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Melania Trump Kann SIE First Lady?

Melania Trump
© Reuters
Melania Trump muss zeigen, dass sie mehr ist als hübsche Deko für den nächsten US-Präsidenten. Das wird nicht einfach nach Michelle Obama – und bei der taffen Konkurrenz in der eigenen Familie

Manchmal schminkt sie sich nicht, setzt eine Sonnenbrille auf, bindet ein Tuch ins lange Haar und zieht ihre ältesten Jeans an. Wenn Melania Trump dann im riesigen Penthouse des New Yorker Trump Towers in den Aufzug steigt, wissen ihre Angestellten: Die Chefin will etwas Ruhe. In zwei, drei Stunden wird sie zurückkehren, mit geröteten Wangen und guter Laune. Dann ist sie durch den Central Park spaziert, hat Menschen beobachtet und Bettlern ein paar Dollar zugesteckt, unerkannt und ganz allein. "Sie braucht diese Momente und liebt es, mal nicht hofiert und umsorgt zu werden", verrät ein guter Freund GALA.

Sie bleibt zunächst suspekt

Ausflüge, die sie in den kommenden vier Jahren als First Lady wohl nicht mehr machen kann. Die aber überraschende Einblicke bieten – deuten sie doch darauf hin, dass die 46-Jährige auch andere Facetten hat als die, die sie bisher in der Öffentlichkeit zeigte. Noch ist es leicht, sie nicht zu mögen. Allein ihr Ehemann Donald, 70, der gerade gewählte 45. Präsident der Vereinigten Staaten, macht Melania suspekt. Wie nur kann man sein Leben teilen mit einem größenwahnsinnigen, unberechenbaren Typen, der dazu noch eine peinliche Haartolle trägt?

Dann ihr harter Akzent und dieses unnahbare, neureiche Auftreten. Emporgestiegen aus dem Plattenbau im slowenischen Sevnica, eingenistet im goldenen Käfig. Schublade zu.

Hat sie doch einen zweiten Blick verdient?

Als First Lady wird sie Einfluss und einen eigenen Mitarbeiterstab haben. Neben First Daughter Ivanka, 35, für die der Vater vermutlich einen politischen Posten parat hat, und PR-Chefin Kellyanne Conway, 49, ist Melania die wichtigste Frau im Trump-Zirkel. "Pillow Influence" nennen die Amerikaner diese Art von Politik, wenn die Ehefrau dem Gatten auf dem Kopfkissen noch ein paar Ratschläge mit auf den Weg gibt.

Welche Rolle wird sie spielen?

Betty Winfield, renommierte US-Politikwissenschaftlerin, formuliert es so: "No one – yet anyone – elected her." Sie meint: Niemand hat Melania gewählt – und doch alle. Melania Trump wird als Präsidentengattin in die Geschichtsbücher eingehen wie die mehr als 40 Vorgängerinnen. Was aber wird man in einigen Jahrzehnten über die Immigrantin lesen, deren Dessous-Fotos aus den Anfängen ihrer Karriere zwar jeden Leberfleck preisgeben, die sonst aber rätselhaft wirkt, starr und ohne jede Mimik?

Eine leidenschaftliche Mutter

Sie selbst sieht sich in einer Reihe mit Jackie Kennedy, stellt aber auch Parallelen zu Michelle Obama fest, mit der sie vor allem die Rolle als leidenschaftliche Mutter gemeinsam habe. "Barron ist meine absolute Priorität", betont sie mit Blick auf ihren zehnjährigen Sohn. "Donald ist immer unterwegs, und ein Elternteil muss für den Jungen da sein." Eine hingebungsvolle Haltung, mit der sie neben ihrem Engagement gegen Cyber-Mobbing punkten könnte. Avanciert sie zur Mutter der Nation?

Macht sie sich eher als Stil-Ikone unsterblich? Oder doch als hübsches Dummchen lächerlich?

Ihrer intellektuellen, emanzipierten Vorgängerin Michelle Obama, einer Rechtsanwältin mit Harvard-Abschluss, wird sie kaum das Wasser reichen können. Und der Start war denkbar schlecht: Erst diese Wahlkampfrede, die nur Stunden später als Plagiat, ausgerechnet von Michelle Obama, entlarvt wurde, dann ein geschönter Lebenslauf. Nein, Melanias Mutter war nicht Modedesignerin, sondern Näherin. Und das angeblich abgeschlossene Architektur- und Designstudium in Ljubljana dauerte nur zwei Semester. Ob sie französisch, deutsch und spanisch spricht, wie es ebenfalls in ihrer Biografie auf der inzwischen gelöschten Homepage stand, wird sich bei den künftigen Staatsbesuchen zeigen.

Sie macht eine gute Figur

Außer Frage steht, dass sie mit dem Gardemaß von 1,80 Meter rein optisch an der Seite des Gatten eine sehr gute Figur machen wird. Die US-Designer werden sich darum reißen, sie auszustatten. Mode ist neben Tennis und Pilates ihr liebstes Hobby. Mit inzwischen sicherer Hand wählt sie Kreationen der teuersten Designer aus, am Wahlabend etwa einen raffiniert geschnittenen weißen Overall von Ralph Lauren, dem Lieblingsdesigner von Hillary Clinton, der demokratischen Widersacherin ihres Mannes …

Melanias Style

Signalrot gehört zu Melanias Lieblingsfarben. Das früher so geliebte Pink hat sie fast vollständig aus ihrem Kleiderschrank verbannt. "Sie hat keinen eigenen Stylisten und arbeitet auch nicht mit festen Modedesignern zusammen", so ihre Sprecherin. Melania wähle das, was ihr gefällt. Stapelweise Modemagazine liegen im Trumpschen Penthouse an der Fifth Avenue.

