Olivia Jones: Eine Frau will nach oben

Alle lieben Olivia Jones, die "Muddi" aus dem Dschungelcamp. Wie hat sie das nur geschafft? "Gala" forschte in ihrer niedersächsischen Heimat nach

Was Angela Merkel mit politischen Finten schaffte, gelingt Olivia Jones mit witzig-piksigen Lästereien: die Frau an der Spitze zu sein. Die Travestie-Künstlerin begeistert derzeit Deutschland - sogar all jene, die vor dem Start von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" hinter einer Drag-Queen die Regentin eines fernen Zwergenstaates oder vielleicht einen Abkömmling von Graf Dracula vermutet hätten. Auch das Feuilleton ist begeistert: Der "Spiegel" beschreibt Olivia Jones ungewohnt euphorisch als "witzig und weise". Und Ulf Poschardt feiert sie in einem Leitartikel in der "Welt am Sonntag". Wer hätte das gedacht!?

Dschungelcamp-Muddi trifft CDU-Mutti: Olivia Jones, 43, und Angela Merkel lernten sich beim ZDF- Sommertreff kennen.

Geschickt befeuert Olivia Jones, die selbst ernannte "Bürgermeisterin von St. Pauli", den Hype um sich. Gerade plauderte sie mit Daniela Katzenbergers Mutter, Iris Klein, über Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Der verklagt sie jetzt zwar - aber was stört ein kleines Verfahren, wenn man alle Sympathien und die ganz große Aufmerksamkeit auf seiner Seite hat? Vielen scheint die Kunstfigur sogar die ideale zukünftige Ergänzung zu Moderatorin Sonja Zietlow, der ein bunter Sidekick nach dem schmerzlich vermissten Dirk Bach gut stünde.

Elena Carrière

Über die besondere Beziehung zu Papa Mathieu Carrière

Elena Carrière und Mathieu Carrière
Elena Carrière war gerade einmal 14 Jahre alt, als ihr Vater Mathieu Carrière ins RTL-Dschungelcamp zog. Das Model wurde erst fünf Jahre später durch ihre Teilnahme bei "Germany’s Next Topmodel" bekannt.
©Gala

Olivia Jones, vor der Urwald-Episode nur eine von vielen Prominenten in Hamburg, kann jedenfalls erhobenen Hauptes und in jedem Fall als Siegerin über die Hängebrücke nach draußen stolzieren. Dass sie sich überhaupt so lange in einem unkomfortablen Matratzenlager einsperren ließ, mag ihrem Ehrgeiz und dem persönlichen Karriere-Masterplan geschuldet sein. Olivias eigentlichem Naturell entspricht das Dschungelgefängnis jedenfalls nicht: Schon als kleiner Junge sehnte Oliver Knöbel, so Olivias Geburtsname, sich nach nichts mehr als nach der großen Freiheit. Aus dem kleinstädtischen Springe bei Hannover wollte er so bald wie möglich den Absprung schaffen: "Oliver war immer klar, dass er mal ein Star wird. Die Schule hat er überhaupt nicht ernst genommen", sagt eine ehemalige Klassenkameradin im Gespräch mit "Gala". Deshalb flog er von der Geschwister-Scholl-Realschule, landete auf der Hauptschule.

Dschungelcamp 2013

Im Urwald sind die Promis los

Sonja Zietlow und Daniel Hartwich krönen Joey Heindle zum neuen Dschungelkönig. Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html
Die Überraschung ist gelungen: überglücklich umarmt Joey seine Freundin Jacky. Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html
Der letzte Verbliebene im Camp - Joey Heindle ist der neue Dschungelkönig. Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html
Nach ihren Dschungelprüfungen genießen Joey, Claude und Olivia am Abend ihr Luxus-Dinner. Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html

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Ärger zu Hause musste der Junge deshalb nicht befürchten: Mutter Evelin, heute noch Olivias beste Freundin, vergötterte ihr einziges Kind. Jeden Tag fuhr die vermögende Gastwirtstochter mit der Modelausstrahlung ihren Augapfel im Mercedes zur Schule. Nachmittags wartete in der Knöbel'schen Villa nahe des Waldes ein eigenes Schwimmbad auf Oliver. Und wenn er mal wieder beim Rektor vorsprechen musste, weil er in Frauenkleidern zum Unterricht erschienen war, kreuzte einfach die attraktive Mama auf und bezirzte den Schulleiter. Evelin und Olivia sind heute noch ein unschlagbares Duo: Häufig sieht man die beiden bei Events, oder sie buchen gemeinsame Ayurveda-Kuren zur Reinigung von Körper und Geist.

Das enge Verhältnis von Mutter und Sohn begründete sich auch im frühen, buchstäblichen, Abflug des Vaters - dem Millionenbetrüger Gerhard Knöbel. Seinem Vorgesetzten bei der Norddeutschen Landesbank hatte "Gerdchen", wie ihn in Springe alle nannten, 1983 eine Anweisung in Höhe von 1,9 Millionen Mark zur Unterschrift untergejubelt. Mit dem Geld verduftete er samt einem Komplizen gen Rio de Janeiro. Das Duo wurde wenige Tage später gefasst. Ein Super-GAU für Knöbels Ex-Frau (das Paar war bereits geschieden, als der Betrug passiert) und den damals 13-jährigen Oliver. Der Vater im Knast, das Getuschel in Springe, das einfach nicht verstummen wollte - eine schwere Hypothek für einen Pubertierenden. Wohl auch deshalb kümmert sich Olivia Jones heute als "Dschungel-Muddi" (oder "Vaddi") so erstaunlich fürsorglich um "Ausgestoßene", hat neben den üblichen Lästereien stets ein paar tröstende Worte parat. Wie es sich anfühlt, der Outsider zu sein, weiß sie schließlich selbst am besten.

Olivia Jones mit ihrer Mutter Evelin Roth, geschiedene Knöbel. Der Vater verließ die Familie, als Oliver sieben Jahre alt war.

Als Teenie hielt Oliver nichts mehr in der Kleinstadt. "Wir hatten damals zwei kleine Discos in Springe - aber da war er nie. Er ist immer nach Hannover gefahren und manchmal sogar nach London geflogen", erzählt ein früherer Kumpel, der mit ihm in der zehnten Klasse die Schulbank drückte, gegenüber "Gala". Ein bunter Vogel war Oliver zu der Zeit übrigens noch nicht. Er trug den sogenannten Waver-Look, meist ein schwarzes Sakko zu schwarzer Hose, dazu lange blonde (Echt)-Haare.

Das offene Bekenntnis zum Schwulsein und zu dem Beruf der Drag-Queen wurde von seinem Umfeld anfangs nicht so locker aufgenommen, wie es heute den Anschein haben mag. "Seiner Mutter war es gelegentlich schon ein bisschen peinlich", sagt die Ex-Travestie-Künstlerin und Modedesignerin Jean Rogers, mit der Olivia Jones mehrere Jahre liiert war und heute gut befreundet ist. Für sie beide als Paar sei das Leben selbst im weltoffenen Hamburg nicht einfach gewesen: "Natürlich haben Olivia und ich einige unangenehme Situationen erlebt. Bei McDonald’s sind wir einmal von Gästen mit Steinchen aus den Blumentöpfen beworfen worden. Das Personal tat überhaupt nichts, sammelte nur schweigend die Steinchen auf." Sehr mutig sei Olivia, findet Jean Rogers. Schließlich wusste im Vorfeld des Dschungelcamps niemand, dass Fernseh-Deutschland so positiv auf die schrille Drag-Queen reagieren würde. Bis auf Olivia selbst. Ihre letzten Worte vor dem Einzug ins Camp: "Wenn ich da schon hingehe, ziehe ich das volle Programm durch."

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