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GALA erklärt den Nobelpreis Alfred Nobels letzter Wille und die Rolle der schwedischen Royals

König Carl Gustaf verleiht jährlich den Nobelpreis in Stockholm.
König Carl Gustaf verleiht jährlich den Nobelpreis in Stockholm.
© Getty Images
Am 10. Dezember ist es wieder so weit: In Stockholm wird der Nobelpreis vergeben. GALA erklärt, was der Gründer des Preises, Alfred Nobel, testamentarisch festhielt, wie lange es den Preis schon gibt und was die schwedische Königsfamilie für eine Rolle spielt

Den Nobelpreis verliehen zu bekommen ist für viele Forscherinnen und Forscher ein Lebenstraum. Denn hinter dem geschichtsträchtigen Preis steckt nicht nur ein Fördergeld, sondern vor allem die Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen. Eine besondere Art der Honorierung, die auf den Forscher Alfred Nobel zurückgeht. Der 1833 geborene Schwede ist nicht nur als Namensgeber des Preises bekannt, sondern machte sich vor allem als Erfinder des Dynamits einen Namen.

Alfred Nobel absolvierte seine Ausbildung in St. Petersburg und Paris

Alfred Nobel wurde am 21. Oktober 1833 als dritter von vier Söhnen des Ingenieurs und Industriellen Immanuel Nobel und seiner Ehefrau Karolina Andriette Ahlsell in Stockholm geboren und wuchs in einer gut situierten Familie auf. Seine Chemieausbildung absolvierte Nobel in St. Petersburg und Paris, wurde dort von Privatlehrern unterrichtet. Ab dem Jahre 1859 befasste er sich ausgiebig mit Sprengstoffen. Eine Passion, die zwar im Bereich der Wissenschaft Erfolg hatte, familiär aber zu einem großen Unglück führte: 1864 tötete eine unkontrollierte Explosion in der Familien-Fabrik Alfred Nobels jüngsten Bruder Emil sowie vier weitere Angestellte.

Nobel erhielt 355 Patente

Trotz der privaten Trauer wurde Nobels Forschergeist nicht eingedämmt – neben seiner wohl bekanntesten Entdeckung, die des Dynamits, wurden ihm im Laufe seines Lebens 355 Patente verliehen. Zudem war er im Besitz von rund 90 Dynamit-Fabriken auf der ganzen Welt.

Goldmünze mit dem Konterfei von Alfred Nobel. 
Goldmünze mit dem Konterfei von Alfred Nobel. 
© Getty Images

Kinder hatte Alfred Nobel keine, weshalb er nach seinem Ableben sein Geld dem „Nobel Fond“ vermachte. Sein klar formuliertes Ziel: die Wissenschaft weiter vorantreiben. Dafür investierte der Schwede fast sein gesamtes Vermögen in die neu zu gründende Stiftung. Die Testamentsvollstrecker, zwei junge Ingenieure namens Ragnar Sohlman und Rudolf Lilljequist, kamen diesem Wunsch nach und gründeten nach seinem Tod am 10. Dezember 1896 die „Nobel Foundation“.

Erster Nobelpreis wurde 1901 verliehen

Alfred Nobels Testament wurde 2015 im Zuge der Ausstellung "Legacy" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Alfred Nobels Testament wurde 2015 im Zuge der Ausstellung "Legacy" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
© Getty Images

Nobels Bestreben, einen Preis für besondere wissenschaftliche Leistung ins Leben zu rufen, kam die Foundation im Jahre 1901 zum ersten Mal nach. In seinem Testament formulierte Nobel die Organisation des Preises wie folgt: „[...] Das Kapital, von den Testamentvollstreckern in sicheren Wertpapieren realisiert, soll einen Fond bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben. [...]“ Im Zuge dessen bestimmte Nobel, dass der Preis in fünf Kategorien verliehen werden solle: Chemie, Medizin, Physik, Literatur und Friedensbemühungen. Das besagte Testament, das die Nobel Foundation in Teilen veröffentlichte, wurde im November 1985 in Paris von Alfred Nobel unterzeichnet. Sehr zum Missfallen seiner Familie, die die Finanzierung des Preises zu verhindern versuchte.

