VG-Wort Pixel

Malik Harris ESC-Kandidat spricht über schwierige Momente in seiner Kindheit

Malik Harris
Malik Harris
© Maria Boshnakova
Malik Harris tritt mit seinem Song "Rockstars" für Deutschland beim ESC an. Darin geht es um seine unbeschwerte Kindheit. Im Interview verrät er, womit er als Kind auch zu kämpfen hatte.

Malik Harris, 24, ist Deutschlands große Hoffnung: Der Sänger aus Landsberg am Lech in Bayern soll beim "Eurovision Song Contest" (ESC) am 14. Mai 2022 in Turin ordentlich Punkte einheimsen. Seitdem er den Vorentscheid für Deutschland gewonnen hat, merkt der Musiker, wie seine Karriere einen Schub macht. Im GALA-Interview verrät er, welchen Tipp sein Vater Ricky Harris, 59, – ehemaliger Moderator der 90er-Jahre-Talkshow "Ricky!" – ihm für die Zukunft mit auf den Weg gegeben hat.

ESC-Kandidat Malik Harris mit einer One-Man-Show 

Außerdem enthüllt der sonst so locker wirkende Sänger, warum seine Songs nicht so happy, sondern eher tiefgründig sind, weshalb seine Kindheit nicht immer so unbeschwert war, ob er eine Freundin hat und dass er bei seinem ESC-Auftritt im Mai wohl nicht nur singen wird.

GALA: In "Rockstars", Ihrem Lied für den ESC, singen Sie: "I’m afraid of being nobody". Haben Sie Angst davor, ein "Niemand" zu sein?
Malik Harris:
Ja, dieses Gefühl steckt in mir drin, auch wenn ich weiß, dass mich viele Leute kennen und meine Musik feiern.

Was müsste denn passieren, damit Sie sich nicht mehr so fühlen?
Ein Stück weit hilft mir die Musik. Vor allem gibt mir die Bühne das Gefühl, kein "Niemand" zu sein. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann auch ohne die Musik so fühle. Den Schlüssel dafür habe ich noch nicht.

In "Rockstars" geht es um eine unbeschwerte Kindheit

In Interviews wirken Sie immer gut gelaunt, Ihre Liedtexte sind aber eher sentimental und tiefgründig. Wie passt das zusammen?
Auf der einen Seite denke ich viel über alles nach.

Manchmal möchte ich meinem Kopf gerne sagen, dass er mal für fünf Minuten den Mund halten soll.

Es ist anstrengend, alles zu überdenken. Darum geht es auch in "Rockstars". Auf der anderen Seite bin ich von Natur aus gut gelaunt und kann diese Gedanken gut verdrängen, wenn ich gerade keine Musik mache.

In Ihrem ESC-Song geht es auch um eine unbeschwerte Kindheit und "die guten, alten Zeiten". Wie unbeschwert war Ihre Kindheit?
Ich hatte eine superschöne Kindheit. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Handys noch kein großes Ding waren. Deshalb war ich viel draußen, bin auf Bäume geklettert, im See geschwommen, im Winter Schlitten gefahren. Diese unbeschwerte Zeit wünsche ich mir manchmal zurück. Damals habe ich nicht so viel über alles nachgedacht. Ich finde es schade, dass man das im Alter verliert.

Malik Harris' Familie hatte nicht viel Geld

Welche negativen Zeiten sind Ihnen neben diesen schönen Erinnerungen im Gedächtnis geblieben?
Wir hatten nie sehr viel Geld, als ich aufgewachsen bin. Als Kind hatte ich nicht viel Verständnis, wenn ich etwas nicht haben durfte und war dann sauer auf meine Familie. Im Nachhinein weiß ich, wie gemein das von mir war und es tut mir weh, wenn ich daran zurückdenke.

Haben Sie auch Diskriminierung aufgrund Ihrer Hautfarbe erfahren müssen?
Beim Fußball gab es mal rassistische Anfeindungen. Ansonsten habe ich Diskriminierung eher unterschwellig erlebt, zum Beispiel bei dem Spiel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann". Meine ganze Familie ist voller Schwarzer Männer. Deshalb habe ich mich damals gefragt: Warum muss man vor Schwarzen Männern Angst haben?

Sind diese Erfahrungen der Grund, wieso Sie sich beispielsweise für die "Black Lives Matter"-Bewegung einsetzen?
Ich glaube schon, dass mein politisches Engagement aus meiner Kindheit kommt. Wenn man aus einer Schwarzen Familie kommt, dann wird man fast automatisch dazu gedrängt, sich politisch zu engagieren. Mein Großvater hat auch damals mit meiner Oma an der Seite von Martin Luther King auf der Straße protestiert. Und gerade jetzt leben wir wieder in einer Zeit, in der wir alle zusammenhalten müssen. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

Durch meine Musik kann ich viele Menschen erreichen. Das muss ich nutzen, um etwas zu verändern.

Vater Ricky Harris gab ihm einen Tipp

Ihr Vater Ricky Harris ist ein bekannter Moderator und Schauspieler. Hat er Ihnen Tipps für das Show-Business gegeben?
Ja, aber die Musik-Welt ist heute eine andere als die TV-Moderationswelt vor 20 Jahren. Ein Hinweis ist mir trotzdem in Erinnerung geblieben: Je bekannter du wirst, desto mehr melden sich auf einmal Leute, mit denen man vorher nie engen Kontakt hatte. Das habe ich jetzt auch schon erlebt. Deswegen beherzige ich seinen Tipp: Ich behalte die Leute, auf die ich mich verlassen kann, immer eng bei mir.

Eigentlich wollten Sie 2020 durchstarten mit einer eigenen großen Tour und Auftritten auf Festivals. Dann ist Corona dazwischengekommen. Holen Sie das jetzt nach?
Es steht einiges an. Wenn Corona es zulässt, bin ich auf vielen Festivals und mit Amy Macdonald unterwegs. Am meisten freue ich mich auf meine erste eigene große Tour. Die geht am 15. Mai 2022 los, einen Tag nach dem ESC in Turin.

Malik Harris ist überzeugt von seiner Musik

Ihre Karriere nimmt also Fahrt auf. Andere Künstler hatten Probleme mit ihrer plötzlichen Bekanntheit. Lena Meyer-Landrut sagte kürzlich, dass sie das Gefühl hatte, dadurch etwas verpasst zu haben. Fühlen Sie sich auf Ihren möglichen Karrieresprung vorbereitet?
Ich glaube dadurch, dass es immer mein Traum war, bin ich besser vorbereitet und entspannter. Aber solange man nicht da oben ist, weiß man nicht, wie es ist. Vielleicht unterschätze ich das auch.

In den vergangenen Jahren waren die deutschen Kandidat:innen selten beim ESC erfolgreich. Haben Sie Angst, dass Ihre Karriere durch den ESC auch in eine andere Richtung gehen könnte, sprich, einen Knick bekommen könnte?
Nein. Ich bin da zu überzeugt von dem Song und meiner Musik. Und auch wenn etwas schieflaufen sollte: Ich würde mich davon nicht unterkriegen lassen.

Das ist der Stand zu seinem ESC-Auftritt

Laut ESC-Barometer liegen Sie mit Ihrem Lied bisher im unteren Mittelfeld. Wären Sie damit zufrieden?
Ne, dazu bin ich zu ehrgeizig. Unteres Mittelfeld? Das ist auf jeden Fall ausbaufähig.

Können Sie schon Details zu Ihrem ESC-Auftritt in Turin sagen?
Das ist gerade alles noch in Planung.

Aber ich fühle mich am wohlsten auf der Bühne, wenn ich mit meiner Loop-Station und meinen Instrumenten allein bin. Das ist die Art, wie ich meine Musik mache und das wird sich in nächster Zeit auch nicht ändern.

Malik Harris hat eine Freundin

Ihr Lied "When we’ve arrived" handelt von einer verflossenen Liebe. Wie sieht es jetzt bei Ihnen aus?
Über diese Liebe bin ich hinweg und habe mittlerweile auch eine Freundin.

Heißt das, es könnte in Zukunft auch Liebeslieder von Ihnen geben?
Das könnte passieren, ich habe auf jeden Fall schon welche geschrieben.

swa Gala

Mehr zum Thema

Gala entdecken