Michelle Obama: Michelles Machtwort

Nach drei Jahren in Washington hat Michelle Obama ihren Platz in der zweiten Reihe verinnerlicht. Doch wenn's drauf ankommt, wie jetzt nach einer Buchveröffentlichung, geht die Frau des Präsidenten nach vorn

Tagelang hatte Michelle Obama still zur Kenntnis genommen,

was in einem neuen Buch und reichlich Kommentaren in der US-Presse über sie zu lesen ist. Ganz gegen ihr Naturell hatte sie geschwiegen. Irgendwann jedoch platzte ihr der Kragen: Die First Lady rief CBS-Reporterin Gayle King an, eine gute Freundin und bekennende Obama-Anhängerin, verabredete sich mit ihr zum Exklusiv- Interview im Weißen Haus. Und so verriet sie der Nation im Frühstücksfernsehen, dass sie die vielen Bücher über sie normalerweise nicht lese - doch was Jodi Kantor in "Die Obamas. Ein öffentliches Leben" über sie schreibe, könne sie so nicht stehen lassen. Sie sei alles andere als eine "zornige schwarze Frau". Die Hauptthese des Buchs: Das Leben im Zentrum des Washingtoner Politbetriebs ist ein Härtetest für die Ehe der Obamas. Seitdem die Familie am 20. Januar 2009 ins Weiße Haus einzog, lebe das Paar, das seit 20 Jahren verheiratet ist, im Spannungsfeld zwischen Amt und Liebe, Pflicht und Familie, gemeinsamen Idealen und politischen Notwendigkeiten. Michelle Obama wird stellenweise als extrem ehrgeizig geschildert, geradezu klischeehaft dem Bild der schwarzen Aufsteigerin entsprechend. Im Interview mit Gayle King beschrieb sie selbst sich dagegen so: "Ich versuche einfach nur, ich zu sein."

Michelle Obama mit Barack und ihren beiden Töchtern Sasha und Malia beim offiziellen Weihnachtsportait im Oval Office.

Offenbar um ihren Landsleuten das zu beweisen, eröffnete sie vergangene Woche einen eigenen Twitter-Account. Unter @MichelleObama gibt es nun Mitteilungen ihres Büros, unter der Abkürzung "mo" sogar von der First Lady persönlich verfasste Nachrichten. Etwa den Tipp: "Freier Tag morgen? Nutze ihn für einen ehrenamtlichen Beitrag in deiner Gemeinde!". Oder die Info "Wir haben zwei riesige 'iCarly'-Fans (eine US-Teenie-Serie, Anm. d. Red.) zu Hause und freuen uns, heute mit Soldatenkindern die Crew zu treffen." Die Frau des US-Präsidenten - unkompliziert, volksnah, patriotisch.

Eher kompliziert soll Michelle Obama laut Jodi Kantor dagegen zu Anfang der Präsidentschaft ihres Mannes gewesen sein. Die Autorin stützt sich auf ein Interview, das sie 2009 mit den Obamas führte, und auf Gespräche mit Mitarbeitern des Weißen Hauses. Nach dem Höhenflug des "Yes we can"-Wahlkampfs landete das moderne Paar unsanft auf dem Boden der Washingtoner Realität. Der Sitz des US-Staatsoberhaupts: eine Trutzburg, fest in der Hand von Hausangestellten, Geheimdienst und Militärs, die über Jahrzehnte ihre eigenen Regeln festgezurrt haben. Dazu gehört der mangelnde Austausch zwischen dem Westflügel - hier arbeitet der Präsident - und dem Ostflügel, in dem das Büro der First Lady liegt. Für Michelle und Barack Obama, die immer lebhafte Zwiegespräche geliebt hatten, denkbar ungünstige Startbedingungen.

"Die Obamas. Ein öffentliches Leben" von Jodi Kantor, Washington-Korrespondentin der "New York Times" (Droemer Verlag, 415 S., 17,99 Euro)

Familie und Job zu vereinbaren, quasi ein Credo der Obamas: Es schien sich nach dem Umzug von Chicago nach Washington schwer umsetzen zu lassen. "Die Stärken und Herausforderungen unserer Ehe ändern sich nicht, nur weil wir eine andere Adresse haben", ließ Michelle damals verlauten. Doch kam sie unangemeldet ins Oval Office, kanzelte ihr Ehemann sie durch- "Die Obamas. Ein öffentliches Leben" von Jodi Kantor, Washington-Korrespondentin der "New York Times" (Droemer Verlag, 415 S., 17,99 Euro) aus mal mit einer "Ich habe zu arbeiten"-Miene ab. Immerhin: Um 18.30 Uhr ging er fürs Abendessen hinauf in den ersten Stock. Nur zwei Mal pro Woche durften ihn seine Leute für Abendveranstaltungen aushäusig verplanen, so wie er es seinen beiden Mädchen versprochen hatte. Durch die Familienabende zu Hause versäumte es der Präsident nach Jodi Kantors Deutung, sein Netzwerk in Washington dichter zu spinnen. Man fühlt sich schnell einsam in dieser Welt: Obama ist rapide ergraut, hat seit Amtsantritt zehn Kilo abgenommen. Und Michelle Obama, die Harvard-Absolventin, lernte ein klassisches Problem von Politikergattinnen kennen. Jodi Kantor: "War es besser, ihren Mann auf mögliche Fehler anzusprechen, oder ihre Kritik für sich zu behalten? Ihr Mann steht unter Dauerbeschuss, war es da nicht ihre Aufgabe, ihm den Rücken zu stärken?"

Die First Lady wolle ihre Rolle perfekt ausfüllen, sich selbst aber nicht verlieren - die Liste der Scharmützel, die sie laut Jodi Kantor zu Beginn mit diversen Beratern ausfocht, ist lang. Heute hat sie ihr Terrain abgesteckt. Jenseits der Tagespolitik kümmert sie sich vor allem um Soldatenfamilien, und sie kämpft gegen Fettleibigkeit bei Kindern. Inzwischen hat sie ihren Platz in der zweiten Reihe verinnerlicht, wie ein "People"-Interview vom vergangenen Dezember zeigt: "Ich habe wirklich den besten Job im Weißen Haus - und das ist mir sehr bewusst." Dass sie anstrengend sei, wisse sie, sagte Michelle Obama beim 50. Geburtstag ihres Mannes im August 2011. Sie dankte ihm vor allen Gästen, dass er es mit ihr aushält. Obama wiederum sagt gern öffentlich, seine Frau sei klüger als er … Jodi Kantor bringt es in ihrem Buch mit diesem Zitat von Barack Obama auf den Punkt: "Ist Mama glücklich, sind wir es alle."

Bettina Klee

Barack Obama

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