Marlene Morreis über Hannelore Elsner: „Sie muss unter Schmerzen gearbeitet haben“

Hannelore Elsner lebte für die Schauspielerei - nun kommt ihr letzter Film ins Fernsehen. Im GALA-Interview erinnert sich ihre Filmtochter Marlene Morreis an die intensiven Dreharbeiten. 

Marlene Morreis und Hannelore Elsner

Nur noch fünf Szenen fehlten zur Vollendung des TV-Films "Lang lebe die Königin", als die Nachricht sich im Team verbreitete: Hauptdarstellerin Hannelore Elsner kehrt nicht mehr zu den Dreharbeiten zurück. Dann der Schock. Am 21. April 2019 starb die große deutsche Schauspielerin im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Ihr letzter Film wurde trotzdem fertig, auf ungewöhnliche Weise. Die Produktion bat fünf ebenfalls herausragende Schauspielerinnen, als Hommage je eine der verbliebenen Elsner-Szenen zu übernehmen: Iris Berben, Hannelore Hoger, Eva Mattes, Gisela Schneeberger und Judy Winter. Doch "Lang lebe die Königin" ist und bleibt ein Hannelore-Elsner-Film. Besonders ergreifend: Sie stellt eine Frau dar, die den Kampf gegen den Krebs verliert. Die Österreicherin Marlene Morreis, 43, die unter anderem schon in Erfolgsserien wie "Der Bergdoktor" und "Tatort" zu sehen war, spielt ihre Tochter.

Abschiede 2020

Um diese Stars trauern wir

18. Juni 2020: Claus Biederstaedt (91 Jahre)  Trauer in der deutschen Filmwelt: Der Schauspieler stand mit Romy Schneider und Heinz Rühmann vor der Kamera, in zahlreichen TV-Produktionen war er zu sehen, und seine Stimme lieh er dem legendären Marlon Brando. 
19. Juni 2020: Ian Holm (88 Jahre)  Die Filmografie des britischen Schauspieler ist lang und schillernd, an seiner Verkörperung des "Bilbo Beutlin" in der "Herr der Ringe"-Trilogie wird sich jedoch die ganze Welt erinnern. Ian Holm ist in London an den Folgen seiner Parkinson-Krankheit gestorben.
Carlos Ruiz Zafón
8. Juni 2020: Bonnie Pointer (69 Jahre)  Zusammen mit ihren drei Schwestern feierte die Sängerin mit ihrer Band "The Pointer Sisters in den 70er und 80er Jahren große Erfolge. Woran der Disco-Soul-Star überraschend verstorben ist, ist nicht bekannt.

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Marlene Morreis im Interview über Hannelore Elsner

GALA: Frau Morreis, kannten Sie Hannelore Elsner vor dem Dreh persönlich?

Marlene Morreis: Nein. Ich war vor dem ersten Zusammentreffen bei der Leseprobe sehr ehrfürchtig und angespannt. Hannelore Elsner war ja schon eine Hausnummer! Als sie dann ans Set kam, bin ich zu ihr hin und habe mich vorgestellt. Sie hat mich angeguckt und gesagt: "Ach, wie schön!" Das war's. Da wusste ich, ich muss mir überhaupt keine Sorgen oder Gedanken mehr machen.

Über Hannelore Elsner hieß es oft, sie sei eine Diva. Können Sie das bestätigen?

Überhaupt nicht. Mir ist nur aufgefallen, dass sie im Drehbuch oft die Wort- oder die Satzstellung verändert hat. Da war sie sehr genau. Ihr war es wichtig, dass ihr Text bis ins kleinste Detail für sie richtig formuliert war, sie hat sogar für einzelne Wörter gekämpft! Das hat manchmal ein bisschen Zeit gekostet, aber mit divenhaftem Verhalten hatte das nichts zu tun.

Wie war Ihr Umgang miteinander?

Total schön. Wir hatten einen sehr respektvollen Umgang. Frau Elsner war sehr gut vorbereitet und hatte total viel Lust auf den Film, das hat sie mir gesagt. Und auch, dass sie nicht versteht, warum ausgerechnet sie für diese Rolle besetzt wurde. Sie fand die Mutter im Film viel zu biestig und gemein.

