Marcel Reich-Ranicki: Der Literaturkritiker ist tot

Marcel Reich-Ranicki, der Buchkenner mit der scharfen Zunge, ist im Alter von 93 Jahren gestorben

Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki ist am Mittwoch (18. September) im Alter von 93 Jahren gestorben. Das gab der Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, am Mittag auf Twitter bekannt. "Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht", schreibt er.

Schirrmacher und Reich-Ranicki waren einst Kollegen: 15 Jahre lang leitete Reich-Ranicki die Literaturredaktion der FAZ. Mit seinen Artikeln wurde er zum scharfzüngigsten Literatur-Kritiker Deutschlands.

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Auch im Ruhestand machte Reich-Ranicki weiter von sich reden. Mit 68 wurde er Gastgeber der ZDF-Fernsehsendung "Das literarische Quartett". Sein Begrüßungssatz "Meine Damen und Herren, dies ist keine Talkshow" ist noch heute bekannt. Seine Karriere als Literaturpapst musste er sich hart erkämpfen: Trotz guter Leistungen in der Schule wurden dem Sohn eines jüdischen Kaufmanns nach dem Abitur in Nazi-Deutschland das Studium verwehrt. Als junger Mann wurde er nach Polen ausgewiesen und in das Ghetto von Warschau gebracht. Reich-Ranicki gelang zusammen mit seiner Frau die Flucht, seine Eltern wurden jedoch ermordet.

In seiner Autobiographie "Mein Leben" schilderte Reich-Ranicki später, dass ihm die Literatur in dieser Zeit geholfen habe. Bevor er 1958 nach Deutschland übersiedelte und mit seinen Artikeln in großen Tageszeitungen erfolgreich wurde, arbeitete er für den polnischen Geheimdienst in London und schlug sich in Warschau als Lektor und Übersetzer durch.

Marcel Reich-Ranicki, der die Ehrendoktorwürde der Universitäten in Berlin, Düsseldorf, München, Augsburg, Bamberg, Uppsala und Utrecht trug, sorgte zuletzt 2008 für Schlagzeilen. Damals lehnte er den Ehrenpreis der Stifter des "Deutschen Fernsehpreises" ab.

Im März 2013 gab Marcel Reich-Ranicki bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist. Reich-Ranickis Frau Tosia starb im April 2011 im Alter von 91 Jahren. Das Paar hat einen Sohn namens Andrew, der als Mathematikprofessor in Schottland arbeitet.

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