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Sarah Biasini Sie war Romy Schneiders größte Liebe

Sarah Biasini
Sarah Biasini
© Lennart Preiss / Getty Images
Sarah Biasini, die Tochter der großen Romy Schneider, erzählt über ihr schwieriges Leben nach dem Tod der Mutter. Tiefe Freude schenkte ihr erst ihre eigene Tochter Anna.

Es war ein Moment puren Glücks für Sarah Biasini, 44: jener Traum, in dem ihre Mutter Romy und ihr tödlich ver­unglückter Bruder David noch leben. Doch dieses wunderbare Gefühl war schnell wieder verflogen. Die Vergan­genheit lässt sich nicht ändern. "Die erste Sekunde nach dem Aufwachen kam mir zum Glück ewig vor", schreibt sie in ihrem gerade auf Deutsch erschienenen Buch "Die Schönheit des Himmels", in dem sie die wechselvolle Geschichte ihres Lebens erzählt.

Sarah Biasini: Die Familientragödien machen ihr bis heute zu schaffen

Der Verlust ihrer Mutter und ihres Bruders beschäftigt sie bis heute. In Therapiesitzungen versucht sie, die Familientragödien aufzuarbeiten, viele Jahre schon. Der Schmerz ist trotzdem geblieben. Den Tod ihrer Mutter Romy Schneider erlebt sie als knapp Fünf­jährige – und vor allem auch die Ver­zweiflung der Menschen um sie herum. Mit den Worten "Mama ist gegangen, um bei David zu sein", versuchte ihr Vater damals, dem Mädchen das Unfassbare begreifbar zu machen.

Ihre eigene Tochter ist ihr größtes Glück

Ob ihre Mama sie, das absolute Wunschkind, womöglich freiwillig verlassen hat, darüber denkt Sarah lange nach. "Niemand in meinem Um­feld glaubt es. Ich könnte es ihr nicht verübeln. Ich weiß, was sie durch­ gemacht hat. Ich kenne die Müdigkeit, den Schmerz, die Trauer."

Geholfen hat ihr die Geburt ihrer heute dreijährigen Tochter Anna, die Romy Schneider so sehr ähnelt wie sie selbst. Zuvor hoffte Sarah Biasini zehn Jahre vergeblich auf Nachwuchs. Zwei Kinderwunschbehandlungen schlugen fehl. Mit 39 Jahren, als sie schon aufgegeben hatte, klappte es auf natürlichem Weg. Ihr Arzt sei nicht erfreut gewesen, so Sarah: Er wollte ihr eigentlich mit medizinischen Mitteln das ersehnte Baby bescheren. Man sieht sie geradezu lächeln, als sie das schreibt.

Sarah Biasini bei der Romy Schneider Ausstellung in Cannes 2012.
Sarah Biasini bei der Romy Schneider Ausstellung in Cannes 2012.
© Didier Baverel / Getty Images

Ihr Buch ist gespickt mit feiner Ironie und leisem Humor. Und ihrer speziellen Sicht auf die Dinge. Sarah Biasini glaubt fest daran, dass ihre Mutter ihr aus dem Jenseits den größten Wunsch erfüllt hat. Sie bezeichnet die Schwangerschaft als "magisch". Ihre größte Angst: dass auch ihr etwas zustoßen könnte, wie einst ihrer Mutter. Und dass dann ihre eigene Tochter die gleiche Traurigkeit verspüren würde.

Ein Superstar dank "Sissi": Die Rolle der Kaiserin Elisabeth von Österreich machte die junge Romy Schneider in Deutschland berühmt. Sie selbst mochte die gefühlige Trilogie nicht sonderlich.
Ein Superstar dank "Sissi": Die Rolle der Kaiserin Elisabeth von Österreich machte die junge Romy Schneider in Deutschland berühmt. Sie selbst mochte die gefühlige Trilogie nicht sonderlich.
© Allstar / imago images

Sarah Biasini ist in Frankreich als Schauspielerin erfolgreich

Um Sarah küm­merte sich damals liebevoll ihr Vater Daniel Biasini, einst Romy Schneiders Privatsekretär. Die Heldinnenrolle in Sarahs Leben spielte aber ihre französische Oma Monique, die sie quasi aufzog. Zu ihrer anderen Großmutter, Filmstar Magda Schneider, hatte sie wenig Kontakt, das Deutsche blieb ihr bis heute fremd. Wohl auch, weil Romy mit ihr nie in dieser Sprache gesprochen hat. "Sie hatte sich für Frankreich entschieden."

