Prinzessin Madeleine von Schweden: Ihre Flucht nach vorn

Prinzessin Madeleine wehrt sich gegen die Vorwürfe, auf Kosten des schwedischen Volkes ein luxuriöses Liebesleben in New York zu führen

Prinzessin Madeleine von Schweden

Auf den ersten Blick ist sie eine typische junge Frau aus Manhattan auf dem Weg ins Büro.

Pferdeschwanz, Dufflecoat, Stiefel, sehr stylish, aber vor allem: sehr busy. Auf die Idee, dass diese Frau eine Prinzessin ist, kommt niemand, der sie vorbeieilen sieht. Ebenso ist Madeleine von Schweden, 29, anzusehen, dass sie derzeit zu Hause einen ungewöhnlichen, mutigen Kampf führt. Ihre Entscheidung, in New York leben zu wollen und nicht in Stockholm, Göteborg oder Lund, sorgt in ihrer Heimat für großen Unmut. Der Vorwurf: Die Prinzessin führe ein Luxus leben auf Kosten der Steuerzahler, leiste nichts für ihr Geld und genieße bloß die Liebe zu ihrem Freund, dem amerikanischen Millionärssohn und Finanzberater Chris O'Neill, 37. Zuletzt wurden die Schlag zeilen gegen die Königstochter immer wütender. Zum Überlaufen kam das Fass, als Madeleine nicht sofort zur Stelle war, als ihre ältere Schwester Victoria Ende Februar die kleine Estelle zur Welt brachte. Tenor: Nun lasse Madeleine auch noch die Kronprinzessin im Stich.

Seit einem Jahr ist Madeleine mit dem Finanzberater Chris O'Neill glücklich. In Schweden unterstellt man ihr, sie verbringe - zusammen mit ihm - ihre Zeit nur in Restaurants und beim Shoppen.

Eine Krisensitzung sollte für Schadensbegrenzung sorgen, als Madeleine schließlich eine Woche nach Estelles Geburt nach Stockholm kam. Man entschied sich für die Flucht nach vorn. Als Erstes erklärte Hofsprecher Bertil Ternert Madeleines späte Anreise so: Sie habe noch einen wichtigen Termin in New York gehabt, nämlich ein Seminar bei den Vereinten Nationen. Da die Gemüter sich immer noch nicht beruhigten, unternahm der Hof vergangene Woche einen spektakulären Schritt und veröffentlichte auf seiner Homepage ein von einem Palast-Mitarbeiter geführtes Interview mit der Prinzessin. Darin bezieht sie zu allen Anschuldigungen Stellung. Ein Novum in der Geschichte des Königshauses - und auch für andere Monarchien absolut ungewöhnlich.

"Es macht mich traurig, wenn Leute behaupten, ich würde ein Luxusleben führen, nur shoppen gehen und in Restaurants rumhängen", sagt Madeleine in dem Interview. In Wirklichkeit habe sie einen Job bei der amerikanischen Niederlassung der von ihrer Mutter Königin Silvia geründeten Kinderhilfsorganisation World Childhood Foundation. Und ganz generell repräsentiere sie Schweden in Amerika. Eine Apanage beziehe sie hierfür nicht: "Wenn ich Repräsentationstermine für Schweden wahrnehme, übernimmt der Staat die Reisekosten. Aber ansonsten bezahle ich meinen Aufenthalt in New York aus eigener Tasche." Gemeint ist damit das Privatvermögen der royalen Familie. Weiter betont sie: "Natürlich beziehe ich auch kein Gehalt von Childhood."

Hört man sich bei der Stiftung um, gibt es tatsächlich nur Lob für Madeleines Einsatz. Sie sei nicht nur höchst engagiert und stets gut informiert, sondern besitze auch eine warmherzige Ausstrahlung, die viele an ihre Mutter erinnert. "Mit ihrem eleganten Auftreten und durch ihr natürliches und unprätentiöses Wesen gewinnt Prinzessin Madeleine die Herzen der Menschen, mit denen sie zusammentrifft", so Antonia Ashton, Pressesprecherin des Software-Riesen SAP und Mitglied des Vorstands der World Childhood Foundation Deutschland, zu "Gala". "Prinzessin Madeleine im Umgang mit Kindern in Südafrika zu erleben, hat mich persönlich besonders berührt." Madeleine hängt ihr Engagement normalerweise nicht an die große Glocke, sie arbeitet lieber im Stillen. Ein sympathischer Charakterzug - aber unter PR-Gesichtspunkten fatal, wie sich nun zeigte. Unter den Stichpunkten Ehrlichkeit und Transparenz hat sich der Hof deshalb eine neue Kommunikationsstrategie verordnet. Auf der Homepage werden neuerdings alle noch so kleinen Termine dokumentiert: Jedermann soll in Zukunft verfolgen können, wie fleißig die Prinzessin ist. Zum Beispiel wird detailliert darüber berichtet, wie Madeleine vier so zia le Einrichtungen besuchte, als sie im März für zwei Wochen in Schweden war. Anschließend flog sie nach Texas, wo sie drei wohltätige Stiftungen besuchte und unter anderem den ehemaligen Präsidenten George W. Bush und seine Frau Laura traf.

Prinzessin Madeleine war auf Charity-Reise in Südafrika. In Kapstadt nahm sie an einem Empfang der "World Childhood Foundation" teil.

Mit viel Arbeit geht es weiter. Mitte April reist die Prinzessin zu einer Gedenkveranstaltung nach Washington, Anfang Mai nimmt sie an einem Handelstreffen in New York teil. Kurz darauf organisiert sie eine große Childhood-Gala mit anschließendem Symposium in New York. Königin Silvia reist aus Schweden an, Hollywood-Schauspielerin Geena Davis hält einen Vortrag über Frauenrechte.

"Die Tatsache, dass ich jetzt in New York lebe anstatt in Schweden, heißt nicht, dass sich meine Rolle als Prinzessin von Schweden geändert hätte. Es heißt nur, dass ich jetzt in Amerika für Schweden arbeite", betont Madeleine im Interview. Der Befreiungsschlag trägt bereits erste Früchte. "Es ist doch völlig idiotisch, über Prinzessin Madeleine herzuziehen. Schließlich übt sie in den USA einen wichtigen Job aus!", schrieb etwa Britta Svensson, Kommentatorin der schwedischen Boulevardzeitung "Expressen". Ihr Argument: Die Schweden sollten doch froh sein, dass sich die Prinzessin eine sinnvolle Beschäftigung gesucht hat. Wenige Wochen vor Madeleines 30. Geburtstag am 10. Juni erkennt man in Schweden vielleicht, dass das Nesthäkchen der Königsfamilie erwachsen geworden ist. Die Haare sind nicht mehr strohblond getönt, sondern jetzt natürlich brünett, der Babyspeck ist verschwunden. Das neue, anonyme Leben in New York tut ihr gut. Dabei hatte Madeleine, als sie vor zwei Jahren nach Amerika ging, gar nicht vorgehabt, so lange zu bleiben. Ihr Umzug war eher eine Flucht vor dem Liebeskummer: Nachdem Medien aufgedeckt hatten, dass ihr damaliger Verlobter Jonas Bergström sie mit einer norwegischen Handballerin betrogen hatte, wollte sie nur noch weg.

Schwedische Königsfamilie

Könige aus Ikea-Land

11. Juli 2019  Wenn die schwedische Königsfamilie ihren Sommersitz Schloss Solliden auf der Insel Öland besucht, wird die Zeit genutzt, um den "Öländer des Jahres" auszuzeichnen. Prinzessin Victoria und Königin Silvia tragen dabei traditionell die Tracht der Ostsee-Insel.
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11. Juli 2019  Die Prinzessin scheint sich genauso über die Auszeichnung zu freuen wie die Inselbewohner selbst.
Prinzessin Victoria als Party-Crasherin

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Aus dem unfreiwilligen Exil wurde eine neue Heimat - besonders auch deshalb, weil Madeleine dort Chris O'Neill traf, ihre große Liebe. Vor wenigen Tagen teilte die Prinzessin den schwedischen Finanzbehörden ordnungsgemäß mit, dass sie ihren festen Wohnsitz von Stockholm nach New York verlegt hat. Und laut "Expressen" haben sich Madeleine und Chris sogar schon eine gemeinsame Wohnung in Manhattan gekauft. Der nächste Besuch daheim steht aber schon fest: Zur Taufe ihrer Nichte am 22. Mai kommt Madeleine natürlich nach Stockholm. Pünktlich. Stefanie Richter

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