. Wir kamen ins Gespräch, und ich lud sie ein, sich bei uns auszuruhen. Sie sind geblieben. Mittlerweile sind wir befreundet, unsere Kinder spielen jeden Tag nach der Schule zusammen. Es wird schwer, wenn sie eines Tages wieder gehen.

Welche Werte – außer Hilfsbereitschaft – lehren Sie Ihre Kinder?
Sie sollen sich bewusst sein, in welch privilegierter Situation sie aufwachsen. Und dass dies kein Geschenk ist, sondern eine Verantwortung. Deshalb lebe ich ihnen vor, dass es unsere Pflicht ist, etwas zurückzugeben, auch wenn das mal unbequem ist.

Dazu passt, dass Sie selbst kochen. Sie könnten jemanden engagieren.
Das haben wir probiert. Und manchmal ist das tatsächlich eine Hilfe, wenn ich auf Tournee bin. Aber die Kids mögen es lieber, wenn mein Mann oder ich selber kochen. Mir ist es wichtig, dass die ganze Familie regelmäßig zusammen am Tisch sitzt. Das ist bei so vielen Leuten gar nicht so einfach.

"Ich war und bin eine instinktive Mama"

Sie sind ziemlich früh Mutter geworden. Ein Segen?
Total. Der Übergang von der Rolle der großen Schwester zum Muttersein fühlte sich fließend an und war daher kein großer Schock für mich wie für andere, die schon lange ein selbstbestimmtes Leben führen. Ich war und bin eine instinktive Mama. Doch trotz aller Freude hatte ich in meinen Zwanzigern öfter Sehnsucht nach Studieren, WG-Leben, Ausgehen. Stattdessen habe ich viel gearbeitet und meine Familie ernährt. Ich hatte sehr früh viel Verantwortung und musste schnell erwachsen werden.

Nicht die einzige Herausforderung in dieser Zeit: Mit 28 Jahren waren Sie geschieden.
Das war kein Weltuntergang. Ich war finanziell unabhängig, habe die Entscheidung gegen diese Ehe getroffen. Ich wusste, ich schaffe es allein, und war zu jung für ein ernstes Gesicht.

Sie tragen Ihre Familie immer bei sich – als Tattoos.
Summers ersten gesunden Herzschlag [das Mädchen kam mit einem Herzfehler zur Welt, Anm. d. Red.] habe ich mir gleich nach ihrer Operation einsticheln lassen. Phini hat ein OM-Zeichen bekommen, weil sie als Baby so entspannt war und immer gestrahlt hat. Mit Tyler habe ich mir gemeinsam ein Tattoo anfertigen lassen, es bedeutet "Sohn". Und gerade habe ich mir für Jax, der noch fehlte, einen kleinen Orca tätowiert, denn er teilt meine Liebe zu Walen (zeigt einen kleinen Wal auf ihrem Unterarm).

Summer möchte auch ins Showbiz. Erfüllt Sie das mit Stolz oder Sorgen, weil Sie die Fallstricke der Branche kennen?
Beides. Summer ist mir wahnsinnig nahe. Wenn ich ihren starken Willen und ihre Unangepasstheit sehe, erinnert sie mich sehr an mich selbst. Ich bin mit 16 Jahren ausgezogen und in die Musikbranche gestolpert – ich hatte nichts zu verlieren und musste hart arbeiten, weil mich niemand finanziert hat. Das ist bei meinen Kindern heute anders. Ich möchte aber, dass sie sich ebenfalls anstrengen und das Handwerk von der Pike auf lernen. Und sie müssen sich abseits meines Schattens spüren und aus­probieren. Darum sind beide seit Ende des Sommers in England. Tyler studiert Musik, Summer besucht eine Schule mit Schwerpunkt auf Musik, Performance und Tanz.

Zwischen Freitauchen und Zeit bei "Macho"

Zwei Kinder sind ausge­zogen – das schenkt Ihnen mehr Freiraum für Ihr Hobby: das Freitauchen.
Viel Zeit bleibt mir dafür trotzdem nicht. (lacht) Aber ja, ich liebe es. Besonders gefällt mir am Free Diven, dass man den Druck des Wassers auf dem Körper, den Schmerz und die ersten Impulse, Luft holen zu wollen beim Runtergehen, auszu­halten lernt. Der Moment, in dem man unten ankommt und für ein paar Sekunden Teil dieser Welt ist, ist absolut berauschend.

Als Kind sind Sie ins Eis eingebrochen, wurden knapp gerettet. Klingt traumatisch. Dennoch begeben Sie sich freiwillig in die Tiefe.
Die Eis­-Erfahrung hat Ängste in mir hervorgerufen, das ist richtig. Free Diven war deshalb anfangs der abso­lute Horror für mich. Ich hatte wahnsinnige Angst, als ich die Masse Wasser erstmals über mir sah, und wollte hoch. Ich habe gelernt, dass Angst ein Gefühl ist, das man bewältigen kann. Das hat mich sehr glücklich, fast schon euphorisch, gemacht. Ich hatte früher mit Depressionen und Panikattacken zu kämpfen. Free Diven und das dafür notwendige Atemtraining haben mir sehr geholfen.

Ich habe gelernt, dass Angst ein Gefühl ist, das man bewältigen kann.

Auch an Land sind Sie mutig unter­wegs. Sie reiten begeistert, und Ihr Pferd heißt "Macho". Sehnen Sie sich nach einem Macho?
Der Name passt einfach. "Macho" war sehr lange Hengst, und benimmt sich immer noch so. Ich habe eben ein Händchen für eigensinnige Männer. (lacht) Es ist unglaublich schön, mit meinen Kindern auszureiten, sich dreckig zu machen und mit den Tieren zu kommunizieren. Dabei kriege ich meinen Kopf frei, genau wie beim Tauchen.

Wobei entspannen Sie sonst?
In der Natur. Ich liebe Bäume, gerade zu dieser Jahreszeit. Ich spreche mit ihnen, bedanke mich, dass sie da sind. Ich habe das Gefühl, dass sie mir ant­worten. Sie sagen: Hey, was sich auch verändert, wir stehen immer noch hier. Das erdet mich. Bäume sind eine große Konstante in meinem Leben.

Gala

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