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Michael Kessler bei "Binge Reloaded" Warum er unbedingt Florian Silbereisen parodieren will

Michael Kessler
Michael Kessler
© Getty Images
Endlich ist "Switch Reloaded" zurück. Acht Jahre später heißt das Format "Binge Reloaded" und verspricht jede Menge Spaß auf Kosten unserer deutschen TV-Stars. Michael Kessler erklärt im GALA-Interview, warum wir solch eine Show unbedingt brauchen.

Acht Jahre lang mussten die Fans von "Switch Reloaded" auf die kultige Parodie-Sendung verzichten, jetzt ist sie zurück. Mit teilweise neuen Schauspielern und unter einem anderem Namen werden die deutschen Promis und TV-Formate wieder durch den Kakao gezogen.

"Binge Reloaded" heißt das neue "Swith Reloaded" und zumindest ER ist auch bei der Neuauflage abermals dabei: Michael Kessler, 53. Was ist anders? Welche Rollen erfahren ein Comeback? Und welche Gags sollte man heutzutage lieber bleiben lassen? Michael Kessler klärt uns im Interview mit GALA auf.

Michael Kessler: "Die Latte lag durch 'Switch Reloaded' sehr hoch"

Herr Kessler, wenn man sich die Kommentare zu dem Trailer von "Binge Reloaded" durchliest, wird klar: Die Leute freuen sich wahnsinnig darauf.

Ich werde ja schon seit dem Ende von "Switch Reloaded" immer wieder gefragt, wann es denn wieder neue Folgen gibt. Ich glaube zwar, dass Pausen Parodie-Formaten ganz gut tun, die sollten aber auch nicht zu lang werden. Irgendwann wird dann die Sehnsucht danach, dass das Fernsehen durch den Kakao gezogen wird, immer stärker. Politische Satire gibt es zum Beispiel bei "Extra 3" oder der "Heute-Show" schon länger. Der Rest, der sich durch das Fernsehen und die Medien treibt, ist in den letzten Jahren so davon gekommen. Deshalb wird es Zeit, sich denen mal wieder zu widmen.

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War Ihnen deshalb gleich klar, dass Sie auf jeden Fall bei "Binge Reloaded" dabei sein möchten?

Die Latte lag durch "Switch Reloaded" sehr hoch. Ich musste mir schon sicher sein, dass es noch besser werden könnte. Als dann klar war, dass dies auch das Ziel der Produktion ist, war ich mir sicher, mich wieder in dieses Abenteuer stürzen zu wollen. Alleine schon bei den Masken wurde noch einmal eine Schippe draufgelegt. Die sind weitaus aufwendiger als damals bei "Switch Reloaded".

Wie wichtig ist die Maske für Sie, um eine Rolle glaubhaft darstellen zu können?

Je näher eine Maske am Original ist, desto einfacher ist es auch, diesen Charakter zu spielen. Es gibt tatsächlich auch Momente, in denen die Maske nicht so gut gelingt. Tatsächlich wird dadurch das Spielen viel schwieriger.

"Florian Silbereisen ist eine ganz neue Figur geworden"

Michael Kessler als Florian Silbereisen in "Binge Relaoded"
Michael Kessler als Florian Silbereisen in "Binge Relaoded"
© RedSeven/FrankDicks

Können Sie schon verraten, welche Charaktere Sie übernehmen? Die meisten hoffen und warten wahrscheinlich auf Florian Silbereisen ...

Ja, der ist zum Glück wieder dabei. Florian Silbereisen ist so spannend, weil er sich seit "Switch Reloaded" sehr verändert hat und praktisch eine ganz neue Figur für mich geworden ist. Alleine optisch. Er zieht sich mittlerweile geschmackvoller an, färbt sich nicht mehr die Haare, ist trainierter, tätowiert und spricht auch mit einem speziellen Timbre. Er ist ruhiger geworden in Mimik und Gestik. Das alles fließt ein. Jetzt, wo er den "Traumschiff"-Kapitän spielt, musste ich einfach wieder zuschlagen.

Michael Kessler als Frank Buschmann in "Binge Reloaded"
Michael Kessler als Frank Buschmann in "Binge Reloaded"
© RedSeven/Frank Dicks

Eine weitere große Rolle für mich ist Kai Pflaume. Damals hat ihn Max Giermann gespielt, nun habe ich übernommen. Kai Pflaume ist als Moderator unglaublich präsent im deutschen Fernsehen, an ihm kommt man einfach nicht vorbei. Außerdem parodiere ich Frank Buschmann bei "Ninja Warrior". Eine Rolle, die mir großen Spaß bereitet, auch wenn ich dafür vier Stunden in der Maske sitzen musste und komplett zugeklebt wurde. Und auch Rea Garvey kommt wieder ...

