Naomi Campbell: "Viele halten mich für naiv"

Sie war der Überraschungsgast der GALA Spa Awards. Nach der Preisverleihung sprach das Supermodel mit uns über Vorurteile, Altersweisheit und ihre Strategie, perfekt abzutauchen

Und dann tritt sie tatsächlich durch die Tür: Naomi Campbell. Schwarze Hose, weißes Hemd, perfekt gestylt und geschminkt als würde ein Fotoshooting mit einem Weltfotografen wie Mario Testino anstehen. Dabei will man hier, im "Brenners Park- Hotel" in Baden-Baden, doch einfach nur ein wenig mit ihr plaudern. Vier Stunden Verspätung. Wie macht man das? "Es tut mir leid. Ach, ich wusste nicht, was ich anziehen sollte und überhaupt …", seufzt Campbell und winkt ab, während sie im Sessel Platz nimmt. Egal. Sie ist da, sie sieht klasse aus – und sie ist bester Laune. Dennoch ist ihre fünfköpfige Entourage, die am anderen Ende des Raumes Platz genommen hat, auf Zack. Ein kleiner Huster von Naomi – und alle sind sofort auf den Beinen.

Sie reisen für Ihre Modelkarriere nonstop um die Welt. In welchen Momenten nervt Sie dieser Lifestyle?

Es kann anstrengend sein, natürlich, aber ich werde mein Leben immer so führen. Die Zeit im Flugzeug empfinde ich als recht angenehm. Du bist oben am Himmel für dich, da kann ich gut loslassen. Ich höre meine Musik, mache mir Notizen, lese Skripts. (lacht) Auch Flughäfen stören mich nicht – wenn alles reibungslos läuft.

Menowin Fröhlich

DSDS-Star heiratet seine Senay

Menowin und Senay Fröhlich
Wie aufgeregt Menowin Fröhlich war und wie der Traum in weiß von Senay aussah, sehen Sie im Video.
©Gala

Wie spüren Sie, wenn Ihr Körper eine Pause braucht?

Tja, im Moment bin ich mal wieder so weit.

Was ist Ihr Idealrezept fürs Abschalten?

Da gibt es vieles. Ich tauche zum Beispiel gern. Dabei bin ich ein schlechter Schwimmer, am Anfang haben alle Witze darüber gemacht. Heute habe ich den Anfängerschein. Es ist so schön ruhig unter Wasser.

Was war die längste Zeit, die Sie mal ohne Mobiltelefon ausgehalten haben?

Ein Monat. Das war 2012. Ich brauchte damals dringend eine Auszeit und war an einem abgeschiedenen Ort in Indien. Da habe ich den ganzen Tag nur Yoga gemacht.

Im Mai werden Sie 46. Wie würden Sie Ihren momentanen Gefühlszustand beschreiben?

Ich hatte das Glück, eine Chance zu bekommen, etwas aus meinem Leben zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar, und deshalb nehme ich alle Möglichkeiten, die sich mir bieten, mit offenen Armen auf. Viele Menschen halten mich für naiv und denken beispielsweise, dass ich nicht mal Autofahren kann. Aber ich sehe alles und lese alles, und ich habe ein sehr gutes Gedächtnis. Ich gebe immer 150 Prozent. Nelson Mandela hat zu mir gesagt: "Naomi, ich schlafe, wenn ich tot bin." Das hat mich ungeheuer beeindruckt. Dieser Satz ist meine Lebensphilosophie.

Sie betonen oft, wie wichtig Mandela für Sie gewesen ist.

Ich habe diesen Mann verehrt, weil er mir vor vielen Jahren gezeigt hat, dass ich mehr bin als ein hübsches Model. Er ist wie ein Vater gewesen. Ich vermisse ihn, und wenn ich an ihn denke, kommen mir immer wieder die Tränen.

Es heißt, dass man im Alter weiser wird. Was sagen Sie?

Je älter du wirst, desto mehr weißt du, welche Menschen gut für dich sind. Ich bin da vorsichtiger geworden. Bei allem, was ich tue, verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl. Habe ich das in der Vergangenheit nicht getan, ist es meistens schief gegangen. Ich bin selber oft überrascht, was für Kräfte aus mir herauskommen, wenn ich spüre, dass Menschen nicht an mich glauben – oder mich gar herumschubsen wollen.

Wenn Sie Ihrem 14-jährigen Ich gegenüberstehen würden, was würde die ältere Naomi der jüngeren raten?

Hör auf deine Mutter.

Die hat Ihre Karriere als Model angeschoben, als Sie 15 Jahre alt waren.

