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Prinz Friso Hand in Hand gegen die Verzweiflung

Königin Beatrix und Mabel
Königin Beatrix und Mabel
© Picture Alliance
Einst mussten Prinz Friso und seine Frau Mabel schwer für ihre Liebe kämpfen. Jetzt, da Friso vielleicht für immer im Koma liegt, weiß Mabel seine Familie an ihrer Seite

Seit jenem verhängnisvollen Freitag hat Mabel Wisse Smit kaum geschlafen.

Meist in Schwarz gekleidet, besucht die 43-Jährige seit dem schweren Skiunfall ihres Mannes Prinz Friso, 43, täglich die Traumatologische Intensivstation der Klinik in Innsbruck, wacht an seinem Bett. Ihr Gesicht spiegelt alle Empfindungen wider. Angst, Hoffnung, Trauer, leise Zuversicht - und schließlich tiefe Verzweiflung. Dass Friso wohl nie mehr mit seinen beiden Töchtern spielen, seine kleinen Prinzessinnen nie mehr fröhlich in die Luft werfen, nie mehr mit der Familie ins Ballett gehen kann, dürfte Mabel bald nach dem Lawinenunglück geahnt haben. Dazu sind 50 Minuten, diese gefühlte Ewigkeit, in denen sein Herz nach dem Unfall zu schlagen aufhörte, einfach eine zu lange Zeit. Seit Friso reanimiert wurde, liegt er im Koma, sein Gehirn ist irreparabel geschädigt. Ob er überhaupt jemals wieder das Bewusstsein erlangt, sei ungewiss, sagt sein behandelnder Arzt Dr. Wolfgang Koller. Das einzige, was seine Familie derzeit tun kann: nach einer geeigneten Reha-Klinik suchen, in London, der Wahlheimat der Prinzenfamilie, oder den Niederlanden.

Hollands Royals verlassen die Klinik in Innsbruck (v. l.): Prinz Constantijn, Königin Beatrix, Prinzessin Margriet (die Schweste
Hollands Royals verlassen die Klinik in Innsbruck (v. l.): Prinz Constantijn, Königin Beatrix, Prinzessin Margriet (die Schwester der Königin), Frisos Ehefrau Mabel und Prinz Willem-Alexander. An diesem Tag wurde bekannt, dass Prinz Friso auf unbestimmte Zeit Koma-Patient bleibt.
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Mit Mabel leidet die ganze Königsfamilie, Frisos Brüder Willem-Alexander, 44, und Constantijn, 42, mit ihren Ehefrauen und natürlich Königin Beatrix, 74. Friso, der mittlere, gilt als ihr Lieblingssohn. Er sei ihr am ähnlichsten, heißt es aus dem Umkreis der Royals. Vor allem die intellektuellen Wortgefechte mit ihm habe die Königin immer geschätzt. Munition für solche Diskussionen eignete sich der Prinz an gleich drei Unis an: Er studierte Maschinenbau im kalifornischen Berkeley, Luft- und Raumfahrttechnik in Delft, und danach absolvierte er noch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Rotterdam. Nach etlichen Stationen im Ausland war der Prinz zuletzt in London bei einem Nukleartechnologieunternehmen als Finanzchef angestellt. Eine verantwortungsvolle Position.

Auch irgendwann einmal König zu werden, hätte ihm als dem Zweitgeborenen durchaus passieren können. Diese Aussicht machte dem ruhigen Charakter eher Angst. Bei Raufereien unter den Brüdern mahnte er stets Constantijn, den jüngsten, er solle Willem-Alexander, dem ältesten, bloß nicht zu sehr auf die Mütze geben - der müsse ja mal den schwierigen Job als König übernehmen. Öffentliche Auftritte waren Friso stets ein Gräuel. Den traditionellen "Königinnentag" mit Händeschüttel-Marathon in Orange schwänzte er nach Möglichkeit. Er soll auch nicht besonders traurig gewesen sein, als ein persönlicher Skandal ihn dazu zwang, sein Recht auf den Thron endgültig abzugeben. Ausgerechnet der unauffällige Prinz verliebte sich in eine schillernde Frau. Mabel Wisse Smit, blond und adrett, blitzgescheit und ehrgeizig wie er - aber auch mit einem Hang zu falschen Männern ausgestattet. Als er die studierte Ökonomin und Politikwissenschaftlerin vor gut elf Jahren auf einer Party seines jüngsten Bruders in Brüssel kennenlernte, hatte sie gerade ihre Beziehung mit Muhamed Sacirbey beendet. Der ehemalige bosnische Außenminister war wegen Betrugs angeklagt. Nicht ihr dubiosester Lover: Sacirbey wirkt fast wie ein Waisenknabe gegen Klaas Bruinsma, einen - 1991 erschossenen - holländischen Drogenbaron und Chef eines Verbrechersyndikats. Mit ihm war Mabel als Studentin liiert. Bruinsma ließ Feinde und Gegner ermorden und in Zement gießen ...

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Ein wahres "Mabelgate" wurde aus der Geschichte, weil Mabel die Affäre mit dem Drogenboss vor der Hochzeit mit Friso zu vertuschen versuchte. Das Parlament verweigerte daraufhin seine Zustimmung zur Ehe. Und ihr Zukünftiger? Prinz Friso ließ sich ohne Zögern zum Herzog von Oranien- Nassau degradieren, verlor damit seine formale Zugehörigkeit zum Königshaus. Dafür gewann er aber genau die Frau, mit der er eine sehr glückliche Ehe führen würde. "Mit Mabel wird es nie langweilig. Jeder Tag mit ihr bringt etwas Neues. Niemand hat bisher so viel Einfluss auf mein Leben gehabt wie sie", schwärmte der Prinz kurz vor seiner Hochzeit 2004. Vor dem Traualtar zitierte der Pastor aus einem Liebesbrief Frisos an Mabel: "Vertraue auf mich", hatte der Prinz ihr geschrieben. Und das tat sie. Im Gegenzug konnte auch er sich hundertprozentig auf seine Frau verlassen.

In London kümmert sie sich um die Töchter Luana, 6, und Zaria, 5, und organisiert das gesellschaftliche Leben des Paares. Zudem arbeitet Mabel als Geschäftsführerin des Open Society Institutes, einer Stiftung des Milliardärs George Soros, steht dem honorigen Club "The Elders" vor und engagiert sich bei diversen Charity-Organisationen. Unter anderem will sie die Menschen für das Thema Organspende sensibilisieren. Dieses Thema spielt eine große Rolle in ihrem Leben, ihre Trauzeugin beispielsweise verdankt einer Spende ihr Leben. Auf ihrem Twitter-Account "Mabel van Oranje" diskutierte sie noch einen Tag vor dem Lawinenunglück die Wichtigkeit von Organspenden - und bekräftigte, sie selbst besitze seit 1998 einen entsprechenden Pass. Es ist bis heute ihre letzte Mitteilung. Martina Ochs

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