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Penélope Cruz "Sie schmeißen mich sicher raus"

Penélope Cruz
© Getty Images
Sie drehte mit Woody Allen und Pedro Almodóvar, hat einen Oscar – und immer noch Selbstzweifel

Man möchte sie direkt in die Arme schließen. Und das kommt bei einem Filmkritiker, der von Berufs wegen stets kritische Distanz zu wahren hat, extrem selten vor. Doch in dem Filmdrama "Ma Ma – Der Ursprung der Liebe" von Kult-Regisseur Julio Medem spielt PenélopeCruz, 42, einfach so überzeugend, so unfassbar gut.

Jetzt im Kino: In "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" spielt Penélope Cruz bravourös eine krebskranke Frau, die dennoch die schönen Seiten des Lebens entdeckt
Jetzt im Kino: In "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" spielt Penélope Cruz bravourös eine krebskranke Frau, die dennoch die schönen Seiten des Lebens entdeckt
© PR

Ihr bester Film seit "Volver"

Der Plot klingt erst mal ganz schön dick aufgetragen: Magda, arbeitslose Lehrerin, wird von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen, erkrankt an Brustkrebs und wird schließlich auch noch schwanger. Doch Cruz gelingt es, diese Frau mit Emotionen aller Schattierungen lebendig werden zu lassen. Magda wirkt so transparent, als könnte man ungefiltert auf den Grund ihrer Seele schauen.

Wie schafft Penélope Cruz das?

Immer dann, wenn die ehemalige Ballerina einfache Frauen in Familiengeschichten spielt, läuft sie zu Bestform auf. Und seit sie selbst Mutter ist, scheint sie noch eine Nuance weicher geworden zu sein. Vielleicht, so mutmaßt man im Verlauf des Gesprächs mit ihr, basiert diese Kunst gerade auf ihrer großen Unsicherheit, die gute Regisseure wie Pedro Almodóvar oder dieses Mal der Spanier Julio Medem in die richtigen Kanäle leiten können. Denn trotz ihres Oscars, trotz all der Erfolge und der Arbeit mit den Großen der Branche wie Woody Allen hat die gebürtige Spaniererin sich nie diese abgeklärte Routiniertheit mancher Kollegen zugelegt.

Lampenfieber

"Ich habe nicht nur Lampenfieber, ich habe richtiggehend Angst", beschreibt Cruz ihren Gemütszustand zu Beginn von Dreharbeiten. "Das geht jedes Mal so weit, dass ich in der ersten Woche eines neuen Projektes glaube, ich werde gefeuert, weil ich so schlecht bin. Das ist mit den Jahren auch nicht besser geworden. Ich fürchte immer wieder, sie schmeißen mich wegen absoluter Unfähigkeit raus. Oder weil ich einfach eine Fehlbesetzung bin."

Sie kann auch anders

Penelope Cruz und Javier Bardem
Penelope Cruz und Javier Bardem
© Getty Images

 Forsch und zickig kann die Spanierin allerdings auch sein, vorzugsweise in Interviews. Vermutlich einfach ein Schutzschild, wenn ihr Fragen zur Ehe mit Javier Bardem und den beiden gemeinsamen Kindern gestellt werden – Themen, zu denen sie beharrlich schweigt. Nicht nur ihre Familie, selbst Dinge, die ihr wichtig sind, hütet sie wie einen Schatz. Als habe sie Angst, sie zu benennen könne deren schützende Kraft zerstören. Auf die Frage, ob sie bei Dreharbeiten einen Talisman habe, antwortet sie nur zögernd: "Ich hoffe, er verliert jetzt nicht seinen Zauber, wenn ich es erzähle: Ich trage immer den Ring meiner Großmutter am Finger."

Sie spricht über ihre Eltern

Familie, so viel immerhin mag sie berichten, ist ihr extrem wichtig. Wenn sie über ihre Eltern und Geschwister spricht, wird der Tonfall zärtlich. Mutter Encarnación arbeitet als Friseurin, Vater Eduardo als Automechaniker. "Meine Eltern hatten immer etwas sehr Künstlerisches, auch wenn sie damit nicht ihr Geld verdient haben", erzählt sie. "Ich erinnere mich noch sehr gut an die Sonntage zu Hause. Da haben wir alle zusammen bei lauter Musik das Haus geputzt – fast wie in einer kleinen Hippie-Kommune. Ich bin schon mit 17 Jahren ausgezogen, und meine Eltern haben mich trotzdem immer unterstützt und mir vertraut. Das war mir sehr wichtig." 

Überrascht vom Oscar-Gewinn

Eine reflektierte Frau, die aber auch herrlich verrückt sein kann. Das zeigt eine Anekdote aus dem Jahr 2009, als sie den Academy Award für ihren Part in "Vicky Cristina Barcelona" bekam. Anfangs ließ sie ihn nicht aus den Augen. "In den drei Wochen nach der Oscar-Verleihung habe ich ihn überallhin mitgenommen", lacht sie. "Einmal hatte ich den Oscar sogar mit am Strand. Ich war so aufgeregt, dass ich ihn gewonnen hatte. Ich bin jeden Morgen aufgewacht und wollte ihn sehen, weil ich es einfach nicht glauben konnte." Eine sehr charmante Art, den eigenen Selbstzweifeln zu begegnen. Man könnte sie direkt in den Arm nehmen.

Florian Stern Gala

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