Alexander-Klaus Stecher : Bewegende Worte über die verstorbene Rosamunde Pilcher

Rosamunde Pilcher ist tot. Alexander-Klaus Stecher, Schauspieler und guter Freund der Autorin, erinnert sich in GALA an diese herausragende Frau

Rosamunde Pilcher (†)

An dem Schreibtisch, an dem ich sitze, hat sie einst ihre Bücher geschrieben. Eine Antiquität aus den Zwanzigern. Rosamunde Pilcher, †94, hat ihn mir vor einer Weile geschenkt. Ich musste nur die Transportkosten von gut 1000 Pfund übernehmen, das hat reinhauen, aber heute bin ich froh um das edle Stück.

Alexander-Klaus Stecher: Schöne Erinnerungen an seine Freundin 

Als Mann ist es ja verpönt, das zu sagen, aber ich habe schon immer gern Pilcher-Filme geschaut wegen der Bilder von Cornwall, ein Sehnsuchtsort seit meiner Kindheit. Als ich Rose dann 2004 kennenlernte, verstanden wir uns sofort. Sie wurde eine mütterliche Freundin für mich. Jedes Jahr bin ich zwei-, dreimal zu ihr gefahren, und sobald ich durch ihre Haustür getreten bin, fiel die Hektik des Alltags von mir ab. Als Gastgeberin verbreitete sie eine so liebevolle Energie. Morgens hat sie Porridge gekocht und abends machte sie mir eine Wärmflasche fürs Bett. Diese einfachen Rituale waren ihr wichtig. Sehr bezeichnend ist eines der letzten Geschenke, das ich von ihr bekam, eine Silberdose mit einem eingravierten Zitat von William Morris: "Have nothing in your houses that you don’t know to be useful or believed to be beautiful."

Von ihrem ersten Honorar kaufte sie sich einen Sitzrasenmäher

Die Opulenz, die man aus ihren Filmen kennt, war ihr privat nicht wichtig. Nie hätte sie damit angegeben, was sie hat oder kann. Nur die Urkunde der Queen, die ihr den Order Of The British Empire verliehen hatte, hing gerahmt in ihrem Schlafzimmer. Als das erste Honorar für "Die Muschelsucher" kam, stand sie gerade auf dem Küchentisch, um eine Glühbirne auszuwechseln. Ihr Mann öffnete den Brief, sah auf dem Scheck eine sechsstellige Summe und sagte: "Nun bist du eine verdammt reiche Frau. Was machen wir denn mit dem Geld?" Rose antwortete: "Jetzt erfülle  ich mir einen Traum und kaufe einen Sitzrasenmäher."

Rosamunde Pilcher: Sogar Queen Elizabeth war von ihr begeistert

Queen Elizabeth

Wenn ich sie in Dundee besuchte, fuhren wir in die Highland oder gingen mit den Hunden an den Strand. Noch im vorigen September spielten wir im Garten Croquet – ihre Enkel, meine Kinder und Rose mittendrin. Einmal parkte sie ihren Ford Fiesta am Straßenrand und sagte: "Ich bin jetzt über 90. Warum fahre ich dich eigentlich immer über die Insel?" Als ich meinte: "Du kennst dich besser aus. Außerdem bin ich noch nie links gefahren", sagte sie: "Dann wirst du es jetzt lernen." Diese Frau hatte so eine unendliche Willensstärke. Ihre Stimme war ja auch bis ins hohe Alter resolut, das verlieh ihr eine natürliche Autorität. Und sie war enorm belesen und wissbegierig. Jeden Morgen las sie zwei Stunden im Wintergarten ihre fünf Zeitungen. Von einem Gartenfest bei der Queen erzählte sie, dass Prinz Charles sie bat: "Kommen Sie bitte mal zu meiner Mutter. Die Party ist für sie gerade so langweilig, und die einzige, die sie wirklich kennt und schätzt, sind Sie."

Die Autorin hielt sich für einen völlig unromantischen Menschen 

Eine wichtige Lebensweisheit, die sie mir mitgegeben hat: "Nimm es genau so an, wie es kommt. Wenn man das lernt, kann man sein Leben viel mehr genießen." Sie selbst hat sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig zur Marine gemeldet. Das war hart, aber sie wollte, dass das Leben sie prägt. Sonst hätte sie später nie die vielen Geschichten erfinden können. Das Paradoxe ist: Rose hielt sich für einen völlig unromantischen Menschen und sagte: "Die Romantik habe ich nur in meinen Büchern ausdrücken können, aber nie persönlich." Sie neigte nicht zur Gefühlsduselei. Wenn jemand gestorben ist, klang sie versöhnlich: "Seien wir dankbar, dass wir diesen Menschen so lange in unserem Leben hatten." Ja, natürlich bin ich dankbar für die Zeit mit Rose. Aber fehlen wird sie mir trotzdem sehr.

Die Abschiede 2019

Um diese Stars trauern wir

16. Juli 2019: Maximilian Krückl (52 Jahre)  Der bayrische Schauspieler ist bereits vor gut vier Wochen durch einen plötzlichen Herztod gestorben. Wie die TZ berichtet, traumatisierte der Verlust seine Frau Jeannie und die beiden Töchter Magdalena und Mathilda so sehr, dass sie nicht in der Lage waren, darüber zu sprechen.  Maximilian Krückl spielte in TV-Serien wie "Forsthaus Falkenau" oder " Polizeiruf 110".
14. Juli 2019: Frieder Burda (83 Jahre)  Der Kunstsammler und Unternehmer aus der berühmten Burda Familie Frieder Burda ist nach längerer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Der Gründer des nach ihm benannten Museums in Baden-Baden wurde 83 Jahre alt. 
Charles Levin (†)
10. Juli 2019: Denise Nickerson (62 Jahre)  Der frühere Kinderstar Denise Nickerson ist in einem Krankenhaus in Colorado verstorben, nachdem ihre Familie beschlossen hat, die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen. Ihren Durchbruch als Schauspielerin hatte sie als Kind in "Willy Wonka und die Schokoladenfabrik". Denise Nickerson war zweimal verheiratet und hinterlässt ihren Sohn Josh, der sich mit seiner Frau bis zuletzt um sie gekümmert hat. 

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