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Mental Health Matters Peer Kusmagk war aufgrund seiner Alkoholsucht "in Lebensgefahr"

Peer Kusmagk
© instagram.com/peerkusmagk
Wein, Schnaps und Entzugserscheinungen im Wechsel: Der Alkohol hatte das Leben von Peer Kusmagk im Griff. Bei Mental Health Matters erzählt der Schauspieler, wie er die Sucht überwand und geschafft hat, heute ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

"Ich trank zwei bis drei Flaschen Wein und rauchte ein bis zwei Packungen Zigaretten täglich. [...] Ich war in akuter Lebensgefahr", erinnert sich Peer Kusmagk, 46, an einen Moment vor circa sechs Jahren. Zu diesem Zeitpunkt bestimmte die Alkoholsucht das Leben des ehemaligen GZSZ-Schauspielers und "Sat.1-Frühstücksfernsehen"-Moderators.

Bei Mental Health Matters erzählt der heute dreifache Vater und Ehemann von Janni, 31, wie er zuerst immer tiefer in die Sucht hineinschlitterte, was sich dadurch in seinem Leben veränderte und seinen langen Weg zur Entzugsklinik und raus aus der Abhängigkeit.

In Teil 2 des Interviews spricht Peer Kusmagk darüber, wieso Janni für ihn aufgehört hat zu trinken und was er machen wird, wenn seine Kinder Alkohol konsumieren wollen – zu lesen ab 9. Dezember auf GALA.de.

Peer Kusmagk: "Täglich zwei bis drei Flaschen Weißwein waren das Minimum"

GALA: Wann und wieso fingen Sie an, mehr Alkohol zu trinken?
Peer Kusmagk: Das passierte, als ich mein damaliges Restaurant hatte. Ich war dort immer von Alkohol umgeben. In der Bauphase haben mein damaliger Geschäftspartner und ich vor Freude getrunken, irgendwann, weil es so stressig wurde oder ich traurig war. Immer mehr habe ich meine Emotionen mit dem Alkohol verknüpft – irgendwann alle und ich begann, täglich zu trinken. Es folgte ein Gefühl der Betäubung, Erleichterung oder Entspannung.

Hat sich Ihr Konsumverhalten in den Jahren stetig gesteigert?
Ja, das gehört zur Krankheit dazu. Mein Organismus passte sich an, meine Toleranzschwelle erhöhte sich und ich brauchte immer mehr Dosen, um dieselbe Wirkung zu spüren.

Wie viel Alkohol haben Sie damals konsumiert?
Ich bin morgens für das Abendgeschäft einkaufen gegangen und habe meistens nachmittags, während ich die Bar vorbereitet habe, eine Flasche Weißwein getrunken und ein bis zwei weitere am Abend. Das war das Minimum.

Manchmal habe ich noch einen Schnaps zwischendurch getrunken, um wieder auf meinen Pegel zu kommen.
Peer Kusmagk 2011 vor seinem damaligen Restaurant "La Raclette" in Berlin Kreuzberg.
Peer Kusmagk 2011 vor seinem damaligen Restaurant "La Raclette" in Berlin Kreuzberg.
© Jakob Hoff / imago images

Folge des Konsums: "Ich habe nur noch Zeit mit Menschen verbracht, die ebenfalls tranken"

Wie hat sich Ihr Alltag mit der Sucht verändert?
Ich habe meine sozialen Kontakte vernachlässigt, war in meinem Job nicht mehr so leistungsfähig und spürte eine Grundgereiztheit, wenn ich keinen Alkohol konsumierte. Das war kontraproduktiv für meine Beziehungen. Mein Freundeskreis veränderte sich. Ich habe nur noch Zeit mit Menschen verbracht, die ebenfalls tranken. So konnte ich mein Problem, von dem ich irgendwann wusste, dass es eins war, verheimlichen und fiel nicht negativ auf.

Welche Symptome haben sich bei Ihnen durch den ständigen Alkoholkonsum gezeigt?
Wenn ich nichts getrunken hatte, kämpfte ich mit Entzugserscheinungen wie Konzentrationsproblemen.

Ich wachte morgens mit kaltem Schweiß auf der Stirn auf, zitterte und meine Gedanken kreisten den ganzen Tag um den nächsten Tropfen Alkohol.

Zudem fühlte ich mich schlapp und krank, meine Organe waren geschädigt und mein Leidensdruck war irgendwann sehr groß. Das waren eindeutige Hinweise darauf, dass ich eine Suchterkrankung entwickelt hatte.

Im Dschungelcamp 2011 merkte Peer Kusmagk erstmals, dass er ein Suchtproblem hatte

Wann genau haben Sie gemerkt, dass Sie ein Problem haben?
Im Dschungelcamp 2011 merkte ich zum ersten Mal, dass ich Probleme hatte, auf Alkohol zu verzichten. Als ich mir circa drei Jahre später bewusst vornahm, weniger zu trinken und es nicht schaffte, wusste ich, dass es ernst war.

Mein damals bester Freund und Geschäftspartner sprach mich auf meinen Konsum an – auch weil dieser Restaurant-Kosten verursachte. Ich habe circa 600 Euro im Monat versoffen.

Er machte sich aber viel mehr Sorgen um meine Gesundheit. Wir sind gemeinsam zu einer Suchtberatung gegangen. Es dauerte aber noch, bis ich mir professionelle Hilfe holte. Ich versuchte erst, eigenständig aufzuhören, wollte mir beweisen, dass alles nicht so schlimm ist, was nicht funktionierte.

Nach seiner Teilnahme am Dschungelcamp 2011: Peer Kusmagk bei seiner Rückkehr am Berliner Flughafen mit seiner Mama Roswitha.
Nach seiner Teilnahme am Dschungelcamp 2011: Peer Kusmagk bei seiner Rückkehr am Berliner Flughafen mit seiner Mama Roswitha.
© Thomas Lebie / imago images

Die Sucht bestimmte zu diesem Zeitpunkt Ihr Leben.
Genau, die Kehrtwende kam, als ich 40 Jahre alt wurde.

Was passierte dann?
Da dachte ich mir: Wenn ich so weiter mache, werde ich keine 50 Jahre alt mehr.

Ich trank zwei bis drei Flaschen Wein und rauchte ein bis zwei Packungen Zigaretten täglich. In diesem Zustand war ich kaum noch handlungsfähig. Ich war in akuter Lebensgefahr.

Zugleich war es aber immer mein größter Traum, als sportlicher Vater eine Familie zu haben und am Strand zu leben. Ich wollte ein unabhängiges Leben führen. Das konnte ich jedoch nur, wenn ich die Sucht besiege und meinen Körper wieder gesunden lasse. Mein Traum gab mir die Motivation, diesen Schritt zu gehen und mir professionelle Hilfe zu holen.

Sie haben dann auch irgendwann ihr Restaurant verkauft …
… weil es unmöglich ist, mit solch einer Erkrankung ein Restaurant zu führen.

Peer Kusmagk hatte sich 2017 dazu entschlossen, sein Restaurant "La Raclette" zu schließen.
Peer Kusmagk hatte sich 2017 dazu entschlossen, sein Restaurant "La Raclette" zu schließen.
© Sabine Gudath

So erlebte Peer den Aufenthalt in der Entzugsklinik

Wie haben Sie den Aufenthalt in der Entzugsklinik erlebt?
Die ersten zwei bis drei Tage ist der Körper mit dem Alkoholentzug beschäftigt. Was wichtig ist zu verstehen: Diese Klinik ist nicht nur für den Entzug da. Im deutschen Medizin-Jargon heißt es Langzeitentwöhnung.

Ich musste mir meinen Suchtcharakter abgewöhnen, damit ich nicht jedes Gefühl in Alkohol ertränke. Ich musste verstehen, welcher Schmerz meine Sucht auslöste, musste Traumata aufarbeiten und lernen, mit meinen Emotionen anders umzugehen. Hier setzt auch mein zehntägiger Onlinekurs "Ab heute happy" an.

Wie funktioniert Ihr Programm "Ab heute happy" genau?
Ziel ist es, Gewohnheiten zu erkennen, zu verstehen und nachhaltig zu verändern, um ein glücklicheres Leben zu führen. Ich muss mir überlegen, was mich glücklich macht und etabliere das dann als meine neue Gewohnheit. So aktiviere ich die Ausschüttung von Glückshormonen.

Das Programm richtet sich an alle Personen, die mit äußeren Umständen nicht glücklich sind, lernen möchten, wie man Glück in sich selbst ganz leicht herstellen kann, anstatt sich von Sorgen und Ängsten im Außen abhängig zu machen. Für alle, die mit mehr Leichtigkeit und Sorglosigkeit durchs Leben gehen wollen.

Infos zu Peer Kusmagks zehntägigem Onlinekurs "Ab heute happy"

Das Programm hat das Ziel, Gewohnheiten nachhaltig zu verändern, um ein glücklicheres Leben zu führen. Peer erklärt, wie Gewohnheiten entstehen, wie man diese verändert und neue positive etabliert. Jeden Tag gibt es unterschiedliche Impulse, aus denen die Teilnehmenden individuelle Routinen entwickeln können. Nachdem eine neue Gewohnheit erarbeitet wurde, hilft Peer bei der Festigung ebendieser.

Wie gehen Sie heute mit ihrer Suchterkrankung als trockener Alkoholiker um?

Alkohol spielt für mich in meinem Leben keine Rolle mehr.

Ich sehe aber gerade in dieser schwierigen Zeit viele Menschen, die sich wie ich damals falsche Gewohnheiten angeeignet haben und ich bin sehr glücklich über meine Erfahrungen und wie einfach es ist, seinem Leben mit neuen, positiven Gewohnheiten neue Richtung zu geben in meinem Programm weitergeben zu können.

Mit der Interviewreihe "Mental Health Matters" möchte GALA das Thema mentale Gesundheit in den Mittelpunkt rücken, aufklären und psychische Erkrankungen entstigmatisieren.

Verwendete Quellen: eigenes Interview, instagram.com

Gala


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