S. zu Guttenberg: Jetzt übernimmt sie das Regiment

Souverän absolvierte Stephanie zu Guttenberg ihren ersten Auftritt nach dem Rücktritt ihres Mannes. Gala erlebte eine Minister-Gattin a. D., die sich ganz sicher nicht verstecken wird

Stephanie zu Guttenberg

Sehr schmal sieht sie aus.

Das liegt nicht nur daran, dass sie Schwarz trägt - Mantelkleid, weite Hose, Pumps, kaum Schmuck dazu, nur ihre goldenen Lieblingsohrhänger und eine Kette mit Kreuz. Die vergangenen Wochen sind an Stephanie zu Guttenberg, 34, nicht spurlos vorübergegangen. Doch nach dem Motto "Jetzt erst recht" ist sie an diesem sonnigen Montag von Berlin nach Mannheim geflogen. "Meine ehrenamtliche Arbeit geht weiter. Ich liebe das, was ich tue", sagt sie lächelnd zu Gala. Es klingt nicht trotzig, es klingt offensiv. Zum ersten Mal seit der Plagiats-Affäre ihres Ehemanns Karl-Theodor zu Guttenberg, 39, tritt sie wieder in einem größeren Rahmen öffentlich auf. Als Präsidentin des Kinderschutzvereins "Innocence in Danger" hält sie einen Vortrag in der Industrie- und Handelskammer.

Spendengala

Ein Herz für Kinder

Ein Herz für Kinder: Prinz Harry
Ein Herz für Kinder: Barbara Schöneberger
Ein Herz für Kinder: Marie-Luise Marjan und Jenny Elvers-Elbertzhagen
Ein Herz für Kinder: Sophia Thomalla

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Die etwa 100 Zuhörer sind Mittelständler aus der Region, zwischen den Männern in gedeckten Anzügen sieht man ein paar Frauen von Charity-Organisationen, die später bei Schnittchen und Saft networken wollen. Sie alle hören der jungen Rednerin vorn am Pult genau zu. Wie wird sie sich behaupten? Schnell wird klar: Daumen hoch! Drei Wochen nach dem Rücktritt ihres Mannes hat sie so viel Strahlkraft, als wäre nichts passiert. Und in Wahrheit muss Stephanie zu Guttenberg eigentlich gar nicht kämpfen. "Wäre das mit der Dissertation jetzt rausgekommen, wo wir Libyen und Japan haben", sinniert eine Charity-Lady im Publikum, "wäre der Minister noch im Amt. Dann hätten alle gemerkt, wie unbedeutend seine Sache ist. In fünf Jahren ist er wieder da, spätestens." Sie vertritt damit die Mehrheitsmeinung.

Äußerst stark und gelassen wirkte Stephanie zu Guttenberg bei ihrem Vortrag in der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar. Thema: ehrenamtliche Arbeit und unternehmerische Verantwortung.

Gefühlt ist "KT" immer mit im Raum, auch wenn Stephanie zu Guttenberg ihn nie direkt erwähnt. "Für mich hat ehrenamtliche Arbeit eine große Bedeutung", sagt sie. "Auch weil es mir bewusst ist, dass es mir und meiner Familie sehr gut geht." Lautes Klagen, wenigstens leise Vorwürfe gegenüber denen, die an diesem Glück gerüttelt haben? Nichts von alledem. Der "Stargast", wie ein Zuhörer sie nennt, ist solo nach Mannheim gekommen. In Vor-Skandal-Zeiten wäre es nicht ungewöhnlich gewesen, dass ihr Mann sie begleitet.

Doppelte Power: Das war immer das Prinzip der Guttenbergs in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in denen sie zu nationalen Hoffnungsträgern wurden. Mit immer wieder vertauschten Rollen setzten sie dieses Prinzip um. Wenn Stephanie für "Innocence" ein Charity-Konzert organisierte, war "KT" ihr stiller Begleiter. Der Mann fürs Emotionale, die Frau fürs Taffe. Umgekehrt sah das beim Gruppenbesuch in Afghanistan aus, als sie auf eigene Kosten mitreiste, um den weiblichen Soldaten eine Gesprächspartnerin zu sein.

Jetzt steht wieder ein Rollenwechsel an, der wichtigste. Stephanie zu Guttenberg übernimmt bis auf Weiteres das Regiment. Ihr Mann will das "Geschehene aufarbeiten", bittet sich eine "Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße" aus. Am Samstag gab er seinen letzten politischen Posten ab, den CSU-Vorsitz in Oberfranken. Nur zwei Tage vorher hatte seine Frau den Bayerischen Bäuerinnentag besucht. Ihn "gekrönt", wie die Heimatzeitung schwärmte. Ein Heimspiel, nur eine halbe Autostunde vom Familiensitz Schloss Guttenberg entfernt. Die Landfrauen freuten sich, "dass Sie trotz der schwierigen Zeit, die Sie durchgemacht haben, Zeit für uns gefunden haben". Stephanie zu Guttenberg musste Autogramme geben und bekam am Ende einen Präsentkorb mit auf den Weg, "für Ihren Mann".

Karl-Theodor zu Guttenberg, 39, verabschiedete sich in Jeans und Sakko aus der Politik.

Auch wenn Wissenschaftler und politische Kommentatoren den Minister wegen seiner Copy&Paste-Doktorarbeit zum Rücktritt drängten und damit einen Shootingstar abstürzen ließen: Die Bewunderung vieler Menschen fliegt ihm genauso wie seiner Frau weiter zu. Man mag dieses Paar - überraschenderweise völlig neidlos -, weil es schön und jung ist, reich, souverän, willensstark, wortgewandt, kommunikativ, einfach alles. Weil es befreundet ist mit Einwohnern aus dem Ort Guttenberg am Fuße des Schlosses und mit VIPs wie Thomas Gottschalk und Tom Cruise, weil es nie von größeren Selbstzweifeln geplagt ist, mit besten Umgangsformen ausgestattet und gleichzeitig modern.

Die Guttenbergs bedienen die Sehnsucht nach einem Märchenprinzen und seiner schönen, klugen Prinzessin. Soll man sich diesen Traum nehmen lassen? "Dass es uns in vielerlei Beziehung so gut geht, ist ein großes Glück", sagt Stephanie zu Guttenberg ihrem Publikum in Mannheim. Es ist Tag eins der Rückkehr des Power-Paars - dafür wird sie schon sorgen.

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