Moritz Bleibtreu: "Es ist nicht leicht, ein Vorbild zu sein"

Moritz Bleibtreu setzt bei seiner Vaterrolle auf Präsenz und "Liebe, Liebe, Liebe". Ein nachdenkliches Gespräch über Sehnsüchte, Werte und die verdammten Zigaretten

Moritz Bleibtreu

Der Wind pfeift kalt durch die Suite im fünften Stock des Berliner "Hyatt",

das Fenster ist weit geöffnet, es riecht nach Zigarettenrauch. , 40, sitzt in einem Sessel, leicht vornüber gebeugt und fixiert sein Gegenüber, hellwache Augen, herausfordernd. Der Schauspieler gibt nur selten private Interviews. Heute spricht er über seinen Film "Die vierte Macht" und über seine Familie. Auf dem Tisch vor ihm liegen ein Smartphone und zwei Schachteln Zigaretten, er wird sich während des Gesprächs einige davon anstecken. Das Fenster bleibt geöffnet.

In Ihrem neuen Film spielen Sie einen Szene-Reporter. Als Vorbereitung für die Rolle haben Sie uns einen Tag in der "Gala"-Redaktion besucht. Was haben Sie bei uns gelernt?

Ich habe gesehen, dass es unglaublich aufwendig ist, so ein Magazin zu machen. Man denkt ja vielleicht ganz blöd, dass da nur ein paar Fotos zusammengebastelt werden. Aber das ist richtig viel Arbeit.

In unserer Redaktionskonferenz haben Sie aus dem Stand eine Menge Vorschläge eingebracht. Lust, mal einen Tag Chefredakteur zu spielen?

Das nicht unbedingt. Aber Sie waren alle richtig beeindruckt und hätten mich am liebsten dabehalten, oder?

In dem Politthriller "Die vierte Macht" (jetzt im Kino) lernt Szenereporter Paul Jensen (Moritz Bleibtreu, M.) das Moskauer Part

In dem Politthriller "Die vierte Macht" (jetzt im Kino) lernt Szenereporter Paul Jensen (Moritz Bleibtreu, M.) das Moskauer Partyleben schätzen.

Klar! Aber in dem Film geht es nicht nur um die Macht des Journalismus, sondern auch um eine Vater-Sohn- Geschichte. Vor drei Jahren haben Sie und Ihre Freundin Annika einen Sohn bekommen, David. Was macht in Ihren Augen einen guten Vater aus?

Zu allererst muss man für sein Kind da sein, das ist ganz wichtig. Und dann geht es um Liebe, Liebe, Liebe. Ich habe festgestellt, dass man mit Worten gar nichts erreicht. Erziehung wird oft so verstanden, dass man den Kindern sagen muss, wo es langgeht. Das halte ich für völlig falsch. Wichtig ist nicht, was man sagt, sondern, was man tut. Man muss ein Vorbild sein.

Was tun Sie, um für Ihren Sohn ein Vorbild zu sein?

Vor allem versuche ich, in seiner Gegenwart nicht zu rauchen! Ich kann ihm ja schlecht beibringen, dass rauchen schlecht ist, und dann mache ich es selbst. Ich gebe zu, dass es nicht immer leicht ist, ein Vorbild zu sein. Oft muss ich mich zusammenreißen. Zum Beispiel finde ich, dass man sich morgens nach dem Aufstehen als erstes die Zähne putzen sollte. Manchmal ist mir allerdings mehr danach, erst mal in die Küche zu schlurfen, mir einen Kaffee zu kochen und mich aufs Sofa zu hauen. Das geht natürlich nicht! Denn ich will, dass mein Sohn lernt, dass man sich als erstes die Zähne putzt.

Sie haben sich ein Haus im Grünen gekauft, im Hamburger Speckgürtel. Klingt idyllisch.

Ja, ich hatte schon als Kind eine große Sehnsucht nach Bürgerlichkeit. Man will ja immer das, was man nicht hat. Meine Mutter (die 2009 gestorbene Schauspielerin ; Anm. d. Red.) und ich lebten kein Stück bürgerlich. Ich habe mir zum Beispiel gewünscht, dass wir mal zusammen ein warmes Mittagessen essen. Außerdem wollte ich immer ein Hemd von Lacoste haben. Meine Mutter fand es total blöd, dass so ein Hemd das Vielfache von anderen Hemden kostet, bloß weil da so ein doofes Krokodil draufgestickt ist. Ich wusste natürlich genau, dass ich sie damit auf die Palme bringen konnte.

Man findet Sie weder bei Facebook noch bei Twitter. Trotzdem haben Sie hier das neueste iPhone vor sich liegen. Wie passt das zusammen?

Aber ich finde es toll, was man mit so einem kleinen Ding machen kann. Ich nutze es für kreative Zwecke, mache damit Musik, drehe Filme. Früher brauchte man ein ganzes Studio dafür, immens viel Ausrüstung, heute kann jeder einfach selbst loslegen.

Haben Sie Ambitionen, selbst Regie zu führen?

Ich hoffe, dass ich noch in diesem Jahr meine erste große Regiearbeit beginnen kann. Mehr kann ich dazu leider noch nicht sagen, weil ich nicht weiß, ob es klappt.

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