Wilhelm Conrad Röntgen bekam den ersten Physik-Nobelpreis 

Mit wenig Erfolg: An Nobels fünftem Todestag, dem 10. Dezember 1901, wurde die Auszeichnung erstmals an sechs Preisträger vergeben. Den ersten Nobelpreis für Physik erhielt Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923), dessen nach ihm benannte Röntgenstrahlen noch heute in der Medizin in Gebrauch sind. Als erste Frau erhielt Marie Curie (1867-1934) im Jahre 1903 einen Nobelpreis. Sie ist eine der vier Personen, die mehr als einen Nobelpreis für ihre Forschung erhielten. Zudem gelang es ihr als eine von zwei Preisträgern eine Auszeichnung in zwei Gebieten zu erhalten.

König Carl Gustaf überreicht die Preise in Stockholm

Obwohl der Nobelpreis nun seit fast 120 Jahren jährlich vergeben wird, ist die Preisverleihung noch immer eine der wichtigsten der Welt und wird mit einer mehrtägigen Veranstaltung begangen. Der wohl glamouröseste Teil: das Nobelpreis-Bankett mit der schwedischen Königsfamilie. Momentan vergibt Schwedens König Carl Gustaf die Preise an die Geehrten und überreicht in Stockholms Konzerthaus die Urkunden. Auch der Rest der Königsfamilie ist während des Banketts anwesend und speist zusammen mit der Nobel-Gesellschaft.

Der schwedische König Carl Gustaf wird auch in diesem Jahr wieder die Nobelpreise in Stockholm vergeben. Eine Aufgabe, die Prinzessin Victoria irgendwann von ihm erben wird. 
Der schwedische König Carl Gustaf wird auch in diesem Jahr wieder die Nobelpreise in Stockholm vergeben. Eine Aufgabe, die Prinzessin Victoria irgendwann von ihm erben wird. 
© Getty Images

Allerdings darf Schwedens König oder Königin – irgendwann wird Prinzessin Victoria diese Ehre zuteil – nur vier Nobelpreis-Kategorien ehren. Die fünfte, der Friedensnobelpreis, wird im gleichen Zeitraum im Rathaus in Oslo vergeben. Auch dieses Prozedere wurde von Nobel selbst testamentarisch festgelegt. Warum er sich im Bereich Friedensbemühungen für Norwegen entschied, ist nicht bekannt.

Nobelpreis hat internationalen Charakter

Die Aufspaltung der Vergabe passt allerdings zu Nobels internationalem Gedanken hinter der Veranstaltung. In seinem letzten Willen formulierte er den Wunsch, dass Nationalität in der Preisvergabe zweitrangig sein soll: "Es ist mein ausdrücklicher Wille, dass bei der Preisverteilung keinerlei Rücksicht auf die Nationalität genommen werden darf, so dass nur der Würdigste den Preis erhält, ob er nun Skandinavier ist oder nicht."

Skandal um den Literaturnobelpreis

Trotz aller Ehrwürdigkeit gab es in 2017 eine Menge Kritik an der Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Der Grund: Der Ehemann des Akademiemitglieds Katarina Frostenson, Jean-Claude Arnault, soll über mehrere Jahre etwa 18 Frauen sexuell belästigt und missbraucht haben. Arnault ist der Betreiber eines Kulturforums, das unter anderem von der Akademie finanziert wird. Die Folge des Skandals war nicht nur die Verurteilung Arnaults zu zwei Jahren Haft, sondern auch eine Vielzahl von Rücktritten, sodass die Akademie nicht mehr beschlussfähig war. Auf Basis dieser Entwicklung, und weil sich auch König Carl-Gustaf bezüglich der Entschlussfähigkeit besorgt zeigte, wurde bereits im Oktober 2018 entschieden, dass es in diesem Jahr keine Verleihung des Literaturnobelpreises geben wird. Als Kompromiss sollen 2019 zwei Preise vergeben werden

Prinzessin Madeleine

Verwendete Quellen:Nobelprize.org, Spiegel, ARD, Stuttgarter Nachrichten, WhoisWho, Kungahuset, Zeit

Gala

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