VG-Wort Pixel

Nikeata Thompson, Aminata Belli, Langston Uibel Ihr Kampf gegen Rassismus

Nikeata Thompson
Nikeata Thompson
© Marlen Stahlhuth Photography / @lenipaperboats
Ein Zeichen gegen Rassismus setzen - dafür machen sich Choreografin Nikeata Thompson, Moderatorin Aminata Belli und Schauspieler Langston Uibel stark, auch über soziale Medien. 

Bis zum 29. März gehen die internationalen Wochen gegen Rassismus. Wochen, in denen der stetige Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit besonders in den Fokus gerückt werden soll. Denn Anschläge wie jene in Hanau am 19. Februar, bei dem ein Mann zehn Menschen in einer Shishabar erschossen hat, zeigen, dass rassistisches Gedankengut noch immer in den Köpfen mancher Menschen verankert ist.

"Gesicht zeigen - Stimme erheben"

In diesem Jahr stehen die Wochen gegen Rassismus unter dem Motto "Gesicht zeigen - Stimme erheben". Genau das tun auch Nikeata Thompson, Aminata Belli und Langston Uibel - unter anderem über soziale Plattformen wie Instagram. 

Nikeata Thompson

Nikeata Thompson, 39, ist gebürtige Engländerin, mit sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihre Wurzeln liegen in Jamaika. Als Tänzerin und Choreografin hat sie sich einen Namen gemacht. Bei "Germany's Next Topmodel" bringt sie den Nachwuchsmodels den richtigen Walk für den Laufsteg bei, suchte in der Castingshow "Got to Dance" mit Palina Rojinski, 34, nach Deutschlands neuem Tanztalent und stand mit Künstlern wie Lena Meyer-Landrut, 28,  Seeed und Jan Delay, 44, auf der Bühne. 

Nikeata Thompson
Nikeata Thompson
© Marlen Stahlhuth Photography / @lenipaperboats

Und ihre Energie und Power teilt sie auch mit ihren 135.000 Followern auf Instagram. Auf ihrem Profil teilt sie privates, berufliches, gesellschaftliches. Es geht um Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Female Black Power. "Instagram ist eine Plattform, bei der man ungefiltert alles teilen kann, was einen persönlich beschäftigt. Rassismus war leider immer ein Begleiter in meinem Leben und Instagram bietet mir die Möglichkeit, dies auch teilen zu können. Egal wann und egal wie", erzählt sie GALA. Ihr persönliches Motto lautet: "Jamaican heart, British style, German education".

Für sie ist Instagram kein Ort, an dem es nur Platz für oberflächliches gibt. Auch ernsthafte Themen wie ihr Engagement gegen Rassismus finden dort Gehör. "Ich glaube nicht, dass die Menschen nur das Perfekte sehen möchten, sondern auch das echte Leben. Authentizität ist wichtig!", ist sich Nikeata sicher. Und das zeigen ihr auch ihre Follower: "Die Resonanz und die Reaktionen, die ich auf persönlichen Inhalt und ehrliche Statements erhalte, ist immer wieder überwältigend." 

Instagram kann jedoch nicht nur dazu beitragen, Rassismus den Kampf anzusagen. Auch die Schattenseite der ungefilterten Plattform sieht die Choreografin und fordert Instagram auf, mehr dagegen anzugehen: "Social Media ermöglicht mir genauso meine Meinung kundzutun, wie auch Menschen, die rassistisches Gedankengut verbreiten wollen und diese Plattform somit für Propaganda und Hass missbrauchen. Viele Menschen können sich hinter Fake Profilen und der Anonymität des Internets verstecken, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Ich denke auch, Instagram sollte Verantwortung übernehmen und versuchen, Fehlinformationen, rassistische Hetze und Mobbing so gut es geht zu unterbinden." 

Unter ihren Posts wird auch Nikeata mit rassistischen und verletzenden Kommentaren konfrontiert, aber auch offline musste sie Erfahrungen mit Anfeindungen machen. Damit geht sie offen um, teilt sie mit ihrer Community, denn darüber zu sprechen, ist ihr wichtig: "Wenn Menschen sich solche Kommentare schon im echten Leben zutrauen, dann trauen sie sich das um ein Mehrfaches hinter dem Deckmantel des Internets. Mann muss mich nicht mögen, aber kein Mensch sollte wegen seines Erscheinungsbildes mit Hass konfrontiert werden. Ich wehre mich und ich spreche viel darüber". 

Aminata Belli

Im Februar hatte ein Gericht entschieden: In einem deutschen Parlament darf unter bestimmten Umständen das Wort "Neger" verwendet werden. Das hat eine Welle von Protesten ausgelöst. Das N-Wort ist diskriminierend und gehört verboten - dafür setzt sich auch Aminata Belli ein. 

Aminata Belli
Aminata Belli
© Getty Images

Aminata ist 28 Jahre alt, arbeitet als Moderatorin und Reporterin unter anderem für MTV, ZDF und Funk. Über ihren Instagram-Account berichtet Aminata immer wieder über  Situationen, die ihr selbst widerfahren sind: Anfeindungen, Beleidigungen – Diskriminierungen aufgrund ihrer Hautfarbe. 

Seit 2012 ist Aminata auf Instagram aktiv. Als studierte Modejournalistin hat sie anfangs hauptsächlich Fashionfotos gepostet, schnell ihre Reichweite aber auch zum Aufzeigen von Missständen genutzt. "Durch Instagram habe ich auch die Möglichkeit, eine Community aufzubauen", erzählt sie gegenüber GALA. Ihrer Community zeigt sie jetzt einen bunten Mix aus Fashionshoots, ihrer Arbeit als Reporterin und Moderatorin, von Demos, Leseempfehlungen und ehrlichen Statements: "Die meisten wissen, was sie bei mit bekommen und was nicht". 

Dabei wird Aminata immer wieder selber mit rassistischen Kommentaren konfrontiert. Doch damit hat sie einen für sie richtigen Umgang gefunden: "Ich ignoriere sie oder poste sie direkt in meiner Story, damit alle sie sehen. Leute sind oft empört und wussten gar nicht, dass schwarze Menschen sich 'so etwas' heutzutage noch anhören müssen. Das hilft am Ende des Tages also auch beim Kampf gegen Rassismus, beziehungsweise für mehr Verständnis."

Ihr Appell an ihre 56.000 Follower: Jeder kann etwas dagegen tun: "Du kannst  Leuten wie zum Beispiel @ffbae folgen, du kannst Petitionen wie change.org/rassismus teilen, du kannst liken, kommentieren, aufklären, hinweisen und das vor allem bei Leuten, die du selber kennst." Und das über Instagram hinaus: "Wenn dein Onkel, Klassenkamerad oder deine beste Freundin etwas Problematisches sagt oder postet, dann sprich es direkt an und erkläre das Problem daran."

Langston Uibel  

Langston Uibel ist 22 Jahre alt, in London geboren und 2006 nach Berlin gezogen. Mit seinen Rollen im Film "High Society" und in der Serie "Dogs of Berlin" feierte er seine ersten schauspielerischen Erfolge. Zuletzt stand er für die Serie "Unorthodox" (seit 26. März auf Netflix) vor der Kamera.  

Langston Uibel 
© Getty Images

Auf Instagram lässt er an seinem Leben teilhaben, postet von seinen neuen Filmprojekten und seinem Engagement für die Repräsentation für People of Color in der Medienwelt. Für ihn aber zählt vor allem auch das Engagement über die Oberfläche von Instagram hinaus. "Im Endeffekt ist der Kampf gegen Rassismus auch ein Kampf gegen Sturheit und Bequemlichkeit. Ich glaube, dass Instagram nicht der optimalste Ort ist, um diesen Kampf zu gewinnen. Es ist aber cool und wichtig, dass Freunde wie Aminata ihre Plattform nutzen, um über das Thema zu sprechen, damit auch einen Austausch ermöglichen und Menschen über ihre Rassismus-Erfahrungen sprechen können", erzählt er im Interview. 

Durch den Anschlag in Hanau sei ihm bewusst geworden, wie groß das Problem mit rechter Gewalt und völkischem Gedankengut in Deutschland sei: "Man muss erkennen und verstehen, dass Rassismus ein Erbe der Geschichte ist, das zutiefst in den Strukturen unserer Gesellschaft verankert ist. Dieses Anerkennen ist der erste Schritt und der fällt vielen leider immer noch sehr schwer". 

Auch er persönlich wird mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert. Weniger im Netz, mehr im Alltag: "Ich glaube, ich habe mehr Erfahrung mit Rassismus im Alltag. Ich sehe aber so viel Hass unter den Beiträgen von Bekannten wie zum Beispiel Sawsan Chebli (Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund  - Anm. d. R.). Das zeigt ja nur, wie schlimm die Situation ist und das überträgt sich auch in das echte Leben". 

An alle - egal, ob online oder offline - appelliert er: "Wenn ihr Zeuge von Rassismus werdet, macht bitte etwas, sagt etwas. Denn ich finde es kommt oft zu kurz, worum es eigentlich in dieser ganzen Situation geht, nämlich wie es sich für Menschen anfühlt, Opfer von Rassismus zu werden. Das Gefühl wünsche ich wirklich niemanden."

Verwendete Quellen:Eigene Interviews, Instagram 

luho Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken