Oscar 2012: Frankreich im Oscar-Glück

Traditionelle Show mit ansteckend glücklichen Siegern: Der französische Stummfilm "The Artist" räumt gleich fünf Oscars ab, darunter "Bester Film", "Bester Regisseur" und "Bester Hauptdarsteller". Weitere Gewinner waren Meryl Streep, Christopher Plummer und Martin Scorceses "Hugo"

Oscars 2012

Academy Awards

Die Oscar-Gala in Hollywood

Penélope Cruz
George Clooney und Stacy Keibler
Sandra Bullock vor dem Kodak Theater
Vorjahresgewinner Colin Firth mit seiner Frau Livia. Er wird den Oscar an die "Beste Hauptdarstellerin" überreichen.

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Es war die Nacht der Franzosen: Bei der 84. Oscar-Verleihung in Los Angeles setzte der gefeierte französische Stummfilm "The Artist" seinen Triumphzug fort und räumte die goldene Statue gleich fünf Mal ab. So viel ergatterte sonst nur Martin Scorceses 3D-Spektakel "Hugo", der mit elf Nominierungen ins Rennen ging. Doch "The Artist" entschied die wichtigsten Kategorien für sich und bekam den Preis für "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller" und "Beste Regie".

"Ich habe einen Oscar", rief der Regisseur Michel Hazanavicius fassungslos. Und fügte sehr charmant hinzu: "Ich bin der glücklichste Regisseur der Welt!" Als er den Preis für den besten Film entgegen nahm, dankte er sogar scherzhaft dem heimlichen Star von "The Artist", Hund "Uggie".

Auch Hauptdarsteller Jean Dujardin jubelte überwältigt auf der Bühne: "Ich liebe euer Land!", bevor er noch einmal ein dickes "Merci" an die amerikanische Filmindustrie aussprach. Und so wurde nichts aus dem oft herbei geschworenen Duell der Kumpels George Clooney und Brad Pitt, die ebenfalls nominiert waren - Dujardin ließ die Hollywoodgrößen hinter sich. "Was für ein erster Auftritt, um sich dem amerikanischen Publikum vorzustellen", lobte die letztjährige Oscarpreisträgerin Natalie Portman den Franzosen.

Carmen Geiss

Für ihre neuen Implantate leidet sie Höllenqualen

Carmen Geiss
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©Gala / Brigitte

Bei den Frauen ging der Oscar als beste Hauptdarstellerin nach 30 Jahren endlich wieder an die Ausnahmeschauspielerin Meryl Streep. "Mit jeder Rolle setzt du die Latte für uns andere höher an, du bist unerklärlich gut", schwärmte Colin Firth zuvor über die 62-Jährige. Streep war bereits 17 Mal für die goldene Statue nominiert - ein Rekord.

Mit ihrer Rolle als "Margaret Thatcher" in "The Iron Lady" durfte sie den Oscar nun zum dritten Mal mit nach Hause nehmen. "Die Leute denken bestimmt alle: 'Nicht die schon wieder'", scherzte sie auf der Bühne, freute sich jedoch sichtlich über die Auszeichnung.

Ein weiterer Rekord: Christopher Plummer ist mit 82 Jahren der älteste Schauspieler, der je einen Oscar bekam. Er wurde für seine Rolle in "Beginners" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Überhaupt war die Stimmung bei der Gala durchweg gut: Oscar-Veteran Billy Crystal führte wie erwartet auch beim neunten Mal souverän und unterhaltsam durch den Abend, was der Veranstaltung das alte Hollywood-Flair zurückgab, das sie im vergangenen Jahr mit Anne Hathaway und James Franco als unerfahrenes Moderatoren-Duo verloren hatte. Crystal, der spontan für Eddie Murphy eingesprungen war, zelebrierte Film und seine Industrie auf altmodische Weise, unter anderem mit einer traditionellen Eröffnungsnummer mit Gesangs-Einlage.

Mit der Verleihung des Oscars für die beste Nebendarstellerin hatte die Show außerdem gleich zu Beginn einen emotionalen Höhepunkt, als Octavia Spencer, die für das Rassendrama "The Help" ausgezeichnet wurde, auf der Bühne Freudentränen vergoss.

Die deutschen Oscar-Hoffnungen wurden jedoch leider enttäuscht: Weder Wim Winders mit seinem wunderbaren Tanz-Dokumentarfilm "Pina", noch Max Zähle mit dem Studentenfilm "Raju" konnten sich in ihren Kategorien durchsetzen. Dafür sorgte Sandra Bullock überraschenderweise für einen deutschen Moment während der Verleihung: Die Schauspielerin präsentierte den Oscar für den besten ausländischen Film ("A Separation" von Ashgar Farhadi, Iran) auf Deutsch und scherzte: "Mein Chinesisch hat einen starken deutschen Akzent".

Die Präsentatoren blieben sonst weitgehend unspektakulär, bis auf eine überraschend hölzerne Angelina Jolie, die sich bei der Vergabe des Oscars für das "Beste adaptierte Drehbuch" verhaspelte. Ganz niedlich: Melissa McCarthy und Rose Byrne setzten ihr "Scorcese"-Trinkspiel der Golden Globes fort und Will Farrell und Zach Galifianakis machten mit großen Becken Krach bei der Vergabe des Oscars für den besten Song ("Man or Muppet", Bret McKenzie).

Beim Schlussbild wird noch einmal klar, welche Bedeutung der Oscar für die meisten Filmschaffenden hat: Die französische Filmcrew von "The Artist" liegt sich überglücklich samt Hund "Uggie" (mit Fliege um den Hals) in den Armen, ihre Freude wirkt echt und ansteckend.

Nur einer hatte wie immer keine Lust auf das Spektakel: Woody Allen nahm wie gewohnt auch seinen fünften Oscar ("Bestes Drehbuch" für "Midnight in Paris") nicht persönlich entgegen.

Sarah Stendel

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