Rad-Profi Nathalie Birl: So entkam sie dem Martyrium

Es ist eine unfassbare Geschichte. Die österreichische Profi-Radfahrerin Nathalie Birl wird im steirischen Kumbach angefahren, entführt und fast ertränkt. Erst nach Stunden kann sie den Mann dazu überreden, sie freizulassen. In einem ersten Interview schildert sie ihre Erinnerungen an die Tat.

Nathalie Birli

Nathalie Birli, 27, hat Unglaubliches erlebt. Am Dienstagnachmittag (23. Juli) wird die Mutter eines 14 Wochen alten Sohnes offenbar auf ihrem Rad von einem roten Kastenwagen angefahren. Die österreichische Profi-Sportlerin erinnert sich an einen Sturz, bei dem sie sich den linken Unterarm bricht. "Ein Mann ist ausgestiegen, hat mir mit einem Holzstecken auf den Kopf geschlagen, mich mit Isolierband gefesselt und mich auf den Rücksitz geworfen. Dann muss ich eine Zeit lang bewusstlos gewesen sein", versucht sich die junge Frau im Interview mit der "Kronen"-Zeitung zu rekapitulieren.

Nathalie Birl wird gefesselt und bedroht

Was dann offenbar folgt, gleicht einem Horror-Szenario. Als die 27-Jährige wieder zu sich kommt, sitzt sie nackt und gefesselt auf einem Sessel, berichtet sie. Der mutmaßlich psychisch gestörte Täter habe sich in ihrer Nähe aufgehalten und ihr knapp mitgeteilt: "Tu, was ich will - morgen bist wieder frei“. Birl vermutet, dass sie in einem abgelegenen Haus gefangen gehalten wird, wo sie niemand finden kann. Ihre Hoffnung ist ihr Lebensgefährte, der auf den kleinen Sohn aufpasst und damit rechnet, dass sie nur eine Stunde auf ihrem Rad unterwegs ist.

Der Peiniger will sie ertränken

Die Situation spitzt sich zu. Der Täter "war voller Hass", habe sie gezwungen, Wein und Schnaps zu trinken. Dabei hält er offenbar drohend ein Messer in der Hand. Plötzlich habe er seinem Opfer Mund und Nase zugehalten und versucht, sie zu ersticken. Dann lässt er von ihr ab, schleppt sie zu einer Badewanne  mit kaltem Wasser und zwingt sie hineinzusteigen, berichtet Birl. Offenbar will er sie ertränken. "Ich hab’s ihm ausgeredet", erklärt die 27-Jährige.

Birl gewinnt das Vertrauen des Täters

"Mein Durchbruch war, als ich im Haus die vielen Orchideen gesehen habe. Ich hab sie bewundert, und plötzlich war der Täter nett zu mir." Er sei Gärtner, verrät ihr der Mann. Dann packt er über sein schwieriges Leben aus: der Vater sei gestorben, die Mutter dem Alkohol verfallen und seine Freundin habe ihn mit einem anderen betrogen.

Die Sportlerin wird frei gelassen

Nathalie Birl nutzt die vertrauensselige Situation für einen klugen Schachzug. "Sagen wir, es war ein Unfall“, bietet sie ihm an, "und du lässt mich jetzt gehen.“ Ihr Peiniger geht den Vorschlag ein und befreit sie von den Fesseln. Sie zieht sich an und wird von dem Mann bis vor ihre eigene Haustür gebracht.  

Die Polizei ermittelt

Die bereits von ihrem Lebensgefährten verständigte Polizei wertet Birlis gespeicherte GPS-Daten auf ihrem Fahrradcomputer aus. Das Wohnhaus des 33-jährigen Entführers ist schnell ermittelt. In der Nacht wird der Täter durch ein Sondereinsatzkommando festgenommen. Ein Polizeisprecher äußert gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA: "Es sieht so aus, als ob psychische Probleme des Mannes im Raum stünden.“

Verwendete Quellen: Kronen-Zeitung, Bild, APA

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