VG-Wort Pixel

Lothar Matthäus "Die haben viele Flausen im Kopf"

Lothar Matthäus.
Lothar Matthäus.
© DeFodi Images / Getty Images
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus erklärt, warum er nun die Kleinsten trainiert – auch seinen eigenen Sohn.

Er ist Welt- und Europameister, wurde zum "Weltfußballer des Jahres" gewählt, hat Nationalteams trainiert und arbeitet als RTL- und Sky-Experte: Lothar Matthäus, der Superstar! Jetzt hat der 61-Jährige eine neue Aufgabe – Coach der E-Jugend des TSV Grünwald nahe München. Auch sein Sohn Milan, 8, spielt dort.

GALA: Herzlichen Glückwunsch! Ihre Mannschaft hat gerade 8:2 gewonnen. 

Lothar Matthäus(lacht) Danke! Aber es geht nicht allein ums Gewinnen, sondern um die Entwicklung der Kinder. Der Fußball hat mir viel gegeben, und auf diese Art kann ich jetzt etwas zurückgeben.

Wie kamen Sie zum neuen Job?

Der alte Trainer hat aufgehört, da habe ich mich bereiterklärt, die große Verantwortung für die kleinen Jungs zu übernehmen.

Wie oft stehen Sie auf dem Platz?

Die Jungs trainieren zwei Mal pro Woche. Man darf die Kinder nicht überfordern, sie haben ja schulische Verpflichtungen oder sind auch mal zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Und viele haben noch ein zweites Hobby – Milan spielt auch noch Tennis.

Worauf müssen Sie bei den Achtjährigen besonders achten?

Die haben natürlich noch ganz schön Flausen im Kopf. Was mich sehr gewundert hat: Einige können sich noch nicht selbst die Schuhe zubinden. Das müssen die Mütter ihnen jetzt beibringen. Es kann nicht jeder, der den Schuh offen hat, zum Trainer laufen und sagen: "Binde mir den mal zu!"

Was ist Ihre Motivation als Nachwuchs-Trainer?

Ich habe Spaß dabei und glaube, etwas Gutes zu tun. Ich versuche, ihnen die Werte zu vermitteln, die der Fußball mitbringt – und dass es ein Miteinander ist. Ich denke, das kann ich gut, weil ich ja einen dieser Spieler 24 Stunden bei mir zu Hause habe. (lacht) Die Kids wissen, dass ich nicht nur ihr Trainer bin, sondern auch ihr Freund. Alle haben einen Traum, wollen besser werden und Tore schießen.

Sind Sie ein harter Trainer? Wenn sich ein Kind wehgetan hat, darf es dann zu Mama oder Papa laufen?

Wenn ein Kind in der Schule ein Problem hat, darf es ja auch nicht nach Hause laufen. Das sollten wir unter uns in der Mannschaft klären. Wir müssen Vertrauen zueinander haben. Und mit Verletzungen kenne ich mich vielleicht sogar ein bisschen besser aus als andere.

Wenn man den eigenen Sohn trainiert – gerät man da in Gefahr, ihn zu bevorzugen?

Im Gegenteil! Von meinem Sohn erwarte ich, gerade weil er mich besser kennt als alle anderen, Respekt. Das zeigt er mir in unserer Vater-Sohn-Beziehung, aber das muss er mir auch als Trainer zeigen. Und das macht er auch.

Hat er Ihr fußballerisches Talent geerbt?

Er hat gute Ansätze. Die haben aber alle Kinder in dieser Mannschaft. Da gibt’s keinen, der besonders herausragt, sondern jeder hat seine Stärken. Der eine ist schnell, der andere hat einen guten Schuss, der nächste kann toll dribbeln. Das beobachte ich und versuche, die jeweiligen Stärken zu fördern. Milan hat einige Sachen, die mir sehr gut gefallen, aber er hat auch definitiv Sachen, die man verbessern muss.

Was ist Ihnen bei der Erziehung abseits des Platzes wichtig?

Wir leben ja alle drei in München, meine Ex-Frau und ich haben nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis, vielleicht sogar besser als zuvor. Wir wollen beide das Beste für Milan – und für uns. Von ihm erwarten wir zuallererst Respekt und dass er seine schulischen Leistungen bringt. Dafür bekommt er von uns 100-prozentige Unterstützung. Er hat seinen Tagesplan, und den sollte er versuchen, selbst einzuhalten. Dass er seinen Schulrucksack am Morgen selbst packt, ist zum Beispiel so eine Sache, die er verstehen muss.

Kennen die Kinder Sie nur als Milans Vater oder auch als Fußballstar?

Die wissen alle, wer ich bin. Heutzutage gibt’s ja die Fifa-Sammelkarten, und deshalb wissen sie, dass ich nicht nur Milans Vater bin, obwohl sie mich nie Fußball spielen gesehen haben.

Wie reagieren die anderen Eltern auf Sie?

Ich habe zu allen Eltern ein sehr gutes Verhältnis. Von daher ist es immer ein schönes Miteinander. Wir gehen ab und zu auch mal alle zusammen essen nach dem Training, auch mit den Kindern – und nicht nur zu McDonald’s!

Gala

Mehr zum Thema

Gala entdecken