Michael Jackson Prozessauftakt mit Schrecken

In Los Angeles hat der Prozess gegen Michael Jacksons Leibarzt Dr. Conrad Murray begonnen - mit einem Schockmoment

Zweimal wurde der Prozess gegen Conrad Murray bereits verschoben, am gestrigen Dienstag (28. September) fand nun der Prozessauftakt mit den Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung statt.

Rund eineinhalb Stunden nahm sich Ankläger David Walgren Zeit, um den Vorwurf gegen Michael Jacksons Arzt zu unterstreichen: Dr. Murray habe den King of Pop mit Narkose- und Schlafmitteln zu Tode betäubt. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung.

Um diese deutlich zu machen, schreckte Walgren dann auch vor nichts zurück. Erstmals zeigte er ein Foto Jacksons auf dem Krankenhausbett im UCLA Medical Center: liegend, mit geschlossenen Augen, leichenblass. Ob Jackson zu diesem Zeitpunkt bereits tot oder noch am Leben war, bleibt unklar. Vielmehr diente das Bild, das das vermutlich letzte der Popikone ist, dazu, im krassen Gegensatz zu einer weiteren Abbildung Jacksons zu stehen, die kurz vorher gemacht worden war. Darauf probt er im Staples Center für seine bevorstehende Tour. Die Frage des Staatsanwalts: "Was passierte in den schätzungsweise zwölf Stunden zwischen den Proben und seinem Tod?"

Für den Staatsanwalt ist dafür allein Dr. Murray verantwortlich. Der Herzspezialist habe in vielerlei Hinsicht seine Sorgfaltspflicht verletzt, etwa, als er viel zu spät den Notarzt gerufen habe. Die Beweisführung werde zeigen, dass "Michael Jackson wortwörtlich sein Leben in die Hände von Conrad Murray gelegt hat", versicherte Walgren der Jury. Das "falsch gesetzte Vertrauen" habe dem Popstar letztlich sein Leben gekostet.

Diese Abhängigkeit und Hilflosigkeit Jacksons sollte auch die Tonbandaufzeichnung beweisen, die Walgren nur kurz danach abspielen liess. Darauf lallt ein offensichtlich von Drogen und Medikamenten benommener Michael Jackson: "Wir wollen phänomenal sein. Wenn die Leute die Show verlassen, dann sollen sie sagen, dass sie so etwas noch nie zuvor im Leben gesehen haben. Geht dahin, geht dahin. Es ist wunderbar. Er ist der größte Entertainer der Welt." Immer wieder stockt Jackson, immer wieder scheint er jeden Moment zusammenzubrechen.

Bei seinen Ausführungen räumte Verteidiger Ed Chernoff ein, Michael Jackson habe zwar besondere Probleme wie etwa Schlafstörungen gehabt und deshalb die Hilfe von Dr. Murray in Anspruch genommen. Dieser jedoch habe ihm keine Überdosis verabreicht - das soll Jackson selbst gewesen sein.

Während der Verhandlung blieb der Angeklagte beinahe regungslos. Hin und wieder machte er sich eine Notiz auf dem Schreibblock vor sich. Nur einmal wischte er sich verstohlen über das Gesicht, als sein Anwalt über seine erste Begegnung mit Michael Jackson berichtete. Angeblich soll Murray bei diesen Ausführungen geweint haben. Eine besondere Rolle wird spielen, ob er dem King of Pop das Mittel Propofol verabreicht hat. Dieses war im Blut des Sängers gefunden und für eine schwere Vergiftung verantwortlich gemacht worden.

Zum Auftakt der Gerichtsverhandlung waren sowohl Jacksons Eltern Katherine und Joe als auch seine Geschwister La Toya, Janet, Randy, Jermaine und Tito anwesend. Im weiteren Verlauf sollen seine Kinder Prince Michael und Paris ebenfalls kommen, sie sollen sogar aussagen.

Der Prozess gegen Conrad Murray ist von riesigem öffentlichen Interesse begleitet, wird live übertragen und kann sogar außerhalb der USA verfolgt werden, etwa auf CNN oder im Internet. Per Losverfahren können zudem Zuschauer im Gerichtssaal den Verhandlungen beiwohnen.

Auf einen Monat hat Richter Michael Pastor den Prozess gegen den Arzt angesetzt. Die Jury aus sieben Männern und fünf Frauen muss dann befinden, ob sie der Anklage folgen. Sollte Conrad Murray schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu vier Jahre Gefängnis.

smb

gala.de


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