(lacht) Ich erinnere mich jetzt gerade an diese Zeit. Damals habe ich Culture Club und Boy George geliebt. Ich fand diesen Sound großartig. Zu der Zeit waren zwei Bands sehr angesagt: Culture Club und Duran Duran. Beides durfte man nicht hören, man musste sich für eine entscheiden. Heute bin ich mit all diesen Menschen befreundet.

Sie kämpfen seit vielen Jahren gegen Rassismus in der Mode-Branche …

Halt, ich kämpfe für Vielfalt! Das Wort Rassismus verwende ich nicht, weil ich niemanden von vornherein beschuldigen will. Ich wünsche mir, dass die Entscheider im Business zuerst auf die Schönheit und die Anmutung des Models schauen und eben nicht auf die Hautfarbe.

Inwieweit haben Sie das Gefühl, dass Ihr Einsatz etwas verändert?

Gemeinsam mit Iman und der Aktivistin Bethann Hardison engagiere ich mich für die Kampagne "Balance Diversity", wo gezählt wird, wie viele farbige Models bei den Schauen über den Catwalk laufen. Ich habe da die aktuellen Zahlen leider nicht im Kopf. Es ist generell noch ein weiter Weg. Wir müssen das Thema immer wieder zur Sprache bringen. Ich hatte das Glück, dass damals viele gute Designer und Modemacher an mich geglaubt und mich gebucht haben. Jetzt will ich etwas für die jungen Models ändern.

naomi campbell

Die schönsten Seiten des Supermodels

naomi campbell: Die schönsten Seiten des Supermodels

Erlebt ein Superstar wie Sie noch Rassismus?

Doch, natürlich. Ich kriege da schon noch Dinge zu hören, die einen rassistischen Unterton haben. Vor einiger Zeit bin ich für einen britischen Designer gelaufen und nach der Show meinte er: "Naomi, du (sie zeigt an sich herunter, um zu verdeutlichen, dass vor allem ihre Hautfarbe gemeint ist), du passt einfach nicht zu uns." Vor allem die Art, wie dieser Mensch das gesagt hat, hat mich verletzt.

Welcher Designer ist das gewesen?

Werde ich nicht sagen. Ich will diese Person nicht noch wichtiger machen, indem ich sie erwähne. Für mich steht nur fest, dass ich mit ihm nicht mehr zusammenarbeite. Nie mehr. Und das ist am Ende sein Pech.

In letzter Zeit wird darüber diskutiert, wer nach Daniel Craig die James-Bond-Rolle übernehmen könnte. Auch der dunkelhäutige Idris Elba ist im Gespräch. Daraus entstand die Debatte, ob Bond von einem Schwarzen verkörpert werden kann. Was denken Sie?

Ian Fleming hat Bond auf Jamaika geschrieben, er hat die Insel geliebt. Einem meiner engsten Vertrauten, Chris Blackwell, gehört das Haus, in dem Fleming damals lebte. Ich bin oft dort gewesen und habe in Flemings Schlafzimmer geschlafen. Ich habe alle Bond-Darsteller kennengelernt. Sean Connery, Roger Moore – und ich mochte sie alle. Es waren alles gute Typen. Die Bond-Figur ist an vielen Orten der Welt zu Hause, natürlich kann ein schwarzer Schauspieler das spielen. Es wäre doch schön, wenn es da mal eine Überraschung gäbe.

Elba ist ein Freund von Ihnen. Wäre er ein guter Bond?

Absolut. Idris ist ein wunderbarer Schauspieler.

Sie sind Britin. Die Queen wird am 21. April 90 Jahre alt. Werden Sie auf ihr Wohl trinken?

Natürlich. Aber nur mit Wasser. Ich trinke ja keinen Alkohol.

Sind Sie ein Fan der Royals?

Bin ich ein Fan? Schwer zu sagen. Ich schätze die Familie und respektiere sie. Sie gehört zur britischen Geschichte. Ich habe Prinz William und Diana kennenlernen dürfen. Diana habe ich geliebt, weil sie sehr viel Gutes getan hat.

GALA Spa Awards 2016

Die besten Bilder aus Baden-Baden

GALA Spa Awards 2016
Naomi Campbell hält stolz ihren Preis in die Kamera.
Astrid Bleeker (Director Brand Solutions GALA) mit G+J-Geschäftsführer Stefan Schäfer und GALA-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann.
Was für ein Kleid, was für eine Frau! Naomi Campbell war der Überraschungsgast des Abends und erhielt die Auszeichnung "Beauty Idol" 2016.

37

Naomi Campbell

Mode-Überraschung!

Naomi Campbell zu Gast auf dem Gala Spa Award
Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche