VG-Wort Pixel

Nadine Leopold Nun ist sie schön und stark

Nadine Leopold
Nadine Leopold
© Getty Images
Nadine Leopold ging mit 14 Jahren zum Modeln nach New York. Was nach Bilderbuchkarriere aussah, war ein harter Kampf gegen sich selbst. Jetzt spricht die Österreicherin offen darüber.

So viele junge Mädchen wollen unbedingt Model werden. In High Heels über den Laufsteg stöckeln, Blitzlicht, tolle Kleider, Applaus! Kein Wunder, dass sich Nadine Leopold, 26, als 16-jähriges Mädchen aus dem beschaulichen Wolfsberg in Kärnten auserwählt fühlte, als sie von einem Wiener Model-Scout entdeckt wurde.

Sie verließ die Schule und zog hinaus in die Welt, von der sie geträumt hatte. Doch die sah völlig anders aus, als sie erwartet hatte. Darüber spricht die heute 26-Jährige jetzt in ihrem Podcast "I Choose Me" - um künftige Models
stark zu machen.

Nadine Leopold: "Damit öffnete ich die Tür zu meiner Essstörung"

Blick zurück: Nadine Leopold war Anfang der 2010er-Jahre ein echter Shooting-Star. Als Gesicht von H&M, Mango oder Garnier sah man sie in hochwertigen Modezeitschriften, auf Plakatwänden, in Werbespots. 2018 lief sie bei der Victoria's-Secret-Show. Der ultimative Glamour. Doch Nadine Leopold erinnert sich nicht gern an diese Zeit. "Rückblickend habe ich diese Branche total unterschätzt. Die meiste Zeit war ich alleine in einem Hotelzimmer und musste binnen weniger Tage von A nach B reisen", sagt sie. Sie fühlte sich einsam.

Hinzu kam eine unglückliche Beziehung, die Scheidung ihrer Eltern - und der immense Druck, einen makellosen Körper haben zu müssen. "Die Gefühle waren so überwältigend, dass ich versuchte, sie zu betäuben, indem ich mich selbst krank machte. Damit öffnete ich die Tür zu meiner Essstörung", reflektiert die sie heute. "Es fing mit kleinen Dingen an: Ich überaß mich, wenn ich wütend oder traurig war." Der Auslöser? Meist Enttäuschung: "Es reichte schon, wenn ich gesehen habe, dass meine Freundinnen ohne mich ausgingen oder ich mich mit einer Person, die mir wichtig ist, gestritten habe."

Vier Jahre lang beherrschte die Bulimie ihr Leben

"Meinen Körper krank zu machen, löste ein komisches Gefühl von Macht aus - Macht über mich, über meinen Körper." Doch dann kamen Panikattacken, düstere Gedanken und Hautausschlag an den Händen - ein Zeichen ihrer unterdrückten Emotionen, wie sie heute weiß. Doch damals verdrängte sie alles. Erst als die Panikzustände so schlimm wurden, dass Nadine nicht mehr allein in ihrer Wohnung schlafen konnte, suchte sie Hilfe. Und begann, offen über ihre Essstörung zu sprechen - mit Freunden, ihrer Familie und jetzt sogar öffentlich.

Heute lebt sie in London, modelt nach wie vor, ist mit einem britischen Manager liiert. Und sie wehrt sich, wenn ihr etwas nicht passt. Neulich etwa prozessierte sie gegen ein Magazin, weil gegen ihren Willen Fotos von ihrer nackten Brust abgedruckt worden waren. "Ich treffe meine Entscheidungen bewusster denn je - das ist ein großartiges Gefühl."

Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken