Michael Mronz: Sein Leben nach dem Tod von Lebenspartner Guido Westerwelle

Vor über einem Jahr starb Ex-Bundesaußenminister und FDP-Spitzenpolitiker Guido Westerwelle. Sein langjähriger Lebenspartner und Vertrauter Michael Mronz spricht mit GALA über sein Leben nach dem Verlust.

Michael Mronz

Er wirkt entspannt. Obwohl um Michael Mronz, 50, herum das Chaos herrscht. Bauarbeiter verlegen in den VIP-Zelten Holzboden, Raupen planieren die Parkplätze. Die Vorbereitungen für das CHIO in Aachen, eine der größten Reitveranstaltungen der Welt (ab 14. Juli) laufen auf Hochtouren. Trotzdem nimmt sich der Geschäftsführer Zeit für GALA. 15 Monate nach dem Tod seines Ehemannes, dem Ex-Außenministers Guido Westerwelle (FDP), spricht er über sein Leben als Witwer. 

Drei Büros waren daran beteiligt, diesen Termin heute zu vereinbaren. Sie sind sehr beschäftigt...
Ich habe das Privileg, mich in eine Vielzahl von Themen einbringen zu dürfen. Mit manchen Dingen wie mit der Stiftung meines Mannes hätte ich mich lieber nicht beschäftigt. Natürlich gern im Austausch mit ihm, aber nicht in der Rolle, in der ich jetzt bin. Alle anderen Aufgaben mache ich mit Lust, die Stiftung auch, aber der Grund ist traurig. 

Sie sagen „mein Mann“. Wie beurteilen Sie die Entscheidung des Bundestags, die Ehe für alle zu öffnen? 
Die Entscheidung ist längst überfällig. Den Weg, der diese Woche gegangen wurde, finde ich aber nicht passend. 

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©RTL / Gala

Warum?
Weil es als Wahlkampfmanöver missbraucht wurde, obwohl es um das persönliche Glück der Menschen geht, um Respekt und Verantwortung, um eine Herzensfrage. Und den Kritikern wurde keine Möglichkeit gegeben, sich zu artikulieren.Und das ist gerade bei diesem Thema wichtig, auch wenn man die Kritik nicht teilt. Die Auseinandersetzung gehört zur Demokratie.  

Hat sich für Sie etwas geändert?
Vor Gott ist jeder Mensch gleich, egal ob er abends mit einer Frau oder einem Mann ins Bett geht. Homosexualität ist keine Frage von Erziehung. Für mich ist Guido mein Ehemann, und ich bin Guidos Ehemann. Aber es ist gut, dass es formal geklärt ist, vor allem im Hinblick auf das Adoptionsrecht. Liebevolle Erziehung ist keine Frage von Vater oder Mutter, sondern von der Einstellung der Eltern.. 

Begegnen Sie persönlich Vorurteilen?
Weniger. Mein Vorteil ist sicher, dass ich einen Partner hatte, der stark in der Öffentlichkeit stand. Gerade hat mich in New York ein junger deutscher Mann angesprochen, der sich bedanken wollte und sagte: 'Sie können sich gar nicht vorstellen, wie vielen Menschen Sie durch die Form, wie Sie mit Ihrem Mann gelebt haben, Stärke, Zuversicht und Rückhalt gegeben haben.' Er ist als 20-Jähriger zu seinen Eltern gegangen und hat gesagt, dass er schwul ist und ein Leben führen möchte wie Guido Westerwelle und Michael Mronz. Unaufgeregt und selbstverständlich. 

Sie waren mit kleinen Unterbrechungen seit Januar in den USA. Wie war der Aufenthalt?
Sehr inspirierend, speziell im beruflichen Bereich habe ich viele neue Einblicke bekommen. Vielleicht beteiligen wir uns als CHIO Aachen an einem Startup mit Datentracking. Dort liegt aus meiner Sicht ein Teil der Zukunft.

Welche Strategie verfolgen Sie für den CHIO?
Der CHIO hat seit 1924 eine große Tradition. Aber Tradition hat nur Wert, wenn man sie mit Innovation verbindet. Deshalb braucht man immer neue Ideen. Das war auch der Grund für die USA-Reise. Wo entwickelt sich der Sport hin? Wo können wir besser werden, wo innovativer? 

Welche Erkenntnisse haben Sie mitgebracht?
Das Thema der maximalen Distributionskanäle über Social Media Kanäle gewinnt an Bedeutung. Der Zuschauer informiert sich nicht mehr linear, sondern über viele Kanäle. Das müssen wir sportspezifisch anpassen, entwickeln und Content bieten. Das wird ein Schwerpunkt in den nächsten Jahren. Als CHIO Aachen haben wir eine sehr starke Marke mit sehr starken Partnern. Das ist unser Vorteil. 

Konnten Sie die Monate auch für sich nutzen?
Ich wollte eine private Auszeit. New York ist eine Stadt, in der man neugierig sein muss, offen für Neues. Ich habe mir Freiraum genommen, Dinge zu hinterfragen und besser zu verstehen. Deshalb war es auch privat eine gute Zeit für mich.

