Nazan Eckes + Wilma Elles: Typisch türkisch? Typisch deutsch? Vergesst es!

Eine türkischstämmige Moderatorin im deutschen TV, eine deutsche Schauspielerin in der Türkei – GALA brachte Nazan Eckes und Wilma Elles zusammen.

Ihre Themen: nationale Tugenden und Multikulti-Flirts

Was hilft gegen Klischees? Darüber lachen! Nicht alle Türken tragen Schnäuzer, dafür probieren es Nazan Eckes (Kleid: Steffen Schraut) und Wilma Elles (Overall: Elfenhaut) hier mal.

Getroffen haben sie sich bis zu diesem Tag noch nie. Aber sie wissen schon lange voneinander, weil sie ein großes Anliegen verbindet – beide wollen das deutsch-türkische Verhältnis verbessern. Beim Gala-Shooting in Berlin begegneten sich Nazan Eckes und Wilma Elles nun endlich persönlich: die RTL-Moderatorin und die deutsche Schauspielerin, die als Star einer türkischen Serie in Istanbul lebt.

Wer von Ihnen ist türkischer, wer deutscher?

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©Gala

Nazan Eckes: Wahrscheinlich bin ich gerade deutscher. (deutet lachend auf das Stück Butterkuchen vor sich) Aber im Ernst, ich merke schon, dass ich diese perfekten Abläufe in Deutschland gewohnt bin. Wenn ich in der Türkei bin und Dinge organisieren muss, merke ich jedes Mal, dass die Menschen dort anders ticken.

Wilma, du erlebst das wahrscheinlich genau anders herum, oder?

Wilma Elles: Also ich muss sagen, als ich vor vier Jahren in der Türkei ankam, habe ich mich gleich zu Hause gefühlt. Mir gefällt es, dass man dort entspannter ist und Raum für Flexibilität lässt. In Deutschland wird oft zu langfristig geplant. Man trifft sich im August, um im Dezember mit den Projekten zu beginnen. (lacht)

Bei Ihnen beiden also dasselbe Empfinden?

Eckes: Genau. Hier für alle, die denken, in der Türkei funktioniert nichts: Sie sind dort nur entspannter!

Wie steht es um das deutschtürkische Verhältnis?

Eckes: Das ist eigentlich super, wenn man sich die Zahlen anschaut. Es gibt kaum einen besseren Wirtschaftspartner für die Deutschen als die Türkei. Auch historisch und auf der sozialen und familiären Ebene sind Deutschland und die Türkei eng.

Im täglichen Miteinander gibt es aber oft noch Probleme.

Eckes: Zum Teil genau deshalb, weil das Verhältnis so eng ist. Schließlich kann man sich in einer Familie auch mal streiten und Kritik üben. Frau Eckes, Sie vergleichen das türkisch-deutsche Verhältnis in Ihrem Buch „Guten Morgen, Abendland“ mit einer Ehe.

Eckes: Ja, die Beziehung zwischen Türken und Deutschen ist sehr vielschichtig, man kann sie weder gut noch schlecht nennen. Ich glaube aber, dass über die Jahre eine tiefe Verbundenheit entstanden ist. Und dass man sich aneinander gewöhnt hat. Allein in meinem Freundeskreis gibt es viele Mischehen und inzwischen auch viele Kinder, die bilingual erzogen werden. Es hat längst eine kulturelle Vermischung stattgefunden, die einige verhindern wollten und für die andere sich wiederum eingesetzt haben. Allerdings gibt es immer noch Berührungsängste. Trotzdem sehe ich die Entwicklungen positiv.

Warum?

Eckes: Türkische Familien haben sich gravierend verändert. Die Enkelkinder sind viel integrierter, viel deutscher als ihre Großeltern.

Dabei spielt die Sprache eine entscheidende Rolle, richtig?

