Maria Shriver: Zwei Frauen, ein Schicksal

Maria Shriver und Anne Sinclair stehen vor einem Scherbenhaufen. Gala-Autorin Tatjana Detloff beschreibt, wie unterschiedlich die beiden Ehefrauen damit umgehen

Wenn die schlimmsten Wunden

verheilt sind, in ein paar Jahren vielleicht, sollten sich Maria Shriver, 55, und Anne Sinclair, 61, einmal treffen. Und man kann ihnen nur wünschen, dass dann keine Tränen mehr fließen, wenn sie bei einem Glas Champagner über ihre Männer sprechen. Über Arnold Schwarzenegger, 63, und Dominique Strauss-Kahn, 62, die beiden Politiker, die derzeit mit ihren Sexkapaden die Weltpresse beherrschen und ihren Ehefrauen die wohl schwerste Zeit ihres Lebens bescheren. Zwei Frauen, die sich äußerst ähnlich sind: Beide aus bestem Hause, beide mit eigenem Vermögen, beide ehemals erfolgreiche Journalistinnen, die ihre eigene Karriere für die der Ehemänner aufgaben. Und beide Gattinnen, die ihre Männer wie Löwinnen verteidigten, wenn es mal wieder Seitensprunggerüchte gab. Jetzt stehen sie vor den Trümmern vieler Lebensjahre - und gehen doch ganz unterschiedlich damit um.

Seitensprung

Prominente Fremdgänger

Als Maria Shriver im November 2010 mit Arnold Schwarzenegger abgelichtet wird, ahnt sie noch nicht dass ihr Mann sie seit Jahren
22. Oktober 2010: Tony Parker und Eva Longoria freuen sich, bei der "Rally For Kids With Cancer" in Hollywood dabei zu sein.
Der Scheidungsgrund soll Erin Barry heißen.
Im Oktober 2009 die ersten Gerüchte, im Mai 2010 gesteht es: "Bones"-Star David Boreanaz gibt öffentlich zu, seine Frau Jaime Be

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Shriver, am Boden zerstört, scheint sich endgültig abzuwenden von ihrem Mann, dem Vater der gemeinsamen vier Kinder. Nachdem sie außer diversen Seitensprüngen auch noch herausgefunden hat, dass er der Vater von Joseph, dem 13-jährigen Sohn der Haushälterin Mildred Patricia Baena, ist und dass er sie sogar im eigenen Ehebett betrogen hat, sucht sie sich gerade ein eigenes Domizil. Mit Laura Wasser hat sie sich eine der besten Scheidungsanwältinnen Amerikas genommen.

Für Diplom-Psychologe Michael Thiel der einzig mögliche Schritt: "Diese Art von Ehebruch hat eine Qualität, die eine Frau nicht ertragen kann. Es gibt zu viele Verletzungen." Das Grausame, so Thiel, sei nicht in erster Linie das Fremdgehen, sondern die jahrelange Geheimniskrämerei. Zu erkennen, dass der Mann gelogen hat - eine Situation, die Sinclair womöglich noch bevorsteht, wenn im angesetzten Prozess bewiesen wird, dass der nach den Vorwürfen zurückgetretene Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) im New Yorker Hotel "Sofitel" tatsächlich das 32-jährige Zimmermädchen Nafissatou Diallo vergewaltigen wollte. Noch glaubt Millionenerbin Sinclair an die Unschuld ihres Mannes, organisierte über Nacht 700.000 Euro Kaution in bar und eine Bürgschaft über 3,6 Millionen Euro, mietete erst ein kleines und dann ein zweites, größeres Apartment in Manhattan, in dem Strauss-Kahn, mit elektronischer Fußfessel und von Sicherheitsleuten und Kameras bewacht, auf den nächsten Gerichtstermin am 6. Juni warten kann.

Bei jeder Anhörung sitzt sie in der ersten Reihe und lächelt ihrem Mann aufmunternd zu. "Ich glaube keine Sekunde an die Vorwürfe", lässt sie die Öffentlichkeit wissen.

