Neil Patrick Harris: Hollywoods schwulster Macho

In der TV-Hitserie "How I Met Your Mother" spielt Neil Patrick Harris einen Aufreißer, dem die Frauen zu Füßen liegen. Privat liebt er allerdings einen Mann

Ja, der Herr unten in der Bildmitte ist Neil Patrick Harris

, der Barney aus "How I Met Your Mother". Die Babys sind seine zehnmonatigen Zwillinge: Gideon erkundet mit großen Augen seine Umgebung, während Schwesterchen Grace hingebungsvoll am Fläschchen nuckelt. Papa platzt fast vor Stolz und wirft seinem Verlobten David Burtka immer wieder verliebte Blicke zu - das ist der attraktive Mann links.

Die Szenerie aus dem gemeinsamen Urlaub in St. Tropez ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen weil dieses Paar nach Ricky Martin, Elton John & Co. ein weiteres Beispiel für das neu gelebte Elternglück schwuler Stars ist. Seit 2004 sind die beiden ein Paar, demnächst wollen sie heiraten - gleichgeschlechtliche Ehen wurden vor Kurzem im US-Bundesstaat New York legalisiert. Zum anderen weil der weltweit riesige Erfolg von "How I Met Your Mother" vor allem auf das Konto von Neil Patrick Harris geht.

In der Sitcom glänzt er nämlich nicht als Quotenschwuler. Im Gegenteil: Er spielt den Dauersingle Barney Stinson, selbst ernanntes Gottesgeschenk an die Frauen; einen selbstverliebten und dabei trotzdem irgendwie liebenswerten Macho, der stets Anzug trägt, sich selbst von Kopf bis Fuß "awesome" (großartig) findet und dabei jede Frau flachlegt, die bei drei nicht auf den Bäumen ist. Harris gibt die Testosteronbombe derart amüsant, dass Barney zur Kultfigur avancierte. In den USA schalten Woche für Woche bis zu zehn Millionen Zuschauer ein, in Deutschland beförderte ProSieben die Serie, deren sechste Staffel am 7. September bei uns anläuft, wegen des großen Erfolgs Anfang 2011 endlich in die Prime Time. Fans huldigen Barney in Internetportalen, sie hievten sogar seine in Buchform gesammelten Dating-und Verhaltensregeln in die internationalen Bestsellerlisten: "Der Bro Code" (bei uns bislang mehr als 150 000 Mal verkauft) und "The Playbook - spielend leicht Mädchen klarmachen" stehen seit Monaten in den Top Ten.

Das Weltbild vieler heterosexueller Kerle geriet deshalb ordentlich ins Wanken, als sich der ausgebildete Musicalsänger Harris 2006 in einem Interview mit dem "People"-Magazin outete: Der von vielen so bewunderte Vorzeige- Macho wird von einem Schwulen gespielt? Unglaublich! Genauso unglaublich: Nachdem Neil Patrick Harris mit sympathischer Selbstverständlichkeit verkündet hatte, dass er auf Männer steht, geriet seine Karriere nicht ins Trudeln, wie viele Branchenkenner prognostizierten. Sie bekam sogar einen Schub. Frauen fanden den auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkenden Schauspieler sexier denn je. Während der britische Schauspieler Rupert Everett bis heute laut darüber klagt, dass sein Coming-out ihm die Hollywood- Karriere zerstört habe, casten die Studios Harris weiterhin konsequent als heterosexuellen Mann - so auch in seinem aktuellen Kinohit "Die Schlümpfe". Nebenbei wird er regelmäßig von Talkshow- Ikonen wie David Letterman hofiert, er moderiert Award-Shows wie die Emmys und die Tony Awards, versprüht bei "American Idol" als Gast-Juror seinen Charme.

Leihmutter

Mit Leihmutter zum Familienglück

Perez Hilton  Die Geburt seines zweiten Kindes nutzt Perez Hilton um ein Statement für eine legale Leihmutterschaft von homosexuellen Partnern in allen US-Bundesstaaten zu setzen. Erst im vierten Anlauf wurde die Leihmutter endlich schwanger: Mia Alma wurde am 9. Mai geboren. Bruder Mario, der ebenfalls von einer Leihmutter ausgetragen wurde, freut sich riesig über die kleine Schwester.
Gauri Khan, Shah Rhuk Khan, Suhana, Aryan
Jimmy Fallon und Nancy Juvonen  Am 23. Juli wurde die Tochter von Talkmaster Jimmy Fallon und Nancy Juvonen geboren. Im Nachhinein wird durch ein Interview mit der "Today" bekannt, dass Winnie Rose per Leihmutter zur Welt kam. Fallon verriet, "dass sie verschiedene Dinge probiert hätten um ein Baby zu bekommen, sich schließlich für die Leihmutterschaft entschieden hätten".
22. April 2009: Auch am zweiten Tage des Festivals sind Robert De Niro und Grace Hightower wieder dabei

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Offen schwule Schauspieler können als Leading Man nicht funktionieren? Neil Patrick Harris hat diese These Lügen gestraft. "Ich glaube, dass die Gesellschaft heute eben doch weiter ist, als viele denken. Das ist eine große Chance für alle Lesben und Schwulen in der Entertainmentbranche, die sich bislang nicht getraut haben, den entscheidenden Schritt zu tun", sagt Harris in einem Interview mit dem "New York Magazine". Manchmal wundere er sich allerdings selbst, dass er konsequent den Hetero geben soll, während spannende schwule Parts an Kerle wie Sean Penn ("Milk") gehen. "Offenbar beherrsche ich die Schauspielerei einfach zu gut", sagt Harris. Offen homosexuell in Hollywood - heute kein Problem mehr? Branchenkenner sind eher skeptisch. "Homophobie ist bei vielen Casting Directors der großen Studios auch im Jahr 2011 immer noch verbreitet. Deshalb raten PR-Berater und Manager ihren Klienten, sich der Karriere zuliebe nicht zu outen", sagt Jeremy Kinser vom "Advocate", einem US-Monatsmagazin für Schwule und Lesben.

Neil Patrick Harris habe dank seiner ebenso natürlichen wie gewinnenden Art eine Ausnahmestellung, zumal er schon als Teenie-Star sehr beliebt war. "Man nimmt ihm den Vollblut-Hetero einfach ab, und er lebt skandalfrei. Aber er ist bis dato ,nur‘ ein TV-Star. Würde er auch als Hauptdarsteller in einer Kinoromanze funktionieren? Bislang hat sich noch niemand getraut, das herauszufinden." Und deshalb dürfte es wohl auch noch viele Jahre dauern, bis endlich A-Lister (vielleicht Mr. Clooney?) ganz entspannt verkünden: "Ja, ich bin schwul!" Alexander Nebe Mitarbeit: Julide Tanriverdi

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