Ruth Moschner im Interview: Moderatorin packt über Figur-Vorgaben der TV-Branche aus

Ruth Moschner gehört mittlerweile zu den renommiertesten Moderatorinnen Deutschlands. Mit GALA spricht sie über Figur-Vorgaben der hiesigen Fernsehbranche

Ruth Moschner ist begann zunächst als komödiantische Fachkraft in der RTL-Show "Freitag Nacht News". Seither war sie wiederholt als Schauspielerin zu sehen, seit 2014 jedoch vor allem als Moderatorin von "Grill den Henssler". Mit GALA spricht sie auch über ein mögliches Figur-Ideal in der Medienbranche.

Ruth Moschner über Figur-Vorgaben der TV-Branche

GALA: Dass die Showbranche knallhart ist, liegt auf der Hand. Wer erfolgreich sein will, muss schön sein. Sind Sie selbst schon mal für Ihren Körper kritisiert worden?

Ruth Moschner: Am Anfang meines Fernseh-Jobs, mit 20, wurde mir "geraten" abzunehmen. So eine Situation ist natürlich alles andere als angenehm. Wobei ich das Gefühl hatte, dass sich mein damaliger Chef dabei auch nicht wohl gefühlt hat. Aber natürlich hat man sich unter Druck gesetzt gefühlt, eine Diät zu machen. Brutal fand ich auch eine Modefirma, die mich damals nicht ausstatten wollte, weil ich in den Klamotten angeblich wie "eine Presswurst" aussah. Hat mir meine damalige Stylisten sehr gefühlvoll ausgerichtet. Das ist heute sehr lustig, da mich viele Designer gerne ausstatten wollen, unter anderem auch dieses Label. Was ich natürlich nicht mache. Ich erinnere mich auch noch gut an die Blicke mancher Stylisten, wenn sie völlig verzweifelt auf meine "von einer Größe 34 weit entfernten" Hüften geblickt haben und erstmal anfingen mit, "hm... wie kaschieren wir das denn jetzt?" Später beim "großen" Fernsehen ist mir das übrigens nicht mehr passiert. Ich glaube sowieso, wer was von seiner Arbeit versteht, kann auch weibliche Kurven gut einkleiden. 


GALA: Haben Sie dadurch Jobs nicht bekommen?

Moschner: Sowas bekommt man nicht mit. Eigentlich sagt einem ja selten einer: "Hey, mit fünf Kilo weniger, dann würde es richtig laufen bei Dir!". Man wird wahrscheinlich einfach nicht besetzt. Wobei ich jetzt sowieso nie in die Kategorie "Supermodel-Moderatorin" gefallen bin. Aber man bekommt schon erschreckend viel Lob, wenn man abnimmt. Auch das finde ich merkwürdig. Denn eigentlich heißt das ja, dass man vorher eben vielleicht doch "nicht reingepasst" hat. 


GALA: Wie sind Sie damit umgegangen?

Moschner: Fernsehen macht ja prinzipiell dick. Das merkt man immer an den Reaktionen im Supermarkt oder auf der Straße! Da kommt immer ein "Mensch, Sie sehen viel besser aus als im Fernsehen. Viel schlanker!" Das ist zwar nett gemeint, ist aber trotzdem an nem schlechten Tag unangenehm, denn das heißt ja im Umkehrschluss, die Leute denken, man sei "dick" und finden das schlanke natürlich besser. 

Im Alter verschieben sich die Prioritäten

GALA: Mussten Sie lernen, sich selbst wieder zu lieben?

Moschner: Ich glaube, je älter man wird, desto mehr verschieben sich die Prioritäten und man hat nicht mehr so stark das Bedürfnis, allen zu gefallen. Klappt sowieso nicht, wenn ich mir die Diskussionen auf meiner Facebook-Seite ansehe. Da steht unter ein und demselben Post: "zu dick" "zu dünn" "perfekt" "doof" und "wunderschön" gleichzeitig. Ich glaube, wichtig ist, sich davon unabhängig zu machen. Egal ob mich jemand gut oder schlecht findet, das wird mich selbst weder besser noch schlechter machen. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Ansprüchen genügt und die sollte man eher auf seine Talente und Fähigkeiten konzentrieren. Die einen sind dazu geboren, Miss Bikini zu werden, die anderen können Menschen zum Lachen bringen. 


GALA: Halten Sie die Schönheitsideale in der Showbranche für total überzogen?

Moschner: Nein, ich finde, inzwischen gibt es eine tolle Mischung aus Formen, Farben und Charakteren. Da nehmen wir uns zum Glück kein Beispiel an den USA. Nur das mit dem Altern müssen wir, glaub ich, noch üben. Das trauen sich noch zu wenige öffentlich. Was sehr schade ist. Instagram ist was Perfektionismus angeht, schon schwieriger und setzt mehr unter Druck. Meine "perfekteren" Bilder bekommen durchschnittlich mehr likes. Das ist schon etwas erschreckend. Weil doch alle immer so nach natürlichen Bildern schreien. Die Zahlen sagen dann doch was anderes. 


GALA: Was möchten Sie anderen Frauen sagen?

Moschner: Wir Frauen sind mit uns selbst meist am strengsten. Selbstbewusstsein kennt keine Konfektionsgröße!

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