Marissa Mayer: Diese Frau schreibt Geschichte

Die Informatikerin Marissa Mayer hat den Chefposten bei "Yahoo" übernommen - hochschwanger. Damit löste sie eine neue Debatte über das Thema "Kind und Karriere" aus

Marissa Mayer

Sie hat zwei Aufgaben zu lösen.

Die leichtere davon ist, "Yahoo" zu sanieren, dieses gigantische Internet-Unternehmen, das seit Jahren kränkelt. Der Umsatz stagniert, der Gewinn bröckelt, sieben Chefs kamen und gingen in fünf Jahren. Und trotzdem ist die zweite Aufgabe für Marissa Mayer ungleich spannender. Denn sie muss beweisen, dass eine junge Frau gleichzeitig eine Riesenfirma führen, ein Baby bekommen und später eine gute Mutter sein kann. Mayer ist im siebten Monat schwanger, die 37-Jährige und Zack Bogue, seit Dezember 2009 ihr Ehemann, erwarten Anfang Oktober ihr erstes Kind, einen Sohn.

Herzogin Catherine

Hier plaudert Prinz William ihre Lieblingssendung aus

Prinz William und Herzogin Catherine
Ups, wer hat denn da ein Insider-Geheimnis verraten? Prinz William hat auf einem Termin erzählt, zu welcher Sendung seine Frau Herzogin Catherine gerne vor dem Fernseher entspannt.
©Gala

"Wenn sie Erfolg hat, ist das ein Durchbruch für alle Frauen", sagte der amerikanische Unternehmensstratege Kevin Coyne zu "wallstreetjournal.de". Er verleiht Mayers Mission geradezu historische Bedeutung: "Frauen werden noch in Jahrzehnten von ihr sprechen." Dass diese Personalie - Mayer ist seit vergangener Woche Vorstandsvorsitzende von "Yahoo" und damit Chefin von 14000 Mitarbeitern - ein immens großes Medien-Echo fand, ist vor allem ihrem immer runder werdenden Bauch zu verdanken. Denn auch wenn ihr Wechsel von Konkurrent Google in der Internet-Branche für reichlich Wirbel gesorgt hat, ohne die brisante Baby-News hätte sich für diese Nachricht wohl nur die Fachpresse interessiert.

In einer Arbeitswelt voller Vorstandsetagen, in denen etwa in Deutschland der Frauenanteil in den 200 größten Unternehmen nur 2,5 Prozent beträgt, sind schwangere Frauen auch 2012 immer noch eine Rarität. Dass Mayers "andere Umstände" bei ihrer Einstellung offenbar keine Rolle gespielt haben, könnte tatsächlich ein Meilenstein für den Feminismus werden. "Für den 'Yahoo'-Vorstand war die Schwangerschaft kein Thema", so Gayle Tzemach Lemmon, die Frauenbeauftragte des Unternehmens. Mayer selbst hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt: "Ich war total aufgeregt und habe dem Headhunter gleich erzählt, dass ich ein Baby erwarte", erinnert sie sich an diesen 18. Juni, den Tag, an dem sie per Anruf das Jobangebot bekam.

Sie hätte ablehnen und sich weiter als Geschäftsführerin bei Google um die Produktentwicklung kümmern können. Eine ausgedehnte Babypause hätten ihr alle Kollegen gegönnt, auch Chef Larry Page, mit dem sie mal liiert war. Dreizehn Jahre arbeitete sie bei dem heutigen Marktführer, hat die Firma als Mitarbeiterin Nr. 20 mit aufgebaut, das Design geprägt und Bereiche wie Street View oder Google Maps verantwortet. Diese Aufgabe hat ihr ein Vermögen von 300 Millionen Dollar beschert, den 48. Platz auf der Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt und die Hochachtung aller Geeks, wie sich die meist männlichen Computerspezialisten in Silicon Valley selbst nennen.

Wie viele Frauen würden sich angesichts dieser Privilegien nun mit voller Kraft der neuen Rolle hingeben: Mutter! Mayer aber hat andere Pläne. "Ich liebe es, meinen Rhythmus beizubehalten. Ich werde nur wenige Wochen in Mutterschutz gehen und auch in dieser Zeit arbeiten", sagte sie jüngst in einem Interview. Kühl, klar, analytisch, wie es ihre Art ist. Dass es nicht einfach werden wird, zeitgleich ein Unternehmen zu retten und ein Baby zu bekommen, wird ihr klar sein. Aber jetzt Schwäche zu zeigen wäre ein fatales Signal, das weiß die hochintelligente Frau aus Wisconsin mit Abschlüssen in Informatik und künstlicher Intelligenz an der Stanford-Universität.

Stars + Familie

Mama ist die Beste

Christy Turlington und ihre Mutter genießen eine Auszeit am Atitlán-See in Guatemala. Das Reisen liegt der Familie im Blut: Das Supermodel wuchs als Tochter der Flugbegleiterin María Elizabeth und des Piloten Dwain Turlington auf.
Wellnesstag mit Mama Crawford: Supermodel Cindy freut sich, einen entspannten Tag mit ihrer Mutter Jennifer Sue im Bademantel verbringen zu können. Und ihre eigene Tochter Kaia war auch dabei, um die drei Generationen komplett zu machen.
Da freuen sich zwei mit demselben unverkennbaren Lächeln: Mama Judy ist zu Besuch bei Superstar Pink. 
Drei Generationen Frauen-Power vereint auf einem Bild: Gwyneth Paltrow, Mama Blythe Danner und Tochter Apple Martin sind ein schönes Gespann.

