Nazan Eckes : "Ich hatte nie vor, eine Karriere als TV­-Moderatorin zu machen."

Nazan Eckes ist endlich bei sich angekommen. Zu ihrem Start bei "Extra" sprach sie mit GALA über Mut, Selbstbewusstsein - und warum sie mit ihrer Familie so viele Feste feiert.

Es ist früh am Morgen, als wir Nazan Eckes, 43, in einem Café ihrer Heimatstadt Köln treffen. Die Moderatorin kommt gerade von einer Veranstaltung aus Berlin. Müde? Merkt man ihr nicht an. Die Mama von zwei kleinen Söhnen ist bekannt für ihre Extra­-Portion Power. Und auch ihre Jobs zaubern ihr ein Lächeln ins Gesicht.

Nazan Eckes: Sie bleibt weiterhin bei "Explosiv Weekend"

Ab 30. Dezember moderiert sie als Nachfolgerin von Birgit Schrowange das Montagabend­ Magazin "Extra", ein Aushängeschild des Senders RTL. Das Gesicht von "Ex­plosiv Weekend" bleibt sie weiterhin. Für Nazan Eckes geht ein aufregen­ des Jahr zu Ende. Bei "Let’s Dance" tanzte sie sich bis ins Halbfinale. Und im Casting-­Format "The World’s Best" verzauberte sie das US-­Publikum. Sie saß dort neben Superstars wie Drew Barrymore in einer Experten­-Jury. Seit 20 Jahren arbeitet Nazan Eckes nun schon vor der Kamera und auf der großen Bühne. Dabei war das eigentlich nicht ihr Plan.

GALA: Was haben Sie gedacht, als Sie hörten, dass Sie "Extra" moderieren sollen?
Nazan Eckes: Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Aber vorher wollte ich mir unbedingt Birgits Segen holen. Wir sind seit vielen Jahren befreundet. Sie stand mir auch beruflich mit Ratschlägen zur Seite. 1999 sind Sie als Wetterfee zu RTL gekommen.

Was würden Sie Ihrem "früheren Ich" heute raten?
Hör weniger auf die anderen! Mach, was dir in den Kram passt! Ich habe mich sehr viele Jahre an der Meinung anderer orientiert, und manche haben sich wirklich schwer damit getan, dass ich so viele verschiedene Formate moderiert habe: Shows, Magazine, Sport­-Projekte ... Externe Berater rieten mir, ich müsse mich dringend festlegen. Das hat mich stark ver­unsichert. Ich arbeite nun mal gerne journalistisch, liebe jedoch auch die Glitzerwelt der großen Showbühne.

"Eigentlich passt es nicht zu meiner Natur, auf der Bühne zu stehen"

Glauben Sie, Ihre Karriere wäre anders verlaufen, wenn Sie von Anfang an auf Ihr Bauchgefühl gehört hätten?
Ich hätte vor allem viel befreiter mode­riert. Bei meinen ersten Unterhaltungs­shows wie zum Beispiel "Let’s Dance" war ich starr und in meinem Perfektionismus gefangen. Heute gehe ich als Nazan auf die Bühne und lasse mir Raum für Spontanität.

Warum ist Ihnen das nicht viel früher gelungen?
Das hat sicher mit meiner Persönlich­keit zu tun. Ich hatte immer das Gefühl, mich beweisen zu müssen - oder nicht gut genug zu sein. Und ich bin auch nicht jemand, der auf eine Party kommt und sagt: "Hallo Leute, hier bin ich!" Ich bin eher diejenige, die im Restaurant den hintersten Tisch wählt. Eigentlich passt es nicht zu meiner Natur, auf der Bühne zu stehen. Es hat sich irgendwann einfach er­geben. Jetzt liebe ich es.

