Natascha Kampusch : Seit ihrer Flucht erntet sie Hass und Anfeindungen

Natascha Kampusch wurde acht Jahre lang gefangen gehalten. In ihrem neuen Buch "Cyberneider: Diskriminierung im Internet" schreibt sie über die massiven Anfeindungen, denen sie seit ihrer Flucht 2006 ausgesetzt ist.

Natascha Kampusch

Natascha Kampusch, 31, wird seit ihrer Flucht aus einem Kellerverlies im Internet gemobbt. Darüber hat die Österreicherin das Buch "Cyberneider. Diskriminierung im Internet" geschrieben, das am heutigen Mittwoch (9. Oktober) veröffentlicht wird. In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" spricht sie über den Hass, der ihr in den letzten 13 Jahren im Internet entgegengebracht wurde.

Natascha Kampusch: Deswegen wird sie gehasst

Im Interview mit Markus Lanz wirkt Natascha Kampusch selbstbewusst. Doch ist das nur die harte Schale, die sie sich in den letzten Jahren zulegen musste? Denn seit ihrer Flucht schlägt ihr ein ständiger Hass aus den sozialen Netzwerken entgegen. Im Interview gibt sie zu, dass sie nur einen Fehler nach ihrer Flucht gemacht habe - und zwar, den Anfeindungen zuzuhören. Corinna Milborn, 46, ist ebenfalls zu Gast bei Lanz. Die Journalistin hat als Ghostwriterin Kampuschs Biografie "3096 Tage" von 2010 mitgeschrieben. Für die Anfeindungen findet sie folgende Erklärung: "Sie [Natascha] hat sich geweigert, die Opferrolle einzunehmen - was nämlich viele von Opfern erwarten. Die wollen, dass sie verschwinden."

Am gestrigen Mittwochabend war Natascha Kampusch bei Markus Lanz zu Gast und sprach über ihr neues Buch.

Doch Natascha ist nicht verschwunden. Seit dem Ende ihres zehn Jahre andauernden Martyriums ist sie immer wieder in den Medien präsent. Sie veröffentlichte zwei Biografien, gibt in regelmäßigen Abständen Interviews und moderierte 2008 ihre eigene Talkshow.   

Sie wurde auf der Straße angerempelt

Als Zehnjährige wurde Natascha 1998 von Wolfgang Přiklopil, †44, in ein Kellerverlies gesperrt. Mit 18 Jahren schaffte sie es, zu entkommen. Ihr Entführer nahm sich wenige Tage später das Leben. Bei Lanz spricht sie über die Zeit kurz nach Bekanntwerden ihrer Flucht: "Leute haben gemurmelt, auf mich gezeigt." Die Äußerungen seien sehr "abfällig" gewesen. Auf der Straße wurde sie böse angeschaut und sogar angerempelt. Die 31-Jährige meint: "Diese Emotionalität, die diesem unfassbaren Verbrechen entgegengebracht wurde, dann auf einmal gegen mich umschlug, weil ja der Täter nicht mehr lebte."

"Mobbing im Netz ist ein alltägliches Übel"

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung findet Natascha klare Worte für das Mobbing, das ihr auch im Internet widerfährt: "Mobbing im Netz ist ein alltägliches Übel unserer Gesellschaft geworden. Es gab Zeiten, da bin ich nicht mal mehr rausgegangen, weil die Beschimpfungen so Überhand nahmen." Kommtentare wie "Am meisten stinkt der angebliche Selbstmord von Přiklopil" oder "geh sterben" musste sie über sich ergehen lassen. Am meisten treffe sie der Fakt, dass die meist anonymen Schreiber ihre Geschichte anzweifeln, aber auch die Anfeindungen an sich. Sie habe viele Anzeigen erstattet, doch es sei nie etwas passiert. Mit ihrem Buch wolle sie die Menschen "wachrütteln und warnen, wie es Opfern von Cybermobbing wirklich geht.“

Verwendete Quellen: "Markus Lanz", "Bild"

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