Oscar Pistorius: Ohne Prothesen vor Gericht

Oscar Pistorius hat im Gericht seine Beinprothesen ausgezogen, um die Todesnacht von Reeva Steenkamp nachzustellen. Kurz darauf musste der Prozess unterbrochen werden, weil der Angeklagte zusammenbrach

Unter Tränen hat Oscar Pistorius am Dienstag (8. April) die Todesnacht von Reeva Steenkamp (†29) beschrieben und für die Verdeutlichung seiner Aussagen sogar im Gericht in Pretoria seine Beinprothesen ausgezogen. Doch das alles war zu viel für den Sprintläufer, der wegen vorsätzlicher Tötung seiner Freundin angeklagt ist: Der 27-Jährige brach zusammen, der Prozess wurde unterbrochen und seine weitere Aussage auf den nächsten Verhandlungstag verschoben.

Wie unter anderem "spiegel.de" berichtet, erzählte der Angeklagte "zitternd und von Weinkrämpfen geschüttelt" über die Geschehnisse der Nacht des 14. Februar 2013. Wie "tagesschau.de" schreibt, seien er und seine damalige Freundin Reeva Steenkamp an dem "sehr warmen Abend" gegen 22 Uhr schlafen gegangen. In der Nacht sei er wegen der großen Hitze aufgewacht und aufgestanden, um zwei Ventilatoren vom Balkon zu holen. Von dort aus habe er verdächtige Geräusche aus dem Badezimmer gehört. "Ich glaube, in dem Moment änderte sich alles", gab der Sprinter zu Protokoll.

Evelyn Burdecki

"Ich konnte nicht mal in die Nähe von ihm gehen, weil ich dann rot wurde"

Evelyn Brudecki
©Gala

Er habe dann losgeschrien, um den vermeintlichen Eindringling aufzuschrecken. Außerdem habe er versucht, seine Freundin aufzuwecken, von der er glaubte, dass sie noch im Bett liege. Er habe ihr zugerufen, sie solle sich auf den Boden legen und die Polizei anrufen. Er habe eine Waffe unter seinem Bett hervorgeholt und sei damit in Richtung Badezimmer geschlichen. Wie es auf "tagesschau.de" heißt, hörte er dann ein weiteres Geräusch und dachte, der Einbrecher würde ihn jeden Moment angreifen. "Bevor ich es wusste, hatte ich vier Schüsse durch die Tür abgefeuert", wird er von "spiegel.de" zitiert. Wie sich hinterher herausstellte, trafen die vier Schüsse seine Freundin, die sich zu dem Zeitpunkt - anstelle des vermeintlichen Einbrechers - im Badezimmer aufhielt.

Pistorius wurde von seinem Verteidiger Barry Roux dazu aufgefordert, im Gerichtssaal seine Beinprothesen abzulegen, um dadurch seine Position zu verdeutlichen. Oscar Pistorius hatte in vorherigen Aussagen zugegeben, sich ohne seine Prothesen, die er zum Schlafen ausziehe, sehr hilflos zu fühlen. Berichten zufolge stellte er sich auf seinen Stümpfen in die Mitte des Gerichtssaals, wo auch ein Modell der Badezimmertür aufgebaut war. Doch die Szene noch einmal durchzuspielen, war zu viel für den Angeklagten: Er erbrach sich im Anschluss an die Nachstellung und war danach nicht mehr vernehmungsfähig. Der Prozess wurde daraufhin auf Mittwoch (9. April) vertagt.

Bevor er die Todesnacht von Reeva Steenkamp schilderte, hatte der 27-jährige Olympiateilnehmer seine Beziehung zu seiner damaligen Freundin beschrieben. Er gab laut "tagesschau.de" zu, dass er manchmal eifersüchtig gewesen sei, aber sie hätten sich immer ausgesprochen und ihre Streits schnell beigelegt. Verteidiger Roux ließ den Angeklagten SMS vorlesen, die er und Reeva Steenkamp sich geschickt hatten. Aus den Nachrichten ging hervor, dass die beiden sehr zärtlich miteinander umgegangen seien. Beim Vorlesen der Nachrichten sollen Oscar Pistorius die Hände gezittert haben, immer wieder hätte seine Stimme versagt, berichtet "tagesschau.de" weiter.

In den kommenden Verhandlungstagen wird es für den 27-Jährigen voraussichtlich nicht leichter werden: Wenn die Befragung durch Barry Roux abgeschlossen ist, wird er von Staatsanwalt Gerrie Nel ins Kreuzverhör genommen. Der soll schon vorab signalisiert haben, dass er den Angeklagten mindestens so hart und schonungslos befragen wird, wie es Barry Roux vorher mit sämtlichen Zeugen der Anklage - die Roux regelmäßig zum Weinen gebracht hatte - gemacht hat.

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