Paartherapie: Schatz, wir müssen reden!

Was tun, wenn die Liebe auf Eis liegt? Meryl Streep macht es im Kino vor: In "Wie beim ersten Mal" rettet sie ihre Ehe durch eine Paartherapie. Viele Paare gehen diesen Weg - er ist steinig, doch lohnt sich fast immer

Es ist ja nicht so, dass sich die beiden nicht mehr mögen.

Doch nach 30 Jahren ist ihre Ehe so spannungsarm wie ein Wettbewerb im Pfahlsitzen: Kay und Arnold reden kaum noch miteinander, schlafen in getrennten Zimmern, und während sie ihm Eier und Speck brät, verschanzt er sich hinter seiner Zeitung. Doch in Kay rumort es. Sie sehnt sich nach Zärtlichkeit. "Wir sind doch keine Teenager mehr!", wehrt er genervt ihre Annäherungsversuche ab.

Nach wenigen Szenen von "Wie beim ersten Mal" scheint klar: Den beiden, von Meryl Streep und Tommy Lee Jones virtuos verkörpert, ist nicht mehr zu helfen. Oder etwa doch? Inspiriert von einem Ratgeber, bucht Kay eine Intensivwoche Paartherapie, letzte Ausfahrt vor dem Scheidungsanwalt sozusagen - unter heftigen Protesten ihres Mannes. Die rührende, komische und nach viel Schmerz und Schuldzuweisungen schließlich erfolgreiche Reise eines Paars zurück zu sich selbst regt zum Nachdenken an. Denn sie behandelt Probleme, die jedes Paar früher oder später ausbalancieren muss. Was tun, wenn man nicht mehr mit einander sprechen kann, sich vom anderen nicht verstanden oder gesehen fühlt? Gehen - oder bleiben und der Liebe eine Chance geben?

Trennung

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Immer mehr Paare lassen sich bei Beziehungsproblemen professionell unterstützen, wählen den gleichen Weg, wie Kay und Arnold. "Viele Menschen glauben, Liebe reiche aus für eine funktionierende Beziehung", sagt der US-Paartherapeut Tom Caruso zu "Gala". Er hat seine Praxis in Beverly Hills und coacht in der VH1-Fernseshow "Couples Therapy" die Kandidaten. "Aber das stimmt nicht: Man muss sich kümmern und an ihr arbeiten, man muss Zeit und Kraft investieren." Caruso beschreibt, wie Paare über die Jahre gezwungen sind, ihre Energie hauptsächlich in ihre Jobs oder ihre Elternrolle zu packen. "Ihre Bedürfnisse als Ehemann oder Ehefrau fallen hinten runter. Und nach zehn, fünfzehn Jahren fragen sie sich plötzlich, wieso sie keine Nähe mehr zum anderen spüren." Beide Partner lernen in der Therapie zunächst, dem anderen zuzuhören, sich in ihn hineinzuversetzen. So können sie sich neu entdecken, sich versöhnen. Bei prominenten Paaren läuft das nicht anders ab.

In einer akuten Krise, als ihre Scheidung bereits unabwendbar schien, einigten sich Sarah Jessica Parker und Matthew Broderick auf wöchentliche Sitzungen. Mit Erfolg: Im elften Jahr ihrer Ehe frischten sie ihre Beziehung sozusagen auf - und wurden ein Jahr später per Leihmutter zum zweiten Mal Eltern. Megan Fox soll bereits nach dem ersten Ehejahr gemeinsam mit Brian Austin Green ein Ehe-Coaching absolviert haben, heute gilt ihre Verbindung als bombensicher. "Die meisten Paare kommen zu mir, wenn es fast zu spät ist", so Caruso. Wenn etwa ein Seitensprung stattgefunden hat. Oder sich die Partner derart im Streit ineinander verhakt haben, das eine Annäherung extrem erschwert wird. Dagegen gibt es Paare, die den regelmäßigen Gang zum "Dr. Love" als Ritual verstehen, eine selbstverständliche Übung, die ihnen hilft, kleine Konflikte gar nicht erst zu massiven Problemen aufkeimen zu lassen. Patrick Dempsey und seine Frau Jillian Fink schwören seit Jahren auf monatliche "Checkups", wie der Schauspieler verrät: "Wir hatten von Anfang an eine wundervolle Beziehung. Aber es kommen einem Probleme in die Quere, durch die man hindurch muss, um sie zu bewältigen." Therapie als Dauerlösung? "Das ist leichter, als sich dauernd zu streiten", glaubt der Beau aus "Grey’s Anatomy". Auch Mel B sichert ihre Ehe mit Stephen Belafonte seit Jahren mit wöchentlichen Sitzungen gegen emotionale Verschleißerscheinungen ab: "Ich lernte in der Therapie, meine Ängste durch Reden zu überwinden. Inzwischen kann ich mich dort ganz verwundbar zeigen."