Dort ist Sarah Biasini als Schauspie­lerin erfolgreich, ein Star. Sicher auch wegen ihrer Ähnlich­keit mit "Maman", auf die die vom Naturell eher zurück­haltende Sarah oft angesprochen wird – selbst im Kreißsaal, wenige Minuten vor Annas Geburt. Eine Morphinspritze und die in Frankreich übliche Periduralanästhesie hätten sie aber glücklicherweise sanft gestimmt.

Der Vater ihrer Tochter ist der Theaterregisseur Gilles Lefeuvre, den sie 2007 auf einer Party kennenlernt. Er verliebt sich sofort in sie, ruft sie immer wieder an. Sarah, die Vorsich­tige, prüft ihre Gefühle jedoch erst ein paar Jahre, bevor sie "Ja" sagt. Gilles Lefeuvre bringt seinen kleinen Sohn mit in die Ehe, einen Bruder für Anna. Eine ähnliche Konstellation wie in Sarah Biasinis Kindheit: Sie hat einen Bruder aus Romy Schneiders erster Ehe mit dem Schauspieler Harry Meyen, der sich nach der Scheidung das Leben nahm. Noch eine Tragödie.

Von diesem Schicksalsschlag erholt sich Romy Schneider nie

"Das Schlimmste, das wir erlebt haben" nennt Sarah jedoch das Unglück, das ihren Bruder David 1981 mit nur 14 Jahren das Leben kostet. Beim Überklettern eines Zaunes rutscht er so unglücklich auf eine Metallspitze, dass er an den Folgen der Verletzung stirbt. Von diesem Schicksalsschlag erholt sich Romy Schneider nie. Weniger als ein Jahr später stirbt auch sie – mit gerade mal 43 Jahren. David sei der Sonnen­schein der Familie gewesen, erinnert sich Sarah. Und er mochte seinen Ersatzvater Daniel Biasini so gern, dass er nach Romy Schneiders Hochzeit unbedingt seinen Nachnamen tragen wollte. Auch sie sei ihrem Vater nah. Der kann sich übrigens bis heute keinen Film mit Romy ansehen – zu schmerzlich.

Romy Schneiders Hoch­zeit 1975 mit dem elf Jahre jüngeren Daniel Biasini. 1981 reichte Romy die Scheidung ein.
Romy Schneiders Hoch­zeit 1975 mit dem elf Jahre jüngeren Daniel Biasini. 1981 reichte Romy die Scheidung ein.
© Picture Alliance
Ich habe gelernt, mich damit abzufin­den. Wenigstens bin ich dadurch nicht identisch mit meiner Mutter.

Ein Erbstück von seiner Seite, das sie weniger mag, ist die ausgeprägte Kieferpartie. Sarah Biasini: "Ich habe gelernt, mich damit abzufin­den. Wenigstens bin ich dadurch nicht identisch mit meiner Mutter." Sie findet sich nicht so hübsch wie Romy. "Mein Gesicht ist seltsam, manchmal finde ich es originell, einzigartig. Manchmal finde ich es richtig hässlich." Obwohl sie oft Komplimente für ihr Aussehen bekommt, ist das eine Hypothek, die sie mit sich herumträgt.

Genau wie ihre Ängste, ihre Dauer­-Begleiter. Eine Freundin gab ihr deshalb vor nicht allzu langer Zeit einen Satz mit, den sie zu beherzigen versucht: "Du brauchst keine Angst mehr zu haben, das Leben hat dir alles schon beigebracht. Du bist quasi geimpft." Jetzt muss sie nur noch dran glauben.

Gala

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