Rebecca Ferguson im Interview: "Ich habe meinen Erfolg nicht verdient"

Rebecca Ferguson spielt in Hollywood mit den ganz Großen. Von der Seite von Hugh Jackman, Tom Cruise und Meryl Streep ist sie nicht mehr wegzudenken. Im Interview mit GALA erklärt sie, warum sie ihren Erfolg gar nicht verdient hat

Rebecca Ferguson, 35, hat viele Gesichter. In "The Greatest Showman" spielt sie eine Opernsängerin, in ihrem aktuellen Film "Wenn du König wärst" hingegen eine böse Hexe. Im Interview mit GALA im Soho Hotel in London zeigt sie ihr wahres Gesicht und erklärt, warum sie ihrer Meinung nach den aktuellen Erfolg gar nicht verdient habe.

Rebecca Ferguson: Von Schweden nach Hollywood

Sie spielen in Ihrem neuen Film eine abgrundtief böse Hexe…

Rebecca Ferguson: …und ich fand es herrlich befreiend, für eine Rolle endlich mal so richtig böse sein zu dürfen. Zumal ich den perfekten Sparringspartner hatte, um meine finstersten Seiten herauszukitzeln.

Und der war?

Mein Sohn Isaac hatte während der Dreharbeiten zufällig seine großen Schulferien und konnte deshalb fast die ganze Zeit bei mir sein. Ihn habe ich immer wieder gefragt, was ihn in unheimlichen Filmszenen ganz besonders ängstigen würde, in welcher Tonlage ich am Besten sprechen soll und welcher Blick auf ihn ganz besonders gruselig wirkt. 

Sind Sie jetzt auf den Geschmack gekommen?

Und ob! In "Doctor Sleep", der Fortsetzung zu Stephen Kings "The Shining" quäle ich zum Beispiel kleine Kinder. Herrlich! (lacht) Es ist einfach spannend, durch solche Rollen die eigenen inneren Abgründe herauskitzeln zu können.

Vor ein paar Jahren kannte sie außerhalb von Schweden niemand. Heute spielen Sie neben Hugh Jackman oder Chris Hemsworth...

Irgendwie verrückt, oder? Für mich fühlt sich das immer noch ein wenig surreal an. Du spielst auf einmal mit einer Meryl Streep, die du vorher jahrelang aus der Ferne bewundert hast. Manchmal trifft es mich wie ein Schlag und dann denke ich mir: Wahnsinn, was für ein unglaubliches Glück ich habe! Zumal Ehrgeiz in meinem Leben nie zu den treibenden Impulsen zählte.

Rebecca Ferguson mit dem Cast von "The Greatest Showman".

Tatsächlich?

Viele Menschen verzehren sich doch geradezu danach, großen Erfolg zu haben und nach außen etwas darzustellen. Sei es nun als Zahnarzt, Politiker oder Schauspieler. Ich hatte diesen Wunsch nie. Ich bin einfach meinen Weg gegangen und meistens fühlte sich das auch absolut richtig an. Und sobald ich mich in meiner Haut nicht mehr wohl fühlte, habe ich einen anderen Lebenspfad gewählt. In meinem Leben passierten die Dinge einfach, was mir manchmal ehrlich gesagt ein schlechtes Gewissen bereitet.

Warum?

Ich denke, dass ich meinen aktuellen Erfolg nicht wirklich verdient habe. Viele junge Schauspielerinnen reißen sich ein Bein aus, um irgendwann von ihrem Beruf leben zu können und bekannt zu werden. Ich dagegen musste nie mit Ellenbogen um etwas kämpfen und mich auf Hunderten von Vorsprechen demütigen lassen. Mir wurden die interessanten Rollen einfach angeboten. Wahrscheinlich habe ich den besten Agenten der Welt! (lacht) An meiner Durchsetzungskraft hat es jedenfalls nicht gelegen, dass ich heute so gut im Geschäft bin. Und ob es mein Talent ist? Das möchte ich ungern selbst beurteilen müssen.

Ungewöhnlich bescheidene Worte für einen Filmstar…

Ich bin mir sicher, dass es Tausende von Schauspielerinnen gibt, die wesentlich mehr Talent haben als ich. Trotzdem reicht es bei denen nicht zu mehr als ein paar Nebenrollen in TV-Serien – wenn überhaupt. Manchmal ist man eben leider nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort, oft ist es einfach nur Pech. Ich bin mir sicher: Viele Kolleginnen brennen Hundertmal mehr als ich, opfern für ihren großen Traum so viel und müssen ihn trotzdem dann doch irgendwann begraben. 

Rebecca Ferguson: Vom Model zur Hollywood-Schauspielerin

Wie fing bei Ihnen alles an?

Rebecca Ferguson wurde mit 15 Jahren für eine schwedische Soap Opera gecastet. 

Ich arbeitete als Teenager zunächst für kurze Zeit als Model, was mir aber überhaupt keinen Spaß gemacht hat und wurde dann als 15-Jährige für die Hauptrolle in einer schwedischen Soap-Opera gecastet. Wir haben damals zweieinhalb Episoden täglich gedreht. Fünf Tage die Woche, zwei Jahre lang. Eine Schauspielschule brauchte ich nie besuchen, denn die Arbeit in der Soap war die beste und härteste Schule überhaupt. Anschließend hatte ich eine kleine Rolle in der US-Serie "Ocean Ave.", die aber fürchterlich floppte. Danach war es erst mal vorbei mit der Schauspielerei.

Dann lief ja doch nicht alles so rund, wie Sie sagen…

Für Außenstehende mag das vielleicht so aussehen. Ich habe das aber nie so empfunden. Ich hatte damals zwar Blut geleckt und grundsätzlich große Lust auf die Schauspielerei, betrachtete das Thema aber auch immer sehr pragmatisch, mit einer leicht unterkühlten Distanz und ohne mich dabei naiven Illusionen hinzugeben. 

Hatten Sie sich einen Plan B zurechtgelegt?

Aber natürlich! Ich bin keine Frau, die sich Träumereien und Illusionen hingibt. Ich habe Musik und Tanz in Stockholm studiert und später argentinischen Tango in Lund unterrichtet. Ich habe aber auch mal ein Yoga-Studio eröffnet, als Schuhverkäuferin oder als Kellnerin gearbeitet – mich also ein paar Mal beruflich ganz neu erfunden. Trotzdem blieb ich nebenbei der Schauspielerei immer treu. Und dann kam 2013 die britische Mini-Serie "The White Queen“…

Ihr Durchbruch?

Die mit der Rolle verbundene Nominierung für den Golden Globe öffnete mir viele Türen. Hollywood wurde auf mich aufmerksam. Und als ich dann phasenweise nach London zog, ging alles Schlag auf Schlag. 

Rebecca Ferguson auf der "Mission Impossible"-Premiere.

Rebecca Ferguson & Tom Cruise sind nicht nur Arbeitskollegen

Stimmt es eigentlich, dass Sie als Teenager für Tom Cruise, Ihrem "Mission: Impossible"-Co-Star, geschwärmt haben?

Und wie! Ich war sowas von verknallt in diesen Mann. Früher war mein ganzes Kinderzimmer mit seinen Postern zugepflastert und "Rain Man“ oder "Top Gun“ gehörten zu meinen Lieblingsfilmen. Tja, und heute sind wir nicht nur Arbeitskollegen…

Sie sind Freunde geworden? 

So kann man es sagen. Tom ist mir richtig ans Herz gewachsen und wir mögen uns gegenseitig sehr. Leider können wir uns viel zu selten persönlich treffen, schreiben uns dafür aber regelmäßig Mails und telefonieren mehrfach pro Monat. Und bald stehen wir für den siebten "Mission Impossible“-Teil auch wieder gemeinsam vor der Kamera. Tom ist ein unglaublich witziger, sensibler Mensch – und ein toller Zuhörer.

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Das verrät der erste Trailer

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Sie sind zweifache Mama. Ist so ein Familienleben bei Ihrem aktuellen Arbeitspensum nicht furchtbar stressig?

Und wie! Aber zum Glück arbeitet mein Mann Rory freiberuflich. Er begleitet mich deshalb überall hin und unterstützt mich sehr mit der Kleinen. Isaac ist für sein Alter schon sehr selbständig und geht in Schweden zur Schule. Um ihn kümmern sich meine Eltern, wenn ich gerade drehe. Ich will ihm nicht dem Stress aussetzen, ohne seine Freunde, gewohnte Umgebung und feste Tagesstrukturen leben zu müssen. Es ist nicht immer einfach – aber irgendwie kriegen wir es am Ende dann doch alles gut auf die Reihe.

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"Wenn du König wärst" mit Rebecca Ferguson als Hexe Morgana ist ab dem 18. April im Kino zu sehen

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