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Nino de Angelo "Mein Leben war kein Kuschelkurs"

Nino de Angelo
Nino de Angelo
© imago images
Nino de Angelo spricht im exklusiven GALA-Interview über Erfolge und Fehler – und warum er jetzt zum fünften Mal heiraten will.

Er war ganz oben – und stürzte ins Bodenlose. In den Achtziger­jahren wurde Nino de Angelo, 57, als Schlagerstar gefeiert. Doch als nach seinem Superhit "Jenseits von Eden" ähnliche Erfolge ausblieben, folgten eine Privatinsolvenz, vier gescheiterte Ehen und zahlreiche Eskapaden. In­ zwischen lebt er mit seiner Partnerin im Allgäu, er hat sein ganzes Leben umgekrempelt. Auch musikalisch versucht der Mann mit der Ausnahme­ stimme einen Neuanfang. Statt ge­fühlvoller Schlager singt er nun harten Rock. Er findet, das passt besser zu seinem Leben.

Nino de Angelo: Seine Tochter gab ihm Kraft

GALA: Auf welche Schlagzeile hätten Sie gerne verzichtet?
Nino de Angelo: Es gibt viele Dinge, auf die ich nicht stolz bin. Alkoholisiert Auto fahren gehört dazu. Gott sei Dank ist dabei nichts passiert.

Was waren das für Momente, in denen Sie zu tief ins Glas geschaut haben?
Das waren meist Momente, an denen ich am Boden war, weil es privat gerade schlecht lief. Ich habe mich dann ein­fach treiben lassen und gehofft, dass diese Phase irgendwann vorbeigeht. Ich bin das, was man als labil bezeichnet.

Wenn ich leide, dann wie ein Hund.

Wer war in diesen Momenten für Sie da?
Meine Tochter Louisa. Wenn ich völlig am Ende war und daran gedacht habe aufzugeben, dann ist sie mir erschienen. Dann hatte ich meine Tochter vor Augen. Das hat mir Kraft gegeben, wieder aufzustehen.

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Haben Sie sich professionelle Hilfe geholt?
Ich war schon bei vier Psychologen, das erste Mal mit 30. Auch Familien­aufstellung habe ich probiert. Und ich habe mich sehr mit dem Borderline­-Syndrom beschäftigt, zu dem ich neige. Das alles hat mir geholfen, zu überleben.

Sein Glaube an sich selbst half ihm 

Angefangen hat alles mit Ihrem Riesenhit "Jenseits von Eden". Kam der Erfolg damals zu früh?
Der Song war zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, sonst wäre er nicht so durch die Decke gegangen. Für mich persönlich hätte es aber ruhig etwas langsamer losgehen können. Andererseits hatte ich mit 20 von heute auf morgen ausgesorgt.

Alle haben mich bewundert, und ich habe dann natürlich auch ordentlich auf die Kacke gehauen.

Ihr neues Album heißt bezeichnenderweise "Gesegnet und verflucht".
Richtig, weil das der Lauf meines Lebens ist. Gesegnet mit dem Talent, so singen zu können. Und auf der anderen Seite die Exzesse. Momente, in denen mir alles egal war.

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Sie lagen oft am Boden. Woher nehmen Sie Ihre Stehauf-Mentalität?
Als ich mit 14 erzählt habe, dass ich Sänger werden will, haben mich alle ausgelacht. Aber ich wusste schon damals, was ich kann. Diesen uner­schütterlichen Glauben an mich selbst habe ich mir bewahrt. Mein Leben war kein Kuschelkurs, sondern knallhart. Aber ich habe große Nehmerqualitäten.

Freundin Simone ist für ihn ein Segen

Seit knapp drei Jahren ist Ihre Partnerin Simone Ihre größte Stütze.
Simone ist ein Segen! Ich bin sehr glücklich mit ihr. Vor allem lässt sie mich verrückt sein und schraubt nicht an mir herum.

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Mittlerweile sind Sie verlobt. Wann läuten die Hochzeitsglocken?
Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr heiraten. Das ging aber natürlich nicht wegen der Pandemie. Spätestens 2022 wollen wir das nachholen.

Es wäre Ihre fünfte Hochzeit. Warum ist Ihnen die Ehe so wichtig?
Es ist ein Statement: "Mit dir will ich den Rest meines Lebens verbringen." Aus meinem Mund klingt das vielleicht etwas blöd. Und auf dem Standesamt fragen die sich wahrscheinlich auch: "Was will der denn schon wieder hier?" 

Aber ich glaube einfach an die Liebe.

Woran sind Ihre vier Ehen gescheitert?
Mit dreien meiner vier Ex-­Frauen war ich vor der Hochzeit nur rund ein Jahr zusammen – das war zu wenig. Man muss seine Beziehung auf Herz und Nieren prüfen, mindestens drei Jahre lang. Mit der rosaroten Brille erzählt man jeden Schwachsinn.

Für Simone sind Sie mittlerweile von Hamburg ins Allgäu gezogen.
Und das tut mir richtig gut, vor allem die Ruhe. In Italien sagt man: "Der Wolf verliert zwar sein Fell, aber nicht seine Gewohnheiten." In der Großstadt bin ich zu schnell abgelenkt. Das Dorfleben hier ist auch ein Schutz vor mir selbst.

Nino de Angelo: Ich habe für drei gelebt

Vor vier Jahren wurden Sie am Herzen operiert. Kurz darauf bekamen Sie dann die Diagnose COPD, das ist eine unheilbare Lungenkrankheit. Wie geht es Ihnen heute?
Vor drei Monaten war ich zuletzt beim Arzt. Der Zustand meiner Lunge hat sich nicht deutlich verschlechtert. Wegen meiner Kurzatmigkeit kann ich aber nicht mehr joggen. Dafür klappt das Singen – da habe ich mir eine Technik zurechtgelegt. Ich muss nur nach jedem Song eine kurze Pause machen und was erzählen.

Denken Sie gelegentlich an den Tod?
Manchmal schon. Ich habe schließlich für drei gelebt. Aber dann denke ich mir: Mach so lange weiter, wie’s geht.

Ich bin froh, wenn ich in fünf Jahren noch lebe.

Haben Sie eine Liste mit Dingen, die sie noch erledigen wollen?
Ich wollte noch mal einen raushauen – das war mein Wunsch, den ich mir jetzt mit meinem neuen Album erfülle. Damit da nicht nur "Jenseits von Eden" steht. Von mir aus kann alles dazwi­schen gelöscht werden. Aber diese zwei Pfeiler waren mir wichtig.

Tim Sönder Gala

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