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Mütter + Töchter Wem gehört jetzt die Bühne?


Wie berühmte Mütter damit umgehen, dass ihre Töchter ihnen die Show stehlen

Alle Augen sind auf sie gerichtet. Mit einer eleganten Bewegung steigt sie aus dem schwarzen BMW, die XL-Sonnenbrille sitzt perfekt, das Kabbala-Bändchen schmückt wie immer ihr Handgelenk. Jugendlich frisch wirkt sie. Obwohl die Fotografen durcheinander brüllen und sie von allen Seiten bestürmen, bleibt Lourdes cool, nimmt ihre Mutter an der Hand und schlendert mit ihr zum Check-in-Schalter des Londoner Airports.

Es sind lässige Hingucker-Auftritte wie dieser, mit denen die Zwölfjährige mittlerweile für größere Schlagzeilen sorgt als Madonna. Ein Mädchen wird zur jungen Frau: Lourdes entwickelt einen eigenen Style, genießt ihre Wirkung auf die Außenwelt und macht ihrer Mutter damit automatisch Konkurrenz. Eine Entwicklung, die bei der Queen of Pop ambivalente Gefühle auslöst. Natürlich ist da vor allem Liebe, der Stolz auf ihr Kind. Und natürlich hat auch Madonna den Beschützerinstinkt. "Ich werde es nicht dulden, dass Lourdes einen Freund hat, bevor sie 18 Jahre alt ist. Für Filmrollen oder Werbekampagnen ist sie auch noch zu jung", verkündete sie erst kürzlich.

Sie kennt das Showbusiness mit all seinen Tücken, ihre Tochter will sie vor Enttäuschungen bewahren. Aber dann gibt es da auch dieses andere Gefühl. Eifersucht? Selbstzweifel? Viele Jahre gehörte Madonna allein der Platz im Rampenlicht. "Sie beneidet Lourdes um deren Jugend", sagt ein Vertrauter der Pop-Ikone. "Sie weiß nur zu gut, dass ihre Tochter schon bald die alleinige Aufmerksamkeit vieler Menschen erregen dürfte, nicht zuletzt die der Männer." Doch kampflos räumt eine Madonna das Feld nicht. Noch exzessiver scheint die 50-Jährige Sport zu treiben, sich noch konsequenter gesund zu ernähren. Keine Botox-Spritze lässt sie aus. Zudem stylt sie sich immer öfter wie ihre Tochter. Zur Kostümparty des Kabbala-Centers in New York trat sie gar im Schulmädchen-Look als Lourdes-Klon auf. Was vielleicht als Gag gedacht war, markiert den bisherigen Höhepunkt in einem Wettkampf gegen die Zeit, das Altern und das eigene Kind. Und damit steht Madonna nicht allein da.

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Die Rollenverteilung zwischen Mutter und Tochter hat sich stark verschoben. "Heute bleibt Mama länger jung, sie wird immer mehr zur großen Schwester, zur besten Freundin. Sie nimmt sich die Tochter, die heutzutage früher erwachsen wird, als Vorbild und zwängt diese so in eine Rolle, der sie nicht gerecht werden kann", analysiert der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann und unterstreicht damit das Ergebnis einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung (Gewis). Mütter ziehen demnach immer öfter ihren weiblichen Nachwuchs zurate - in Mode-, Styling- und Coolness-Fragen.

Das allein wäre noch kein Problem. "Ungesund wird's dann, wenn das Aufblühen des Kindes die Mutter immer schmerzhafter an das eigene Älterwerden erinnert und sie irgendwann eine Konkurrentin wittert", sagt Familienpsychologin Annika Lohstroh. Beispiel Demi Moore, 46. Während ihre Tochter Rumer, 20, sich ganz natürlich entfaltet, schafft Mama das nur noch mit Unterstützung sündhaft teurer Beauty-Eingriffe. Dauerhaft kann sie trotzdem nichts gegen die Wachablösung tun. "Ich bekomme kaum noch Rollenangebote", klagt Demi immer wieder in Interviews. Rumers Karriere dagegen entwickelt sich prächtig: Allein 2009 spielt sie in drei Produktionen mit. Konflikte sind da programmiert. "Solange die Tochter in Sachen Erfolg und Schönheit noch im Schatten steht, ist alles in Ordnung. Überholt sie aber ihre Mutter, wird es für die immer schwerer, ihre Gefühle zu kontrollieren - bis es irgendwann kracht", analysiert Prof. Dr. Insa Fooken von der Uni Siegen, die über "Frauen im Alter" promoviert hat.

Wie gut, dass es auch prominente Mütter gibt, die ein entspanntes Verhältnis zu ihren aufblühenden Töchtern pflegen, sich nicht ständig mit ihnen vergleichen. Schöne Mütter, die freiwillig einen Schritt zurück treten und den Nachwuchs strahlen lassen, so wie Andie MacDowell und Jerry Hall. Hier sieht Psychologin Insa Fooken auch die Chance für Madonna, Demi & Co., um doch noch aus dem Wettstreit mit den Kindern auszubrechen: "Das Altern ist ein natürlicher Veränderungsprozess, den man annehmen muss. Auch wenn es manchmal wehtut. Schließlich kann man aber auch als reifere Frau schön sein, ohne sich unters Messer zu legen – vor allem dann, wenn man im Herzen jung bleibt."

gala.de


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