Guido Westerwelle ist noch sehr präsent in Ihrem Leben. Macht das die Trauerarbeit leichter oder erschwert es sie?
Guido und ich haben an vielen Stellen einen ähnlichen Kompass gefunden. Nur, weil er nicht mehr hier ist, ist der Kompass nicht falsch. Deshalb steht es für mich außer Frage, sein Andenken zu wahren. Was ich lernen muss, ist positiv damit um zu gehen. Sicher ist die Stiftung eine Möglichkeit, nach vorne gerichtet zu agieren, weil ich bei dieser Arbeit Guidos Wirken stark vor Augengeführt bekomme und meinen Beitrag leisten kann, seine Zielsetzung fortzuführen. Es gibt mir die Möglichkeit, jeden Tag in einer positiven Verbindung mit ihm zu stehen. 

War es Herzenswunsch oder Verpflichtung, diese Aufgabe zu übernehmen?
Wir haben uns stets über berufliche Dinge ausgetauscht aber nie Empfehlungen gegeben. Insofern habe ich mich nicht verpflichtet gefühlt. Für mich war die Kernfrage, ob ich mir das zutraue. 

Wie arbeitet die Stiftung?
Der Wunsch von Guido war es, das Unternehmertum in den Umbruchländern zu stärken. Wir haben zum einen das erste Gründerzentrum in Tunis gegründet, das nächste ist in Ruanda geplant. Guido hat Afrika immer als Kontinent der Chance gesehen. Der zweite Schwerpunkt ist das „Westerwelle Young Founders Programm“. Mit über 2300 Bewerbungen aus 142 Ländern hat sich die Zahl gegenüber 2016 verzehnfacht. 25 Jungunternehmer werden nun ausgewählt, sie nehmen an einer Young Founders Konferenz teil und werden durch Mentoring- und Coaching-Angebote unterstützt.

Wird der CHIO besonders emotional, weil Sie 2003 Guido Westerwelle hier kennengelernt haben?
Für mich ist jeder CHIO emotional, weil ich mit ganzem Herzen dabei bin. Natürlich ist es noch einmal was anderes, weil Guido und ich uns hier kennengelernt haben. Aber man muss eben auch lernen, die Orte der Gemeinsamkeit für sich zu schätzen und positiv mit ihnen umzugehen. 

Haben Sie nie überlegt alles hinter sich zu lassen und ein anderes Leben zu führen?
Das muss jeder Mensch für sich entscheiden. Ich würde mir nie die Arroganz herausnehmen zu sagen, wie man die Trauer verarbeiten muss. Das einzige, was aus meiner Sicht wichtig ist, dass man versuchen muss, nach vorne zu denken, dass nicht zu große Berge entstehen, die man irgendwann nicht mehr erklimmen kann. Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden. 

Sie haben auch der Verfilmung des Buches „Zwischen zwei Leben“ zugestimmt, das Guido Westerwelle nach seiner Krebs-Diagnose geschrieben hat.
Die UFA hat sich die Rechte gesichert. Dort ist man gerade dabei, sich mit Autoren auseinanderzusetzen. Wir sind im Austausch über die inhaltliche Übersetzung des Buches in eine Filmsprache. 

Haben Sie sich Mitsprache zusichern lassen?
Das war für die UFA, den Mitautor des Buches Dominik Wichmann und mich selbstverständlich. 

Ein weiteres großes Thema ist Ihr Konzept für eine Bewerbung der Rhein-Ruhr Region für die Olympischen Spiele, voraussichtlich 2032. Was gibt Ihnen Optimismus nach dem Aus in München und Hamburg?
Die Städte agieren hier in dem Bewusstsein, dass sie nur im Verbund als Region stark sind. Wir stellen uns die Frage, wie die vernetzte Mobilität und die Digitalisierung in zehn Jahren aussehen und wo die Jobs in der Zukunft sind. Diesen Prozess mit Olympischen Spielen zu beschleunigen und mit Nordrhein-Westfalen an der Spitze dieser Entwicklung zu sein, ist hochinteressant. Das sind die Themen, die wir in einem Olympia-Konzept gemeinsam mit der Politik lösen wollen. 

Warum ist die Region geeignet?
Sie ist an Sportstätten so kompakt wie keine andere in Europa, 80 Prozent der Arenen sind bereits vorhanden. Aber auch mit den beiden Flughäfen, den Hotelbetten und Messeflächen, bieten sich hier idealen Voraussetzungen. Ich glaube, dass wir am Ende mit dieser Konzeption erfolgreich sein können. 70 Prozent der Menschen in der Region sind dafür. 

Und Sie brennen dafür.
Ich bin total begeistert. Es gibt viele kritische Fragen, aber wenn ich mit den Menschen diskutiere, lerne ich viel dazu und sie sagen, das Konzept hört sich schlüssig an. Wir finanzieren das Konzept ohne Steuergeld als Initiative, die mitten aus der Gesellschaft kommt. CDU und FDP haben in den neuen Koalitionsvertrag aufgenommen, dass man das Projekt verfolgen möchte. Zusätzlich erfreulich ist, dass der Sport direkt beim Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei angesiedelt ist.]

Wo sehen Sie sich 2032?
Dann bin ich 65... (lacht) 

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