Marijke Amado: "Ich hätte es keine Sekunde länger ausgehalten"

Marijke Amado wurde Opfer häuslicher Gewalt. Mit GALA spricht die beliebte Entertainerin erstmals über diese schlimme Zeit - und wie sie zurück ins Leben fand. 

Sie trägt ihr Herz auf der Zunge. Und obwohl es ihr gelingt, ganz sachlich über die Vergangenheit zu sprechen, merkt man Marijke Amado, 66, an, dass ihr das nicht leichtfällt. In zwei Beziehungen wurde sie von ihren Partnern geschlagen. Mit diesem offenen Gespräch unterstützt die Kult-Moderatorin nun die Initiative #SICHERHEIM, welche von der UFA, der Agentur Die Botschaft sowie der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch Gruner + Jahr gehört, ins Leben gerufen wurde. 

Marijke Amado im GALA-Interview

GALA: Frau Amado, Sie finden den Mut zu sagen: Auch ich wurde Opfer häuslicher Gewalt. Wie kam es zu Ihrem Entschluss?

Marijke Amado: Die Zeitungen sind voll mit Meldungen zu dem Thema. Durch Corona mussten wir alle zu Hause bleiben, doch das eigene Heim kann ein gefährlicher Ort sein. Ich finde es wichtig, dass bekannte Persönlichkeiten nun sagen: Auch wir haben häusliche Gewalt erlebt, und wir wollen euch, den Opfern, Mut machen, euer Leben in die Hand zu nehmen. Wir müssen offen darüber sprechen, uns gegenseitig unterstützen - und wir dürfen falscher Scham keine Chance bieten. Ich will Frauen erzählen, was die Übergriffe mit mir gemacht haben und wie ich durch diese schwere Zeit gekommen bin.

Tragische Schicksalsschläge

Auch Stars werden vom Leben hart getroffen

8. Juli 2020  Herzzerreißender könnte ein Posting kaum sein: "Glee"-Star Naya Rivera verschwand bei einem Bootsausflug mit ihrem 4-jährigen Sohn, wenige Stunden zuvor teilte sie auf Instagram noch dieses Bild mit dem Kommentar" Nur wir zwei". Mittlerweile hat die Polizei die Hoffnung aufgegeben, die Schauspielerin lebend zu finden. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt der Familie.
20. Juni 2020  Noch ein Schicksalsschlag für die Familie von Kimberly und James van der Beek: Nach einer Fehlgeburt im November des Vorjahres, behielten der Schauspieler und seine Frau die erneute Schwangerschaft vorerst geheim. In der 17. Woche erlitt Kimberly jedoch eine erneute Fehlgeburt. James teilte dieses traurige Bild mit seinen Instagram-Fans.
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Was genau ist Ihnen passiert?

Ich musste häusliche Gewalt zweimal erfahren. Das erste Mal vor etwa 30, das zweite Mal vor 15 Jahren. Bei beiden Männern, mit denen ich zu dieser Zeit jeweils zusammenlebte, war es so, dass ich hinter Dinge kam, die sie mir verheimlichten. Und als die Karten auf den Tisch gelegt wurden, flippten sie aus. Wie ein Kurzschluss im Gehirn. Beim ersten Mal war es so gravierend, dass ich ins Krankenhaus musste. Der Mann ist unter Alkohol durchgedreht und war nicht mehr zu stoppen. Mein Körper war blau. Doch das Schlimmste waren nicht die körperlichen Schmerzen, sondern die seelischen.

Wie ging es weiter?

Einige haben versucht, es unter den Teppich zu kehren. Ich erinnere mich, wie der Arzt zu mir sagte: "Wollen Sie ihn wirklich anzeigen? Versuchen Sie es lieber noch mal miteinander." Selbst die männliche Verwandtschaft war der Meinung: "Das kann doch mal passieren." Für mich war das ungeheuerlich. Ich habe zwar beide Männer nicht angezeigt, aber ich habe sie sofort verlassen. Ich hätte es keine Sekunde länger mit ihnen ausgehalten.

"Meine Freundinnen und Schwester haben mich aufgefangen"

Hatten Sie auch Angst davor zu gehen?

Natürlich hatte ich Angst. Man ist ja nicht umsonst mit jemandem zusammen. Ich wollte den Rest meines Lebens mit dem Mann verbringen, mit dem ich liiert war. Ich hatte das Glück, dass meine Freundinnen und meine Schwester mich aufgefangen haben. Wie mag das für die Frauen sein, die gerade jetzt in einer solch schlimmen Situation sind? Wir dürfen uns zurzeit nicht umarmen, um uns zu trösten. Wir können nicht so schnell von zu Hause ausziehen. Und trotzdem rate ich jeder Frau: Geh sofort! Denn wer einmal die Hand gegen dich erhebt, wird es wieder tun. Es wurde eine Grenze überschritten, für die es keine Entschuldigung gibt.

Gab es noch ein Gespräch zwischen Ihnen und einem der Männer?

Ja, mit beiden. Allerdings nur, weil ich das Gespräch gesucht habe.

Wie haben sie reagiert?

Unterschiedlich. Der erste hatte sich ohnehin von mir erwischt gefühlt. Für ihn war klar: Danach ist Schluss. Der andere schien sehr betroffen. Ich habe beide danach nie wieder gesehen.

Sie haben einen Sohn, der jetzt 34 ist. Hat er diese Übergriffe miterlebt?

Glücklicherweise nicht.

Haben Sie mit ihm darüber gesprochen?

Ja. Das war auch gut. Er wird sein Leben mit Frauen teilen. Durch alles, was mir passiert ist, hat er einen großen Respekt für Frauen bekommen. Ich glaube, es ist eine Aufgabe für uns Mütter, unsere Kinder so zu erziehen. Es gibt noch immer zu viele Idioten!

"Es braucht viel Kraft und Mut" 

Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, zurück ins Leben zu finden?

Das ging ruck, zuck. Mir hat meine Arbeit geholfen. So konnte ich an andere Dinge denken.

Haben Sie Hilfe in Form einer Therapie gesucht?

Ich habe sehr viel ausprobiert. Nicht nur deswegen, sondern auch, weil ich eine alleinerziehende Mutter in der harten Welt des Showbusiness war. Ich habe viele Coachings gemacht, um Dinge in meinem Leben auf die Reihe zu bekommen. Das hat mir immer gut getan: Man schaut tief in sich hinein und räumt dann lecker auf. (lacht)

Wie offen können Sie heute mit der Gewalt umgehen, die Sie erfahren haben?

Ich habe lange nicht mehr darüber gesprochen. Erst wieder in meiner YouTube-Sendung "Lasst uns reden, Mädels". Danach war ich eine Stunde spazieren und habe auch ein Ründchen geheult. Das befreit. Es braucht viel Kraft und Mut, seelische Schmerzen und Erniedrigungen zu verarbeiten. Mein Humor hat mich immer getragen. Und das Wissen, dass es so viele schöne Dinge auf dieser Welt gibt, weshalb es mir gelungen ist, diese Erfahrungen nicht zum Hauptteil meines Lebens werden zu lassen. Ich habe mein Glück wiedergefunden.

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