Hatten Sie mal einen konkreten Berufswunsch?
Ich wollte Werbefilm studieren, wurde aber abgelehnt. Daher habe ich mich für Politik, Sozialwissenschaften und Geschichte in Köln eingeschrieben. Dann kam das Angebot von RTL Nord, das Wetter zu moderieren. Ich dachte: Ach komm, ein Jahr Abenteuer beim Fernsehen und dann gehst du zur Uni! Ich hatte nie vor, eine Karriere als TV­-Moderatorin zu machen.

Nazan Eckes

Warum sie den Nachnamen ihres Mannes nicht trägt

Nazan Eckes

Als Sie zum Fernsehen kamen, gab es in Deutschland kaum Stars mit türkischen Wurzeln. Wollten oder mussten Sie sich wegen Ihrer Herkunft doppelt beweisen?
In der Schule habe ich mir diesen Druck tatsächlich gemacht. Ich war die einzige Türkin in der Klasse. Ich wollte besser Deutsch sprechen als alle anderen. Und ich habe mir doppelt so viel Mühe gegeben, bloß nicht aufzu­fallen. Vielleicht hat das bei mir alles Spätere geprägt. Mein damaliger Chef von RTL Nord, Klaus Ebert, der mich als Wettermoderatorin eingestellt hatte, fand es gerade super, dass ich mit mei­ner türkischen Herkunft im deutschen Fernsehen moderieren wollte. Ich habe dann die Reaktionen der Zuschauer erlebt – es hatte für viele Türken in Deutschland eine große Bedeutung. Nach meiner ersten Sendung habe ich so viele Zuschriften erhalten! Sogar türkische Zeitungen haben über mich berichtet. 

In ihrer Schulzeit hat sie Türkenwitze miterlebt

Sie sprachen Ihre Schulzeit an. Haben Sie Anfeindungen er­lebt?
Mir wurde bewusst gemacht, dass wir eine Gastarbeiterfamilie sind. Von links und rechts habe ich Türkenwitze mitbekommen, die mich unheimlich gekränkt haben. Das war für mich ein Angriff auf meine Familie. Ich hatte glücklicherweise einen guten Freundeskreis – mein rettender Anker. In erster Linie waren es deutsche Freunde. Das war für meine Eltern auch eine Selbstverständlichkeit.

Das heißt, Sie sind quasi deutsch erzogen worden?
Meine Mutter hat sich zum Beispiel große Mühe gegeben, die Kinder­geburtstage von mir und meinen Ge­schwistern so zu feiern, wie man das in Deutschland macht. Anfangs durfte ich nicht mit auf Klassenfahrten. Da war unser Vater streng. Im Nachhinein habe ich verstanden, dass meine Eltern einfach besorgt waren. Sie sind anders aufgewachsen und mit dieser Freiheit nicht groß geworden. Deswegen habe ich Selbstständigkeit auch sehr spät erlebt. Mein Leben, das ich heute als türkischstämmige Frau führe, ist abso­lut nicht selbstverständlich. Das ver­teidige ich bis zur letzten Sekunde.

Ihre Familie ist stolz auf sie 

Stimmt es, dass Ihr Vater jede Sendung von Ihnen auf­ gezeichnet hat?
(lacht) Es gibt ein ganzes VHS­-Archiv! Auch jeder Zeitungsartikel wurde aufbewahrt. Wenn ich auf dem Cover einer Zeitschrift war, hat er die Regale in den Läden umgeräumt, sodass das Magazin mit mir zu sehen war. Meine Eltern sind unglaublich stolz. Als ich bei "Let’s Dance" mitgetanzt habe, haben sie in der Türkei kleine Public Viewings veranstaltet. In der Werbe­pause hatte ich dann Fotos oder Videos von meinen Eltern und den Verwandten auf dem Handy, die mich angefeuert haben.

Sie haben zwei Söhne. Be­kommen Ihre Jungs in der Kita zu spüren, dass sie einen anderen Background haben?
Nein. Und das freut mich sehr. Dass sie einen österreichischen Papa und eine türkische Mama haben und in Deutschland leben, war noch nie The­ma. Aber Religion wird gerade eins.

