Natalie Portman Die Rolle ihres Lebens


Mein lieber Schwan! Als überspannte Ballerina erobert Natalie Portman die Kinowelt - privat ist sie so locker wie nie zuvor

Rührend, irgendwie: "Ich danke meinen Eltern, dass ich kein Arschloch geworden bin."

Rührend, aber auch kaum zu glauben: Hat die Brave gerade wirklich das böse A-Wort gesagt? Als Natalie Portman am Wochenende den soundsovielten Award für ihren Ballett-Thriller "Black Swan" entgegennahm, diesmal von der Screen Actors Guild (SAG), da überraschte sie wieder mal das gesamte Publikum. Locker, fast aufgedreht hatte man sie in den vergangenen Wochen schon häufiger erlebt, bei der Golden-Globe-Verleihung zum Beispiel. Aber so frech, so herzerfrischend albern? Zurzeit ist die 29-Jährige täglich für eine neue Überraschung gut.

Natalie Portman genießt ihr Leben plötzlich in vollen Zügen, den Siegeszug durch die Filmpreis-Saison ebenso wie das Private. Dabei war sie bisher immer so kontrolliert und korrekt, sagte artig Bitte und Danke, versorgte an Filmsets alle mit selbst gebackenen Cookies und Lebensweisheiten ihrer Großmutter. Entzückend. Aber auch ein bisschen langweilig, wie einige in Hollywood bereits gifteten. Irgendwas musste man schließlich bemäkeln bei einer Frau, die als "Superhirn in Gestalt einer Göttin" bezeichnet wurde und neben der Filmkarriere auch noch einen Psychologie-Abschluss in Harvard machte.

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Ausgerechnet jetzt zeigt sie, dass sie auch anders kann - ausgerechnet jetzt, da sie in "Black Swan" eine besessen um Perfektion kämpfende Tänzerin spielt. Nina geht im Film zugrunde. Für Natalie markiert diese selbstzerstörerische, wahnhafte Rolle den Befreiungsschlag. Am Set fand sie ihren Mr. Right, mit dem französischen Tänzer Benjamin Millepied, 33, erwartet sie nun ein Baby. Sie spielte sich endgültig in die erste Riege Hollywoods - und hat verstanden, dass zum Glücklichsein auch Spaß und Loslassen gehört.

Dazu passte auch schon ihre Dankesrede bei den Globes: Sie giggelte los, grüßte ihre Oma Bernice, die vorm Fernseher saß, mit "Ich hoffe, du genehmigst dir grad einen Drink", bedankte sich für die lesbische Szene mit "Mila 'Süßlippe' Kunis" und schwärmte über Benjamin Millepied, dass er im Gegensatz zu seiner Rolle "heftig und ständig" mit ihr schlafen wolle. Bevor Natalie Portman im Sommer Mutter wird, ist sie noch in der romantischen Komödie "Freundschaft Plus" zu sehen. Sie hüpft darin mit ihrem Kumpel, gespielt von Ashton Kutcher, in die Kiste, ohne sich binden zu wollen; es geht um viel Sex und schmutzige Witze. Was nach einem vorsätzlichen Image-Wandel klingt, hat jedoch mit Kalkül nichts zu tun - dafür sehr viel mit der neuen Leichtigkeit.

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Vor "Black Swan" und ihrer großen Liebe spielte sie im Kino fast ausschließlich schlaue, reine, gutherzige Frauen, verzichtete privat auf Skandale oder Extrawürste. In Drehpausen löste sie das Kreuzworträtsel der "New York Times" - das war noch das Spannendste, was man erfuhr. "Ich bin eben lieber intelligent als ein Filmstar", so ihr Konter.

Kluge und charismatische Männer wie Gael García Bernal oder Devendra Banhart hofierten sie, und Natalie Portman galt als neue Audrey Hepburn. Sie schien es nie wirklich zu genießen, denn zu sehr war sie damit beschäftigt, alles richtig zu machen. Bis jetzt.

"Ich kann mich fallen lassen und einfach genießen, ein sehr schönes Gefühl", erklärte sie kürzlich gegenüber "Gala". Und über ihre baldige Mutterschaft sagte sie: "Ich werde erwachsen, endlich." Für sie heißt das paradoxerweise: Mehr Spaß als je zuvor!

Roland Rödermund

gala.de

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