Michael Fassbender: Let's talk about Sex ...

Im kontroversen Kinofilm "Shame" spielt Michael Fassbender einen Sexsüchtigen. "Gala" sprach mit ihm über Verführung, Intimität und Abhängigkeit

Michael Fassbender

An schlechten Tagen ist es eine ganze Packung, an guten raucht Michael Fassbender, 34, nur sieben Zigaretten.

"Meine Sucht!", scherzt der derzeit heißeste Star am Hollywood- Himmel und schließt das Fenster seiner Suite im Berliner "Regent". "Wir können auch auf Deutsch reden. Isch verstehe fast alles, nur spresche tue ich nich alles." Lieber nicht - zu kostbar ist die Zeit mit dem unfassbar gut aussehenden und sympathischen deutsch-irischen Schauspieler, der momentan mit dem Drama "Shame" und dem Thriller "Haywire" in den Kinos ist.

Gibt es außer Zigaretten noch etwas, wonach Sie süchtig sind?

Es geht im Leben immer um die richtige Balance. Wenn man das Gleichgewicht verliert, kann alles ausarten und zur Sucht werden. Deshalb muss man sich gut beobachten: Zigaretten? Ja. Alkohol? Klar genieße ich einen guten Drink. Arbeit? Auch da kann ich sehr obsessiv werden. Mein Motto ist, nie zu übertreiben.

Pietro Lombardi

Überraschungs-Auftritt ohne Käppi und im vornehmen Anzug

Pietro Lombardi ohne Käppi
Sportliche Kleidung und Käppi auf dem Kopf: So kennen wir Pietro normalerweise
©Gala

Keine Exzesse?

Doch, natürlich. Aber die haben Sie sicherlich auch manchmal, oder? Menschen sind schließlich neugierig. Man sollte sich aber immer seiner Handlungen bewusst sein und genau wissen, warum man den Exzess sucht.

Die Geschwister Brandon (Michael Fassbender) und Sissy (Carey Mulligan) verbindet und trennt zugleich eine schwierige Vergangenheit.

Sie spielen in "Shame" einen Sexsüchtigen. Wie nähert man sich so einer Rolle an?

Zuerst habe ich im Internet recherchiert: Wie viele Menschen sind davon betroffen, was heißt es wirklich? Dann habe ich mich mit Menschen getroffen, die sexsüchtig sind und therapiert werden. Besonders einer war da sehr hilfreich, weil er wirklich genau dieses Problem mit Nähe und Intimität hat.

Ist Ihnen persönlich Sexsucht komplett fremd?

Ja, weil ich jemand bin, der Intimität liebt und genießt. Wenn ich eine Beziehung habe, suche ich nach Nähe. Daher war es so wichtig mit jemandem zu reden, der das komplette Gegenteil von mir ist.

Was würden Sie als "gesunde Sexualität" bezeichnen?

Wenn beide Partner profitieren. Wenn sie einander bereichern und sich nicht fertig machen oder schwächen. Wenn man ein aktives Sexleben hat, muss man ja nicht zwingend sexsüchtig sein ... ( lacht) Das ist wie mit den Drinks nach der Arbeit. Oder wenn man eine gute Flasche Wein zu einem tollen Essen genießt. Das ist anders, wenn jemand morgens aufwacht und erst mal einen Kurzen trinken muss, um in Gang zu kommen.

Glauben Sie, dass wir heute Sex zu wichtig nehmen?

Es ist schon ein sehr greifbares Phänomen in unserer Gesellschaft. Ich habe Menschen getroffen, deren Leben komplett von Sex infiltriert war, die an nichts anderes mehr denken konnten.

Michael Douglas war Anfang der Neunzigerjahre einer der ersten, der seine Sexsucht öffentlich machte und sich behandeln ließ. Ist die Gefahr für einen Star größer?

Absolut! Man hat "access to excess", Zugang zum Exzess. Jederzeit. Wenn ich in eine Bar oder einen Club gehe, bekomme ich mehr Aufmerksamkeit. Nicht, weil ich so gut aussehe oder so charmant bin, da mache ich mir gar nichts vor ( lacht), sondern weil ich eine öffentliche Person bin. Es geht um Verführung und Glamour, die man mit mir wie mit anderen Hollywood-Stars und Musikern verbindet. Dadurch habe ich mehr Möglichkeiten.

Verlockungen lauern überall?

Natürlich! Ich laufe schließlich nicht mit einer kugelsicheren Weste rum. Ich muss aber wachsam bleiben und die Ablenkungen auf ein Minimum reduzieren. Man fängt an, dieses Glamour-Leben zu mögen. Bekommt Klamotten, für die man früher kein Geld hatte, plötzlich umsonst. Dann läuft man Gefahr, den Fokus zu verlieren.

Haben Sie Scham empfunden, als sie gefühlte zehn Mal nackt vor der Kamera Ihren Mann stehen mussten?

Nein. Ich schäme mich nur, wenn ich jemanden, der mir nahe steht, schlecht behandelt habe. Außerdem wäre ich ein Idiot zu glauben, einen Film über einen Sexsüchtigen zu drehen, ohne dass Nacktszenen vorkommen.

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2012

20. Dezember 2012: Zac Efron und Imogen Poots stehen gemeinsam für den Film "Are We Officially Dating" in New York vor der Kamer
12. Dezember 2012: Erschreckend authentisch verkörpert Matthew McConaughey in dem Film "The Dallas Buyers Club" den Aids-Kranken
11. Dezember 2012: Emmy Rossum steht für "You're Not You" vor der Kamera.
6. Dezember 2012: Während wir in Deutschland vor Kälte bibbern, drehen Courtney Cox und Josh Hopkins am Strand von Malibu eine F

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Sie sind zur Zeit wohl der am heißesten gehandelte Schauspieler Hollywoods - was bedeutet das für Sie?

Ich denke immer an die Worte von Marlon Brando: "Jeder Schauspieler ist draußen im Garten mit einem Hula-Hoop-Reifen. Mal sehen, wie lange er kreist. Vielleicht schafft er noch eine Runde, vielleicht auch nicht." Für mich ist das gerade die ultimative Chance. Nicht, weil sich jetzt alle um mich reißen, sondern weil ich mich weiterentwickeln kann, mit Regisseuren wie Steve McQueen, der mein Talent erkennt und mich fördert.

2011 haben Sie sechs Filme gedreht. Wie entspannen Sie?

Ich liebe Kartfahren. Für mich die perfekte Mischung aus Gefahr und Geschwindigkeit. Es hat was, so schnell wie möglich durch eine Kurve zu fahren, ohne die Kontrolle zu verlieren. Und es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Klingt zwar langweilig, aber mir gefällt das sehr. Oder ich schnappe mir mein Motorrad und mache einen Trip.

Wen nehmen Sie am liebsten mit auf den roten Teppich?

Es ist immer schön, meine Familie um mich zu haben. Meine Eltern haben vor einem Jahr ihr Restaurant aufgegeben und begleiten mich jetzt oft: nach Venedig, Amerika, Berlin. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Es ist wichtig, echte Menschen, die einem etwas bedeuten, um sich zu haben. Besonders wenn man so viel unterwegs ist wie ich.

Hili Ingenhoven

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