Michael Kessler als Rea Garvey (rechts) mit Tahnee und Christian Schiffer in "Binge Reloaded"
Michael Kessler als Rea Garvey (rechts) mit Tahnee und Christian Schiffer in "Binge Reloaded"
© RedSeven

Mit Martin Klempnow ist ein weiteres "Switch"-Gesicht dabei. Alle anderen Kollegen sind neu. Braucht es Ihrer Meinung nach den frischen Wind im Ensemble?

Ich glaube schon. Gerade in der Parodie ist man durch das Alter oder die Physiognomie auf bestimmte Rollen begrenzt. Natürlich muss sich ein solches Format nach all den Jahren auch wieder verjüngen. Aber wir werden nun mal auch alle älter (lacht). Wir wollen ja aber auch junge Kollegen abbilden und dafür braucht es nun mal auch jüngere Schauspieler.

"Eine Satire-Sendung kann ruhig kratzen oder wehtun"

Haben sich auch Promis bei Ihnen gemeldet und gesagt "Bitte verschon mich!"?

Es ist eher andersrum – dass Promis durch die Blume oder auch ganz direkt fragen, ob man sie nicht mal parodieren wolle. Aber ich sag mal, man kann diese Rollen natürlich nicht bei uns bestellen (lacht). Also, wir entscheiden das schon sehr eigenständig.

Die meisten Promis, die heutzutage parodiert werden, nehmen es mit Humor. Ist Ihnen auch schon mal das Gegenteil passiert?

Mir persönlich bisher nicht. Aber ich erinnere mich daran, dass damals "Die Supernanny" Katharina Saalfrank das nicht so lustig fand. Sie war aber die einzige, die sich mal öffentlich darüber geäußert hat. Die meisten machen vielleicht auch gute Miene zum bösen Spiel. Aber es geht nicht darum, dass denen das gefällt, das ist nicht der Anspruch unserer Sendung. Es ist eine Satire-Sendung und das kann auch ruhig mal kratzen oder wehtun.

Und wenn man sich mal auf einer Veranstaltung begegnet?

Dann kann es auch schon mal zu einer kleinen Spannung oder Verunsicherung führen, natürlich (lacht). Aber das gehört eben dazu. Das müssen zum einen wir Schauspieler aushalten, aber auch die parodierten Prominenten.

Was hat sich seit "Switch Reloaded" in der Parodie verändert? Was "darf" man heute nicht mehr machen?

Das ist ein schwieriger Bereich. Es ist schon so, dass wir alle empfindlicher geworden sind. Selbstverständlich wollen wir niemanden diskriminieren. Aber man muss bedenken, wir machen Comedy.

Ich erinnere mich an einen Sketch bei "Switch Reloaded", als ich Stephen Hawking gespielt und mit Montserrat Caballé im Rollstuhl und mit Sprachcomputer den Song "Barcelona" gesungen habe. Das gab damals natürlich einen Aufschrei, wie ich es wagen kann, einen Menschen mit Behinderung so vorzuführen. Wir haben ihn nicht vorgeführt! Und es waren gerade die Menschen, die eine Behinderung haben, die sich bei uns gemeldet haben und diesen Sketch einfach super lustig fanden. Sie waren froh darüber, Teil der Comedy zu sein und nicht ausgegrenzt zu werden. Denn mal ehrlich, wenn wir Menschen mit einer Behinderung nicht in unseren Sketchen integrieren, wäre das für einige Leute sicherlich auch wieder eine Ausgrenzung. Also es wird immer schwieriger. Es gibt immer mehr Mienenfelder, in die man nicht treten darf.

Meine Meinung ist: Wir müssen auch noch eine gewisse Freiheit genießen und Wörter in den Mund nehmen dürfen, womit wir manchen Menschen vielleicht auf den Schlips treten. Sonst ist es das Ende von Satire, von Parodie, von der Kunst. Und das wollen wir ja alle nicht.

"Binge Reloaded" startet kommenden Freitag, den 4.12. auf Amazon Prime Video.

Verwendete Quellen:eigenes Interview

Gala


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