Sie war beim Dreh sehr krank. Haben Sie ihr etwas angemerkt?

Da wir uns vorher nicht kannten, hatte ich ja keinen Vergleich, wie sie sonst ist. In den Mittagspausen hat sie sich zurückgezogen, aber das machen viele so. Und dass man mit 76 nach einem langen Drehtag abends kaputt und schlapp ist, das ist normal. Das bin ich ja sogar schon.

"Dann hieß es, sie sei länger krank"

Wie liefen die allerletzten Arbeitstage ab?

Wir drehten gerade die Szenen im Familienhaus. Es war an einem Dienstag. Sie hätte kommen sollen, kam aber nicht. Also haben wir andere Szenen vorgezogen. Am Mittwoch wollten wir die Szenen mit ihr nachdrehen, aber es kam wieder die Nachricht, dass sie nicht kommt. Am Donnerstag hieß es dann, sie sei länger krank. Wir mussten den Dreh abbrechen, denn alle verbliebenen Szenen wären mit ihr gewesen. Zweieinhalb Wochen später haben wir dann erfahren, dass sie gestorben ist.

Wie war das für Sie?

Unfassbar. Wir wussten zwar inzwischen, dass sie im Krankenhaus war, aber nicht genau warum. In dem Alter kann das ja mal passieren. Die Todesnachricht war ein Schock für das gesamte Team. Sie muss unter Schmerzen gearbeitet haben.

Trauerfeier für Hannelore Elsner

Stars nehmen Abschied von der Film-Ikone

Vor Beginn der öffentlichen Trauerfeier für Hannelore Elsner warten Passanten und Medienvertreter vor der Münchner Kirche St. Michael. Die beliebte Schauspielerin war am 21. April 2019 in der bayerischen Hauptstadt nach kurzer, schwerer Krankheit 76-jährig gestorben.
Filmkollege Florian David Fitz wird in der Kirche eine der Trauerreden halten.
Mit farbenfrohen Blüten und prächtigen Trauerkränzen ist die Kirche für die Trauerfeier geschmückt.
Elmar Wepper ist mit seiner Frau Anita zur öffentlichen Trauerfeier gekommen.

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Welche Szene haben Sie zuletzt mit ihr gedreht?

Das war tatsächlich auch noch die Szene im Krankenhaus, in der Mutter und Tochter klar ist, dass sie sich nie wiedersehen werden. Wir haben diese Szene zwei- oder dreimal gedreht. Sie ist sehr intensiv, forderte viel Kraft. Später wurde mir klar: Die Realität hat den Film eingeholt.

Haben Sie beide auch privat mal über das Thema Tod gesprochen?

Ich habe sie mal gefragt, wie es für sie ist, im Film zu sterben, weil das für mich immer eine gruselige Vorstellung ist. Ich bin erst einmal im Film gestorben. Aber da wurde ich erschossen, weil ich die Böse war, das ist dann doch etwas anderes. (lacht) Hannelore Elsner hat mir ohne Pathos und ohne Schwere geantwortet: "Lieber im Film sterben als im richtigen Leben." Sie meinte dann noch, sie sei ja schon öfter in Filmen gestorben, das sei für sie nichts Ungewöhnliches. Der Satz hat heute natürlich eine ganz andere Bedeutung.

"Sie hat für das Drehen gelebt"

Was meinen Sie: Warum hat Hannelore Elsner ihre Krankheit verheimlicht?

Ich vermute, sie wollte einfach arbeiten. Die Frage ist, ob man das zugelassen hätte, wenn man von ihrem Zustand gewusst hätte. Sie hat für das Drehen gelebt, sie wollte unbedingt drehen! Und dieser Film lag ihr sehr am Herzen. Vielleicht gerade wegen der Thematik.

Hätten Sie ihr im Nachhinein gern noch etwas gesagt?

Ich bin ein Mensch, der am liebsten in der Gegenwart lebt und nicht über die Vergangenheit nachdenkt. Vielleicht hätte ich ihr gern noch gesagt, dass ich es wahnsinnig toll fand, mit ihr zu arbeiten. Aber ich glaube, sie wusste das auch so. Sie hat das gespürt - wir hatten eine gute Verbindung.

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