Für Außenstehende kaum zu verstehen. Genau, wie nur schwer zu glauben ist, dass Maria Shriver nie etwas von den Seitensprüngen ihres Mannes bemerkt haben will. Den Psychologen Thiel überrascht so ein Verhalten jedoch wenig: "Manche Frauen schieben jeden Zweifel beiseite und leben nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf." So schaffen sie es jahrelang, die Fassade der heilen Welt zu wahren. Und so haben es beispielsweise auch die Frauen aus dem großen Kennedy-Clan, in dem Untreue seit jeher zum guten Ton gehört, in der Öffentlichkeit vorgelebt.

Umso schlimmer dann der Moment der Erkenntnis. "Gerade für ältere Frauen gerät das gesamte Lebensgefüge durcheinander. Sie erleben ein Trauma und müssen regelrechte Trauerarbeit leisten", sagt Psychologe Thiel. Die erste Phase sei der Schock. Unter dem steht offenbar auch noch Shriver, die gestand, welch herzzerreißende Zeit sie gerade durchlebt und dass sie alle Kraft aufbringen muss, um ihre Kinder zu schützen.

Die Presseerklärung ihres Mannes, er wolle alle Projekte, auch "Terminator 5", auf Eis legen und sich um die Familie kümmern, muss wie Hohn für sie klingen: Ob Scheidungskrieg um Sorgerecht und ein Vermögen von rund 300 Millionen Euro oder Erbansprüche des unehelichen Kindes - wer ist denn verantwortlich für das, was der Familie noch bevorsteht?

Und es kommen täglich neue pikante Details ans Licht, die Maria Shriver wie Messerstiche ins Herz treffen müssen. Besonders erschütternd: Schwarzenegger habe zwei weitere uneheliche Kinder, behauptet Jane Seymour. "Das habe ich von jemandem, der ihn gut kennt", so die Schauspielerin. Dass er von Angestellten, ob zu Hause oder in seinem Restaurant "Schatzi" nur noch "der Grapscher" genannt wurde und vor keiner Frau Halt gemacht habe, überrascht da kaum noch. Eher, dass die Frauen immer unattraktiv gewesen sein sollen. Das geht laut der britischen Zeitung "News of the World", aus einem Detektivbericht hervor, den Schwarzeneggers Politsponsoren schon vor Jahren in Auftrag gegeben hatten. Attraktiven Frauen, heißt es, habe er sich nicht gewachsen gefühlt.

Und was wird Anne Sinclair in den kommenden Monaten alles über das Doppelleben ihres Mannes hören müssen? Als großen Verführer hat sie ihn in 20 Jahren Ehe geliebt und gelobt, ihm Affären verziehen. Aber wenn er tatsächlich gewalttätig geworden ist und womöglich eine jahrzehntelange Haftstrafe bekommt, wird auch ihre Liebe auf den Prüfstand gestellt. Die Franzosen zumindest, die das glamouröse Paar bisher geradezu vergötterten, beginnen zu zweifeln. Gehören Mätressen und Amour fou auch seit Jahrhunderten zu ihrer Kultur, können sie eine versuchte Vergewaltigung natürlich nicht schönreden.

Wie Strauss-Kahn in Frankreich hat auch Schwarzenegger in Amerika eine Wertediskussion entfacht. Das angesehene Magazin "Time" widmet dem Thema mit der Zeile "Sex, Lügen, Arroganz. Warum sich mächtige Männer wie Schweine benehmen" einen Titel. Sicher sind es nicht nur die mächtigen Männer, die fremdgehen. Doch wie in den Fällen Strauss-Kahn und Schwarzenegger wird es oft besonders schmutzig. Psychologe Thiel: "Diese Männer haben das Gefühl, unantastbar zu sein und über Recht und Gesetz zu stehen." Sie seien, was Geld und Macht betrifft, ganz oben angekommen und bräuchten ständig neue Kicks, um sich glücklich zu fühlen. Und die suchen Strauss-Kahn & Co. offenbar gern in anderen Milieus als dem eigenen.

Bleibt die Frage, wie Männer ihren Frauen so etwas antun können. Thiel: "Die meisten Männer haben sehr lange kein schlechtes Gewissen. Sie denken, dass sie doch keiner Frau etwas wegnehmen, dass es alle gut haben." Sie kämen sich vor wie eine riesengroße Sahnetorte, von der alle naschen können und satt werden.

Da kann einem wirklich der Appetit vergehen ...

Tatjana Detloff

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