Max von Thun: "Mensch sein verpflichtet"

Er dürfte sich Graf nennen - macht er aber ganz bewusst nicht: Schauspieler Max von Thun über Klischee-Adelige, die Anerkennung durch seinen Vater und Authentizität im Fernsehen

Die letzten Nächte waren lang.

Premieren für "Rubbeldiekatz", dazu PR für den Historienfilm "Sommer der Gaukler", der jetzt ebenfalls im Kino läuft. Erst Berlin, dann Hamburg, Aftershowpartys inklusive. Nun sitzt Max von Thun um halb zwölf mittags in der Lobby des Hamburger "Hyatt" und bestellt erst mal Kräutertee und Kartoffelsuppe. Interessante Mischung. So wie dieser Typ: Er ist Schauspieler, dazu Musiker mit eigener Band - und er entstammt einem der ältesten Adelsgeschlechter Österreichs. Sein vollständiger Name: Maximilian Romedio Johann-Ernst Graf von Thun und Hohenstein.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre aristokratische Herkunft?

Adelig zu sein bedeutet mir nichts. Ich trage keinen Siegelring und auch keinen Titel. Das ist nicht meine Welt. Mir ist egal, ob ein Mensch einen Titel hat oder nicht.

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Haben Sie das schon immer so gesehen?

Ich habe mich früh ausgeklinkt aus der vermeintlich aristokratischen Welt. Weil ich gedacht habe: Die tragen doch alle handgemachte Lederschuhe, und wenn sie dann schnell auf einen Baum klettern wollen, können sie das gar nicht. Ich trage lieber Turnschuhe. Das war natürlich eine kindliche Sicht. Aber ich fühle mich wirklich nicht aristokratisch.

Was wäre schlecht daran?

Ich finde es irritierend, wenn man dieses Mondäne, was die Aristokratie im Klischee auszeichnet, heute noch versucht zu leben und zu vermitteln. Es ist halt einfach nicht meine Welt. Aber wer sich dafür interessiert - okay. Kleine Mädchen wollen halt Prinzessin sein.

In dem TV-Film "Ein weites Herz" spielt Max von Thun wieder an der Seite seines Vaters Friedrich.

Es heißt: Adel verpflichtet. Stimmt das?

Mensch sein verpflichtet, anständig zu sein. Das hat nichts mit dem Namen oder der Herkunft zu tun. Anständig zu sein sollte sich jeder auf die Fahne schreiben - das macht den Umgang miteinander angenehmer. Wenn man nun aber schon so pauschal denken will, dass Adel verpflichtet, kann man vielleicht sagen: In diesen Kreisen wird ein besonderer Fokus auf die Erziehung gelegt. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen.

In Ihrem nächsten TV-Film "Ein weites Herz" spielen Sie neben Ihrem Vater Friedrich von Thun. Ist der Druck da größer - für Sie oder für ihn?

Bei unserem letzten gemeinsamen Film 1997 ("Lamorte"; Anm. d. Red.) war das tatsächlich ein Thema. Damals war mein Vater nervöser als ich. Aus lauter Sorge, dass ich etwas falsch mache. Abends wollte er immer mit mir die Texte durchgehen, damit ich sicher werde. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Mittlerweile nimmt mich mein Vater als vollwertigen Kollegen wahr. Wir wollen beide gern zusammen drehen.

Max von Thun und Palina Rojinski bei der Premiere von "Rubbeldiekatz" in Berlin.

Ihre Leidenschaft für Musik war 2008 der Grund, in die Jury von "Deutschland sucht den Superstar" zu gehen. Sie haben sich jedoch mit Dieter Bohlen verkracht und die Sendung noch in der Casting-Phase verlassen. Wie sehen Sie das heute?

Das war eine erstaunlich kurze Erfahrung, die ich schnell abgehakt habe, weil sie mich nicht sonderlich verändert hat. Ich habe in keinster Weise das Gefühl, dass es falsch war, da rauszugehen.

Schauen Sie "DSDS" heute noch?

Nein.

Und "The Voice of Germany"?

Die Sendung finde ich großartig. Und sehr extrem, weil man nicht sieht, wer singt. Aber im Grunde geht es genau darum: Ob dick oder dünn, hübsch oder hässlich - die Musik muss das Herz berühren. Das finde ich authentisch.

Sehen Sie sich auch Doku-Soaps wie "Bauer sucht Frau" an?

Da bin ich tatsächlich schon einige Male fasziniert verstört hängen geblieben. Das ist so etwas Kurioses, so eine perverse Realsatire. Ich weiß nicht, wo die diese Bauern auftreiben. Ich bleib da hängen wie bei einem Unfall. Man müsste weitergehen, aber man guckt hin.

Nicht nur Bauern suchen Liebe ... Sie sind seit zweieinhalb Jahren mit der Modedesignerin Kim liiert, aber man sieht Sie kaum zusammen.

Das läuft sehr schön und gut und fühlt sich gut an. Unsere Beziehung ist nicht so publik, weil Kim erfrischenderweise kein Bedürfnis hat, in die Öffentlichkeit zu treten. Das ist mir sehr recht.

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Wir planen nicht, aber es ist nichts auszuschließen. Meine beiden kleinen Neffen haben mir Lust aufs Vatersein gemacht. Und von Freunden höre ich, dass es noch schöner ist, das eigene Kind im Arm zu halten.

Max von Thun ist zurzeit in zwei Kinofilmen zu sehen. Als Mozart-Librettist Emanuel Schikaneder brilliert er in Marcus H. Rosenmüllers "Sommer der Gaukler" (l. mit Lisa Maria Potthoff als Schikaneders Frau Eleonore). Wie vielseitig Thun ist, beweist er in "Rubbeldiekatz", Detlef Bucks Verwechslungskomödie mit Matthias Schweighöfer.

Tatjana Dettloff

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