308

Die Pro- und Kontra-Argumente aufzulisten, wie es sonst bei Entscheidungen ihre Spezialität ist, überlässt sie diesmal den unzähligen Frauen, die ihren "Fall" in den Internet-Foren diskutieren. Die sie entweder als Vorbild für künftige Karrierefrauen vergöttern. Oder als Rabenmutter in spe verachten. Ob Marissa Mayer wisse, wie wichtig der innige Kontakt zwischen Mutter und Kind in den ersten Monaten sei, wird da gefragt. Ob sie es über das Herz bringen werde, ihr fieberndes Baby einer Nanny zu überlassen. Der alte Kampf zwischen den Verfechterinnen unterschiedlicher Rollenmodelle ist wieder aufgelebt, mit dem die Frauen selbst sich das Leben schwer machen.

Blond attraktiv und bald Mutter. Von ihrem neuen Arbeitgeber "Yahoo" bekam Marissa Mayer Babyausstattung mit dem Firmenlogo geschenkt.

Während die Männer fast ängstlich um politische Korrektheit bemüht sind, reaktivierten viele Frauen das Thema "Kind und Karriere" in den vergangenen Wochen wieder verstärkt. Vor allem ein Essay im US-Magazin "The Atlantic" hat die Diskussion befeuert: Unter der Überschrift "Warum Frauen immer noch nicht alles haben können" schreibt Anne-Marie Slaughter, ehemalige Beraterin von US-Außenministerin Hillary Clinton, warum sie für ihre halbwüchsigen Söhne den Job aufgegeben hat (s. Kasten). Eine ebenso kluge wie emotionale Schilderung, die vermutlich auch Marissa Mayer nachdenklich gemacht hat.

Vielleicht aber sollte man einfach das Vertrauen in sie setzen, dass sie ihre ganz eigene Methode finden wird, mit der Doppelbelastung umzugehen. Vertrauen in eine Frau, die ohnehin in keine Schublade passt. Wie ein Paradiesvogel flattert sie durch die Männerwelt des Internets, die gerade durch eine neue Generation von Frauen wie Sheryl Sandberg bei Facebook (s. Kasten) aufgemischt wird. Blond, attraktiv, bevorzugt in knallfarbene Outfits von Oscar de La Renta gekleidet, widerspricht Marissa Mayer jedem Klischee. Die überraschend tiefe Stimme und das kehlige Lachen sind ebenso ihre Markenzeichen wie die vielen Tabellen, die sie akribisch zu jedem Thema anfertigt. Sie liebt Luxus und moderne Kunst, etwa von Roy Lichtenstein und Andy Warhol, lebt mit ihrem Mann, einem schwerreichen Anwalt und Immobilienmakler, in einem noblen Apartment im 38. Stock über dem Hotel "Four Seasons" in San Francisco.

Ihre Beauty-Termine im Day-Spa "La Belle" plant sie genauso minutiös wie die Sitzungen des Aufsichtsrats von Walmart, in den sie vor zwei Monaten berufen wurde. Ihr Vermögen investiert sie in Start-ups, darunter auch eine Cupcake-Konditorei. Als strategisch und analytisch bezeichnen Wegbegleiter sie, als hart gegen sich selbst und andere und bisweilen auch autoritär. Sie alle würdigen die Kreativität und den Innovationsgeist der Ingenieurin. Eigenschaften, mit denen sie nun auch "Yahoo" wieder auf Trab bringen soll und die gut bezahlt werden: 120 Millionen Dollar wird sie in den kommenden fünf Jahren verdienen, ein Aktienpaket und Boni inklusive.

Branchen-Insider sagen, ihre wichtigste Aufgabe sei es, dem Unternehmen, das weltweit 700 Millionen Nutzer hat und zu dessen Diensten neben der bekannten Suchmaschine etwa Mail-Accounts und eine Jobbörse gehören, wieder eine Vision zu geben. Wenn sie das in den nächsten Wochen schafft und sich einen funktionierenden Vorstand zusammenstellt, könne sie auch in Ruhe ihr Kind kriegen. Allein die Nachricht von ihrer Verpflichtung hat "Yahoo" beflügelt, die Aktien stiegen kurzfristig um zwei Prozent. In den ersten Tagen jedenfalls hat Mayer Fingerspitzengefühl bewiesen. In einer E-Mail an alle "Yahoos" motiviert sie die Mitarbeiter, "auch in diesen schweren Zeiten durchzuhalten", und ermuntert sie, sich einzubringen: "Ich kann es nicht erwarten, eure Ideen für die Zukunft von 'Yahoo' zu hören", schreibt sie und lädt alle ein. "Bitte kommt in mein Büro in Haus D, dritte Etage und sagt Hallo."

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche