Rea Garvey: "Ich bin ein Krieger"

"The Voice"-Juror Rea Garvey kennt die Tücken, die eine Popstar-Karriere mit sich bringt. Im Gespräch mit "Gala" erzählt er, was ihn vorm Burn-out bewahrt

Wenn Rea Garvey redet, faltet er die Hände.

Ganz gerade sitzt der 38-Jährige dann am Tisch, während er mit seinem starken irischen R durch die deutschen Sätze rollt. Die Ellenbogen hat er aufgestützt, die gefalteten Hände schweben unterhalb seines Kinns. Das hat etwas Meditatives, und tatsächlich ist der Sänger beim Treffen mit "Gala" in Hamburg ein angenehmer Gesprächspartner. Nichts an ihm wirkt gekünstelt und aufgesetzt. Hier sitzt Rea Garvey, Ire, Rocksänger, Ehemann, Vater, aufgewachsen mit sieben Schwestern. Als Frontmann der Band Reamonn landete er ein paar große Hits, vor drei Monaten brachte er sein Solo-Debüt "Can’t Stand The Silence" heraus. Jetzt ist er als Juror bei "The Voice Of Germany" dabei, einer der erfolgreichsten TV-Shows des Jahres.

Mit Reamonn gelang Rea Garvey 2000 der Durchbruch. Jetzt ist er solo unterwegs und als Juror bei "The Voice" dabei.

Bei "The Voice Of Germany" läuft alles immer so harmonisch ab. Wie sieht es aus, wenn Rea Garvey sauer wird?

Oh, ich bin sehr emotional. Meine erste Reaktion bei Auseinandersetzungen ist meistens falsch, weil viel zu heftig. Obwohl - bei Diskussionen, bei denen es um viel geht, bin ich oft völlig entspannt. Aber dafür bringen mich Kleinigkeiten sofort auf die Palme. Was weiß ich, ich sitze im Flieger und ein Typ behauptet, dass ich auf seinem Platz sitze. Bei so etwas explodiere ich. Aber ich habe mich gebessert im Lauf der Jahre.

Was hat Sie davon überzeugt, bei einer Castingshow als Juror mitzumachen?

Die Show sehe ich als Chance, denn viele feiern Erfolge, indem sie andere niedermachen. "DSDS" finde ich eklig, weil man mit den Kandidaten respektlos umgeht.

Sie sind in Irland im Kreis von sieben Schwestern aufgewachsen. Waren Sie damals der Chef in der Truppe?

( lacht) Nein, der Chef im Haus war und ist mein Vater. Da gibt es nicht mal den Posten des zweiten Kommandeurs. Meine Aufgabe war es früher, auf die Mädchen aufzupassen.

Und wie lief das?

Gar nicht, die hatten mich nämlich voll in der Hand. Aber das war okay, denn durch meine Schwestern konnte ich unkompliziert Mädchen kennenlernen. Und sie haben mich vor einigen Patzern bewahrt: (macht ein entsetztes Gesicht) "Du trägst weiße Socken? Bist du verrückt?" Unser Verhältnis ist heute noch sehr eng. Margaret, die Jüngste, ist jetzt als Sängerin in meine Begleitband eingestiegen und lebt bei mir in Berlin. Sie ist eine große Hilfe für mich.

Sie wirken nicht wie jemand, der Hilfe braucht.

Doch, ich nehme alles wahnsinnig ernst und setzte mich sehr unter Druck. Margaret hat dagegen diese Leichtigkeit, das strahlt ein bisschen auf mich ab. Das tut gut.

Peter Plate von Rosenstolz hat dieses Jahr offen über seinen Burn-out gesprochen. Wie er unter dem ewigen Kreislauf "Tour – nächste Platte – Tour" zusammenklappte ...

Ich habe Peter damals mal am Flughafen getroffen. Er war so durch den Wind, der konnte keinen Satz mehr rausbringen. Es freut mich, dass es ihm wieder besser geht.

GALA-Chefreporter Hauke Herffs traf Rea Garvey in Hamburg.

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Rea mit seiner Ehefrau und Managerin Josephine. Die Garveys leben mit ihrer Tochter Aamor in Berlin und im hessischen Hadamar.

Wie gefährdet sind Sie? Vor einigen Jahren gingen Sie ebenfalls in eine Klinik und danach pausieren.

2006 musste ich mich an meinen Stimmbändern operieren lassen. Das kam auch daher, weil ich mich völlig verausgabt hatte. Fast neun Tage habe ich damals am Stück durchgeschlafen, seitdem habe ich einen Tinnitus, so ein Pfeifen im Ohr. Musik hat etwas Selbstzerstörerisches, aber du fühlst dich oft unzerbrechlich. Und ich bin ein Krieger, ich liebe diesen Job, und deshalb gehe ich gern zu weit. Wichtig ist, dass dich jemand zurückholt. Meine Frau ist da ganz wichtig.

Sie ist gleichzeitig Ihre Managerin. Wie schafft sie das?

Sie sagt dann einfach: Jetzt ist gut. Das Ganze kann sehr anstrengend für sie sein, denn ich bin mitunter eine ziemliche Zicke. Aber sie ist stark, ich liebe sie abgöttisch, ich brauche sie. Und ich habe mittlerweile auch gelernt, mich selbst zu schützen. Boxen hilft mir dabei. Ich habe einen Personal Trainer, den ich anrufe, wenn Not am Mann ist. Und dann kommt der vorbei, egal wo ich bin. Da boxe ich den ganzen Kram aus mir heraus.

Sie haben eine sechsjährige Tochter. Wie sehr taugen Sie als Rocksänger zum Vorbild?

(überlegt) Ich bin ehrlich. Ich kann nicht lügen. Ich kann meinen Mund nicht halten. Ich stehe zu dem, was ich sage. Sagen wir’s so, diese Eigenschaften sehe ich ebenfalls bei meiner Tochter, ich kann also nicht das schlechteste Vorbild sein.

Wollen Sie noch weitere Kinder?

Erst mal müsste ich in diesem ganzen Trubel, der gerade los ist, nach Hause kommen und … ( lacht) das wäre der erste Schritt. Aber ja, ich hätte sehr gern weitere Kinder. Wir müssen nur die Zeit und das Glück dazu haben.

Ihr Solo-Debüt heißt "Can't Stand The Silence". Was können Sie denn an der Stille nicht ertragen?

Meinen Tinnitus. Das Pfeifen klingt, wie wenn jemand mit einer Bürste über eine Mauer scheuert. Leider höre ich ihn immer dann besonders deutlich, wenn ich vollkommen entspannt bin.

Hauke Herffs

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