Elles: Natürlich. Sonst kann man an dem Leben des Landes nicht teilnehmen. Aber man darf es der älteren Generation nicht übel nehmen, dass sie wenig Deutsch spricht. Sie sind in dieses Land gekommen, um hier vorübergehend zu arbeiten.

Frau Eckes, haben Sie einen deutschen Akzent, wenn Sie Türkisch sprechen?

Eckes: Ja, einen ganz leichten.

Frau Elles, Sie sind, ohne ein Wort Türkisch zu sprechen, nach Istanbul gegangen. Können Sie es jetzt?

Eckes: Es ist zwar noch lange nicht wie meine Muttersprache, aber ich verstehe und spreche alles. Ich wollte schließlich mit meinen Freunden lachen und das Leben in der Türkei genießen können.

Was passiert, wenn Sie durch Istanbuls Straßen gehen?

Eckes: Also …

Eckes … das habe ich mal gesehen! Alle bleiben stehen und drehen sich nach ihr um.

Elles: Wo hast du das gesehen?

Eckes: In einer Reportage. Das war irre.

Elles: Ist in Deutschland nicht so, oder?

Eckes: Nee, in der Türkei ist man viel körperlicher. Die Leute wollen dich auch anfassen und mit dir reden. Ich kann in Deutschland Tomaten einkaufen, ohne angesprochen zu werden.

Elles: Das kann ich auch, in meinem Viertel. Ab und zu sage ich, dass ich in Eile bin, das verstehen alle. Um mal mit Klischees zu hantieren:

Wer flirtet besser, türkische Männer oder deutsche?

Eckes: Beide nicht gut. Die einen zu aggressiv, die anderen zu zurückhaltend. Die Österreicher sind am besten! (beide prusten los – Nazan Eckes ist mit einem Österreicher verheiratet)

Elles: In der Türkei bin ich noch nie blöd angemacht worden. In Deutschland schon.

Eckes: Echt? Das hätte ich jetzt nicht gedacht!

Elles: Ja, die sind da viel schüchterner.

Eckes: Die trauen sich nicht, die sind zu klein für dich. (lacht)

Elles: Vor allen Dingen wenn sie wissen,dass ich kein Single bin. Leben Ihre Beziehungen von den sprichwörtlichen Gegensätzen, die sich anziehen?

Eckes: Ganz am Anfang war das so, dass sich da gegensätzliche Welten angezogen haben. Dann haben mein Mann und ich aber festgestellt, dass wir viel gemeinsam haben. Wir sind beide familiäre Menschen. Julian hat fünf Geschwister. Ich sage manchmal zu ihm: "Eigentlich bist du der Türke bei uns."

Elles: Bei uns ist es so, dass wir das Beste aus jeder Kultur herausholen. Kerem ist ein Beschützer. Ich lasse mir etwa beim Taschentragen helfen. Und ich genieße das. Aber ich bleibe eigenständig in meinen Entscheidungen.

Frau Eckes, Sie sind liberal islamisch aufgewachsen, Ihr Mann ist katholisch. Nun sind Sie sind im siebten Monat schwanger – wird Ihr Kind getauft?

Eckes: Das ist die größte und schwierigste Frage, mit der wir uns zurzeit beschäftigen. Wir haben noch keine Lösung gefunden. Aber wir werden da reinwachsen. Wir besprechen uns viel mit Julians Mutter, sie ist Religionslehrerin. Und mit meiner Mutter. Toll finde ich, dass keine Familie etwas von uns verlangt. Wir möchten, dass das Kind beide Religionen kennenlernt. Vielleicht sucht es sich dann später eine aus.

Was ist das Beste aus beiden Ländern, was man seinen Kinder mitgeben kann?

Elles: Ich würde aus der Türkei das Gefühl für Internationalität nehmen, aus Deutschland die Chancengleichheit.

Eckes: Aus Österreich würde ich die Höflichkeit wählen, aus Deutschland die Disziplin und den sozialen Umgang miteinander. Und aus der Türkei den Frohsinn und die Sonne.

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