Für tolle Looks konnte sich schon die kleine Melania begeistern. Schulfreundinnen erinnern sich, dass sie ausgediente Kleidung zu neuen Kreationen umnähte. Ihre spätere Kommilitonin Petra Sedej erzählt GALA: "Melanias Hauptinteresse war damals Mode. Sie war sehr hübsch, hatte alle Möglichkeiten und wollte unbedingt als Foto- und Laufstegmodel erfolgreich werden."

Ihre Modelkarriere

Der Plan ging auf. Aufnahmen des Fotografen Stane Jerko brachte ihr internationale Aufmerksamkeit. Melania ging erst nach Mailand, dann nach New York, schaffte es auf die Titelseiten von "Elle", "Vogue" & Co. Eine Karriere, die ohne Ehrgeiz und Disziplin nicht möglich gewesen wäre. Partynächte? Affären? Fehlanzeige. Dafür eine zielorientierte Lebensweise, mit der sie perfekt in den machthungrigen Trump-Clan passt, der nun mit geballter Familienkraft an der Spitze Amerikas steht. Und die es ihr vermutlich erleichtert, in die neue Rolle zu schlüpfen.

Sie besitzt ganz andere Seiten

"Melania wird ihre Aufgabe meistern", sagt eine ihrer wenigen New Yorker Freundinnen. Sie habe immer die Erwartungen erfüllt, die andere an sie stellten. Artige Tochter, erfolgreiches Model, repräsentative Ehefrau, liebende Mutter. Ihre wahre Persönlichkeit jedoch habe sie unterdrückt. Auch ihr Lieblingsfriseur Mordechai Alvow hofft, dass seine prominente Kundin mehr aus sich herausgehen wird und sich so präsentiert, wie er sie bei seinen Stylingterminen erlebt. "Sie ist so liebenswert und witzig, einfach großartig", schwärmt er. Sie sei viel sanfter und wirke glücklicher, wenn keine Kameras um sie herum sind. Wenn Melania diese Seite auch in der Öffentlichkeit zeigen könne, würden die Amerikaner lernen, sie zu lieben.

Wird Ivanka Trump noch zur Konkurrenz für Melania?
Wird Ivanka Trump noch zur Konkurrenz für Melania?
© Reuters

Konkurrenz in der eigenen Familie

Allerdings wird Melania sich die Repräsentationspflichten mit Ivanka teilen müssen. Schon im Wahlkampf war die Mode-Unternehmerin, Trumps Tochter aus erster Ehe, wesentlich präsenter als ihre Stiefmutter. Zusammen mit Ehemann Jared Kushner, 35, gilt die dreifache Mutter als engste Vertraute ihres Vaters. "Sie ist ganz anders als Melania", sagt Alvow, der auch Ivanka frisiert. "Sie ist so straight und multitasking, weiß genau, was sie will." Eine mächtige Konkurrenz für Melania Trump in ihrer neuen Rolle.

Proteste gegen Trump

Derzeit sind die Amerikaner allerdings noch mehr mit ihrem neuen Präsidenten beschäftigt als mit dessen weiblicher Entourage. Mit Transparenten wie "Nicht mein Präsident!" demonstrieren viele von ihnen gegen den Republikaner, der am 20. Januar vereidigt wird. Melania absolvierte ihre ersten Auftritte nach der Wahl – ein Treffen mit dem scheidenden Präsidentenpaar Barack und Michelle Obama sowie ein TV-Interview – gewohnt makellos und unauffällig. So wie die Welt noch nicht einordnen kann, für welche Politik der neue US-Präsident stehen wird, so ist auch seine Frau ein wandelndes Fragezeichen.

Vom Trump Tower ins Weiße Haus

Bevor beide ihr Profil schärfen können, stehen jede Menge logistische Aufgaben an. Der Umzug von New York nach Washington, ins Weiße Haus, muss organisiert werden. 3.000 Mitarbeiter werden ausgetauscht. Wird der 16.000 Quadratmeter zählende Amtssitz jeder bisherigen Präsidentenfamilie als Märchenschloss erschienen sein, so muss es für die Trumps einem Abstieg gleichkommen, dort zu wohnen. Donald Trumps Vermögen wird auf 3,7 Milliarden Dollar geschätzt. Gerade gab er bekannt, dass er auf sein Präsidentengehalt verzichtet und nur einen symbolischen Dollar pro Jahr annehmen wird. Aber selbst die vollen Bezüge in Höhe von 400.000 Dollar wären nur Peanuts für ihn.

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Die vier privaten Etagen im Trump Tower hat er für 100 Millionen Dollar im Stil von Schloss Versailles einrichten lassen, mit Gemälden von Renoir und kostbaren Antiquitäten. Hier ist alles Gold, was glänzt, auch der Wasserhahn in der Gästetoilette. Luxus herrscht ebenfalls im Feriendomizil der Trumps in Mar-A-Lago, Florida, und im Landhaus, das in den Wäldern von Maryland gelegen ist. Auch Flüge im Privatjet und Fahrten in der Luxuslimousine sind für die Familie Tagesgeschäft.

Die Trumps zeigen sich bescheiden

Aufmotzen wollen sie das Weiße Haus trotzdem nicht. Ungewohnt bescheiden sagt Donald Trump: "Das ist ein spezieller Ort. Vielleicht ändern wir hier und da etwas, aber nicht viel."

Das müsse er mit seiner Frau besprechen. Und sicher noch viel mehr.

Tatjana Detloff, Mitarbeit: Andreas Renner, Andrea Schumacher, Lisa Siegle Gala

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