Oprah Winfrey: Eine Reise mit Nachspiel

Sie fuhr nach Zürich, um Tina Turners Hochzeit zu feiern. Mit Rassismus-Vorwürfen kehrte Oprah Winfrey zurück in die USA

Wenn Oprah Winfrey in diesen Tagen den Vorfall schildert, etwa bei Larry King auf CNN oder bei "Entertainment Tonight" auf CBS, dann weiß sie, dass sie ihr Publikums schockiert. Mit ernster Miene und großer Geste erzählt sie dann, wie ihr kürzlich in Zürich der Kauf einer teuren Handtasche von Tom Ford verweigert wurde. "Ich will Sie nicht verletzen, aber die können Sie sich nicht leisten", habe ihr die Angestellte erklärt und ihr Alternativen präsentiert, anstatt auch nach mehrmaligem Bitten die 35.000 Franken teure Krokoleder-Tasche aus dem Regal zu holen. "Hässlicher, subtiler Rassismus sei das", so Winfrey, 59.

Es ist das unschöne Nachspiel einer Reise, die doch einen so schönen Anlass hatte: Winfrey feierte in Zürich die Hochzeit ihrer guten Freundin Tina Turner, 73. Zu Gast auf der Party auch: Trudie Götz. Die Schweizer Modekönigin ist Herrin von über 30 "Trois Pommes"-Boutiquen. In der Filiale auf der Zürcher Bahnhofstraße ereignete sich der Zwischenfall am Tag vor der Hochzeit. Tina Turner muss nun, kaum aus dem Honeymoon mit Erwin Bach zurückgekehrt, den bösen Streit schlichten.

Oprah Winfrey ist mit Tina Turner und Erwin Bach so gut befreundet, dass sie mit in die Flitterwochen nach Frankreich reiste.

Der Sängerin wird es nicht leicht fallen, zwischen den beiden Damen Harmonie herzustellen. Zu unterschiedlich sind die Darstellungen, zu groß ist das Interesse dies- und jenseits des Atlantiks: Ob "New York Post" oder "The Evening Standard", die amerikanischen Medien thematisieren den Vorfall als fremdenfeindliche Attacke. Und die sonst so gesetzten Schweizer? Kaum wurde die Anklage der TV-Milliardärin bekannt, ging eine Welle der Entschuldigung durch die Alpenrepublik, unter anderem vom Verband "Schweiz Tourismus" und von der Vereinigung "Zürcher Bahnhofstrasse".

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Gut gemeinte Beschwichtigungen waren das. Aber auch voreilige Parteinahmen. Hört man Trudie Götz zu und der betroffenen Verkäuferin, einer Italienerin, hat sich alles doch ganz anders zugetragen: Zwar bedauerte Götz den Vorfall in einem Interview mit der Schweizer Tageszeitung "blick", stellte sich aber voll hinter ihre Mitarbeiterin. "Ein großes Missverständnis", so die Society-Lady. Die Verkäuferin habe lediglich beraten wollen und vielleicht nicht so gut Englisch gesprochen. Adriana, so der Name der Mitarbeiterin, die ebenfalls ein Exklusiv-Interview gab, aber anonym bleiben will, könne nicht mehr schlafen und beteuert, dass alles ganz anders war: "Das ist absurd, so was würde ich nie sagen. Gute Manieren sind das A und O in diesem Geschäft", so die studierte Modedesignerin, die Tag für Tag internationale Kundinnen bedient, auch in der St. Moritzer Dependance von Trudie Götz. Ja, was denn nun, möchte man fragen. Doch keine der Beteiligten rückt von ihrer Darstellung ab. Und vielleicht gibt es in diesem Fall ja auch zwei Wahrheiten, oder besser: Wahrnehmungen.

In die Offensive: Ging Modeunternehmerin Trudie Götz nach den Vorwürfen von Oprah Winfrey. Sie gab dem "blick" Interviews und ließ sich in einer ihrer "Trois Pommes"-Boutiquen mit Taschen fotografieren. Ein ähnliches Modell von Tom Ford wollte Winfrey kaufen.

Dass Oprah Winfrey über Diskriminierung klagt, passiert nicht zum ersten Mal. Schon vor einigen Jahren beschwerte sie sich im US-Fernsehen nach der Rückkehr aus Frankreich über einen rassistischen Zwischenfall. Damals, so erzählte sie, habe sie in Paris bei einer Hermès-Boutique angeklopft und sei nicht hereingelassen worden. Was sie unterschlug: Sie kam eine Viertelstunde nach Ladenschluss, und die Angestellten waren gerade dabei, einen abendlichen Event vorzubereiten. Während die verwöhnte VIP hier vielleicht eine bevorzugte Behandlung erwartete, stellt sich ein anderer Vorfall in New York ernster dar: Dort ließ man sie nicht in einen T-Shirt-Laden, weil dieser am Tag zuvor von schwarzen Kriminellen überfallen worden war. Zwei Situationen, die das aktuelle "Täschligate" in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Bei vielen Afro-Amerikanern sitzt das Trauma der Kindheit tief, als minderwertig zu gelten und deshalb benachteiligt zu sein. Vielleicht gilt das auch für Oprah Winfrey – obwohl die Talk-Queen, der Barack Obama in diesem Jahr die US-Friedensmedaille verleihen wird, es heute geschafft hat, als Amerikas mächtigste Frau gilt, 2,7 Milliarden Dollar schwer und gesellschaftlich angesehen ist.

Auch wenn Trudie Götz, die sich von der Verkäuferin zur vermögenden Unternehmerin hochgearbeitet hat, und ihre Kette in der Schweiz einen guten Ruf genießen, sind die Internet-Foren in den Tagen nach Winfreys Vorwürfen voll mit Erzählungen von enttäuschten Kunden, die den Angestellten der Luxus-Boutiquen Arroganz vorwerfen und peinliche Szenen schildern.

Dass die Verkäuferin Oprah Winfrey von oben herab behandelt hat, halten Kunden der noblen Zürcher Bahnhofstraße durchaus für möglich.

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