"Bei uns zu Hause wird doppelt so viel ge­feiert wie in anderen Familien"

Tatsächlich?
Im Kindergarten geht es um Sankt Martin, Weihnachten, Ostern. Dann steht mein ältester Sohn Lounis vor mir und fragt mich: "Mami, glauben wir an Gott? Und wer war eigentlich Jesus?" Mein Mann und ich waren darauf vorbereitet. Wir versuchen den Kindern zu erklären, dass wir an alles glauben. An Allah, an Gott, an Jesus. Wir wollen ihnen die Freiheit geben, sich später, wenn sie denn wollen, einer Religion zuzuordnen. Meine Schwie­germutter ist Religionslehrerin. Wenn die Kinder komplizierte Fragen stellen, schicken wir Oma diese als Whatsapp­-Video, und sie antwortet mit einem süßen Erklär­Video. Ebenso bringt meine Mutter ihnen den Islam näher.

Wie feiern Sie religiöse Feste?
Wir feiern mit meinen Eltern alle muslimischen und mit meinen Schwie­gereltern alle christlichen Feste. Sehr traditionell. Es werden Lieder gesun­gen. Heiligabend gehen wir in Wien in den Stephansdom. Das Schöne ist: Bei uns zu Hause wird doppelt so viel ge­feiert wie in anderen Familien. (lacht)

Nazan Eckes + Julian Khol

"Wir sind keine Heiligen"

Nazan Eckes und Julian Khol

Wie wird Ihr neuer TV-­Job den Familienalltag ändern?
Julian und ich teilen uns immer fifty-­fifty auf. Während "Let’s Dance" hat er mich enorm unterstützt und viel abfangen müssen. Das war für ihn eine sehr anstrengende Zeit. Unmittelbar danach hatte er eine große Ausstellung in Wien. Da habe ich dann alles abge­fangen. Das soll jetzt nicht so klingen, als würden wir es immer easy wuppen. Natürlich wird auch gestritten, und der eine sagt zum anderen: "Ich hab keinen Bock mehr!" Unterm Strich haben wir dieses aufregende Jahr für uns beide aber ganz gut hinbekommen. Durch "Extra" werde ich sogar noch mehr zu Hause sein, weil es im Gegensatz zu "Explosiv" kein tägliches, sondern ein wöchentliches Format ist. Das kommt wie gerufen. Ich hatte im­mer den Wunsch, dass ich mehr zu Hause sein kann, wenn meine Kinder in die Schule kommen.

Sie hat keine Angst mehr Fehler zu machen 

War es rückblickend eine gute Entscheidung, als Kan­didatin bei "Let’s Dance" anzutreten?
Wenn man mich vor ein paar Jah­ren gefragt hätte, hätte ich nein ge­sagt. Es wäre für mich nie zusam­mengegangen, dass die ehemalige Moderatorin der Show mittanzt. Aber ich habe inzwischen keine Angst mehr davor, Fehler zu machen. Es war also die richtige Entscheidung.

Sie posten seitdem oft vom Sport und zeigen Ihre Kurven. Haben Sie ein neues Körper­gefühl bekommen?
Ich habe schon immer viel Sport ge­macht. Ich habe es aber vorher nie so offen kommuniziert, wie ich es jetzt bei Instagram tue. Durch die Kinder war das in den vergangenen vier Jahren auch nicht so regelmäßig möglich. Jetzt plane ich meine Sport­-Termine wie Business­-Termine. Da lasse ich nichts dazwischenkommen. Ich muss übrigens in einer halben Stunde zum Training. (lacht) Wenn ich mich in meinem Körper wohlfühle, fühle ich mich im Kopf wohl, und natürlich werde ich dadurch auch mutiger. Bauchfrei hätte ich vor ein paar Jahren auch noch nicht gemacht. Aber jetzt denke ich mir: Ich reiße mir den Hintern für meine Fitness auf, dann zeige ich das auch!

Verwendete Quelle: Instagram

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