Stars können insofern ein Vorbild für unsere "ganz normalen" Beziehungen sein, da ihre letztlich nach den gleichen Prinzipien funktionieren, auch wenn sie anderen Verlockungen und Anforderungen ausgesetzt sind. "Wenn ich ein berühmter Schauspieler wäre", so Tom Caruso, "zwei Monate meine Familie verlasse, um einen Film zu drehen und ständig die intimsten Details über mich in der Presse lesen müsste, wäre es sicherlich schwieriger, meine Ehe am Laufen zu halten." Der Star-Status sei definitiv etwas, das eine glückliche Beziehung erschwert, auch weil man ständig verlockende Angebote von Fans oder Kollegen bekäme. "Aber am Ende des Tages sind Beziehungen für jeden eine Herausforderung, in der man seine Kinder, seinen Job und unzählige andere Aspekte seines Lebens unter bringen muss."

Das mag "common sense" in den USA sein, wo Geschichten von der letzten Analyse-Stunde durchaus Smalltalkkompatibel sind. Doch in Deutschland tat man sich lange Zeit schwer. "Paartherapie war bei uns lange Zeit ein Tabu", bestätigt die Münchener Paartherapeutin Susanne Veit, "doch langsam wird es auch hier normaler, sich coachen zu lassen." Der richtige Zeitpunkt für den Erstversuch ist individuell verschieden. Auf jeden Fall kann eine Therapie auch hilfreich sein, wenn ein Paar nicht erst 30 Jahre zusammen ist wie Kay und Arnold, davon ein Großteil unglücklich. "Salopp gesagt: Wenn mein Auto kaputt ist, dann lege ich mich ja auch nicht selbst drunter, sondern fahre es in die Werkstatt", sagt Susanne Veit. Wenn wichtige Wünsche nicht mehr formuliert werden, ein Partner sich nicht geliebt fühlt oder dauerhaft kritisiert wird, wenn kein Vertrauen mehr da ist oder kein Sex - all das kann Paare zu einem Besuch beim Spezialisten veranlassen.

Kann man Gefühle reparieren? Grundvoraussetzung ist laut Veit der Wille zur Veränderung, der muss bei beiden Partnern da sein. Genauso wie gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, die Kommunikation zu verbessern. "Ich habe hier Paare sitzen, die sind 15 Jahre lang zusammen und kennen sich gar nicht. Aber sie müssen, jeder für sich, lernen: Wo ist meine Verantwortung für die Beziehung? Wo die des anderen und wo unsere gemeinsame?" Den meisten empfiehlt Susanne Veit acht bis zehn Sitzungen, bei denen sie auch Hausaufgaben aufgibt. "Man erzählt sich jeden Tag drei Minuten, wie man sich fühlt und wie man den anderen wahrnimmt, ohne dass dieser einen unterbricht oder etwas bewertet." Das klingt einfach, doch die meisten würden beim Reden grundsätzlich Erwartungen formulieren oder Vor würfe machen. Auch die Aufgabe, einmal in der Woche dem anderen eine Überraschung zubereiten, stellt man sich nicht sonderlich schwierig vor. Susanne Veit: "Und wie! Die meisten Männer kennen nicht einmal die Augenfarbe ihrer Frau!" Wie sollen sie da ihren Geschmack kennen? Ein Allheilmittel ist die Paartherapie nicht, auch wenn Susanne Veit versichert, dass 80 Prozent ihrer Klienten es schaffen - die übrigen begleitet sie auf Wunsch bei einer friedlichen Trennung. Gewalt in der Beziehung oder häufiges Fremd gehen sind in der Regel Ausschlusskriterien. Im Film gelingt Kay und Arnold am Ende ein kleines Wunder: Sie finden wieder zueinander, sind beste Freunde und Liebhaber. Fast wie in ihrer Honeymoon-Phase. Roland Rödermund Mitarbeit: Anna Barbara Tietz

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